DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

«Wir staunen nur noch»: CVP landet mit Frauenticket einen Überraschungscoup

Es war um 17.43 Uhr, als die CVP ihr Ticket für die Ersatzwahl für Doris Leuthard über Twitter bekannt gab. Es besteht aus Nationalrätin Viola Amherd (VS) und der Urner Regierungsrätin Heidi Z’graggen. Damit landete die Partei am Freitag einen veritablen Überraschungscoup. 
17.11.2018, 10:0217.11.2018, 17:29
Othmar von Matt / ch media

Fast alle hatten mit einem Ticket mit Amherd und dem Zuger Ständerat Peter Hegglin gerechnet. Politiker wie Medien. Die «Rundschau» von SRF etwa hatte sich für einen Beitrag nur an die Fersen der vermeintlichen Kronfavoriten Amherd und Hegglin geheftet.

Parlamentarier aus der CVP sagen, sie hätten mit dem Ticket einen Coup landen wollen. Er enthält fast alles, was sich eine Partei ein Jahr vor den Wahlen wünschen kann: Ein reines Frauenticket, das Neugier weckt und Coolness ausstrahlt. Umso mehr, als mit Z’graggen eine eher unbekannte Kandidatin darauf zu finden ist.

Heidi Z'graggen hat es überraschend auf das CVP-Bundesratsticket geschafft.
Heidi Z'graggen hat es überraschend auf das CVP-Bundesratsticket geschafft.
Bild: KEYSTONE

Bundesrats-Historiker Urs Altermatt hatte im Interview mit der «Schweiz am Wochenende» darauf hingewiesen, dass ein reines Frauenticket «ein starkes Signal der CVP» wäre, mit einer klaren Botschaft: «Die CVP trägt zu einer angemessenen Vertretung der Frauen, drei Bundesrätinnen, bei.» Mit diesem Signal würde sie die Wahl von FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter überstrahlen und gleichzeitig signalisieren, dass «frauenpolitische Anliegen wichtiger sind für die Gesellschaft als regionalpolitische».

Im Fall von Z’graggen konnte die CVP Frauenargument und Regionalpolitik sogar verbinden. Die Urnerin habe sich den Platz auf dem Ticket mit einer sehr erfrischenden Präsentation verdient, die sich stark von den meisten Präsentationen langjähriger Parlamentarier unterschieden habe.

Überraschte Konkurrenz

Überrascht vom Coup der CVP wurde auch die politische Konkurrenz. «Mit diesem Ticket hätte ich nicht gerechnet», gesteht SP-Nationalrat Cédric Wermuth. «Das ist ein mutiges Ticket, das positiv überrascht und breite Sympathien schafft.» Nun werde die Wahl vom 5. Dezember «spannend», glaubt der Sozialdemokrat Wermuth.

Überrascht ist man auch bei der SVP. «Wir staunen nur noch», sagt Nationalrat Ulrich Giezendanner. Eigentlich hatte sich die SVP darauf eingestellt, den Zuger Ständerat Peter Hegglin breit zu unterstützen. «Wir wissen nun gar nicht so recht weiter», gesteht Giezendanner ein. «Heidi Z’graggen kennen wir noch kaum. Sie hat aber Potenzial und ist eindeutig bürgerlicher als Viola Amherd.» Z’graggen ist für strenge Einwanderungsregeln und relativ öffnungskritisch. Allerdings ist sie in Finanz- und Wirtschaftsfragen auch gemässigt.

Gilt nun als Favoritin: Viola Amherd. 
Gilt nun als Favoritin: Viola Amherd. 
Bild: KEYSTONE

Mit ihrem Frauen-Ticket mischt die CVP die Bundesratswahlen neu auf. Mit einem Ticket Amherd/Hegglin wären die Fronten sehr klar zwischen Mitte-Links und Mitte-Rechts verlaufen. Mit Überraschungs-Kandidatin Heidi Z’graggen muss sich das nun neu einpendeln. SP-Mitglieder hatten sich bei Urner SP-Kollegen erkundigt, ob Z’graggen für sie wählbar sei. Sie erhielten ein Ja zur Antwort. Offenheit für die unerwartete Kandidatin signalisiert auch die FDP. «Wir lassen uns gerne überraschen von einer guten und frischen Kandidatin», sagt FDP-Nationalrat Thierry Burkart.

Viola Amherd gilt nun als Favoritin

Mit diesem Ticket hat die CVP gleichzeitig Viola Amherd in die Favoritenrolle geschoben. Amherd wird von Mitte-Links breit gestützt. Die Linke sieht in ihr die «logische Doris Leuthard II», wie es ein Parlamentarier formuliert. Amherd habe eine ähnliche Persönlichkeit und sei politisch vergleichbar positioniert in Energie-, Sozial- und Europapolitik wie Leuthard. Amherd kann auf die geschlossene Unterstützung von SP (55 Stimmen) und Grünen (13) zählen. Ob sich das mit Z’graggen ändert, ist zu bezweifeln. Auch BDP und GLP hatten signalisiert, dass sie bei einem Ticket Amherd/Hegglin die Frau bevorzugen.

Hat es nicht auf das Bundesratsticket geschafft: Peter Hegglin.
Hat es nicht auf das Bundesratsticket geschafft: Peter Hegglin.
Bild: KEYSTONE

Als Vizefraktionschefin der CVP hat Amherd ein grosses Netzwerk im Parlament, ein Vorteil gegenüber der Urnerin. «Ich werde nun die zweieinhalb Wochen nutzen, um mich noch besser vorzubereiten», sagte Z’graggen. «Und ich werde meine Netzwerke nutzen, damit ich meinen Bekanntheitsgrad möglichst schnell steigern kann.»

Doch auch Amherd hat, möglicherweise, ein Handicap. Sollten noch weitere eher zweifelhafte Geschichten über ihre Notariatstätigkeiten bekannt werden, könnte das für sie plötzlich doch zum Problem werden. Ob sie in der CVP-Fraktion zu diesen Geschichten befragt worden sei, wollte man an der Medienkonferenz von Amherd wissen: «Ich musste keine Fragen beantworten», sagte sie. Sie habe stets «transparent und offen» informiert. (aargauerzeitung.ch)

Johann Schneider-Ammann – ein kurzer Rückblick

1 / 13
Johann Schneider-Ammann – ein kurzer Rückblick
quelle: keystone / gian ehrenzeller
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Beliebt und volksnah – Doris Leuthards Amtszeit im Überblick

Video: srf
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Bundesrat gegen Kündigungsschutz für frischgebackene Väter

Eine von SP-, Grünen-, Mitte- und FDP-Nationalrätinnen und -Nationalräten unterstützte Motion verlangt, dass frischgebackene Väter in gleicher Weise vor einer Kündigung geschützt sind, wie dies für Frauen im Mutterschaftsurlaub gilt. Der Bundesrat ist dagegen.

Er verweist in seiner am Donnerstag publizierten Antwort auf die Diskussionen im Rahmen des Vaterschaftsurlaubs. Damals sei explizit festgehalten worden, dass der Arbeitgeber den Arbeitsvertrag des Vaters, der Anspruch auf einen …

Artikel lesen
Link zum Artikel