Schweiz
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«Wir staunen nur noch»: CVP landet mit Frauenticket einen Überraschungscoup

Es war um 17.43 Uhr, als die CVP ihr Ticket für die Ersatzwahl für Doris Leuthard über Twitter bekannt gab. Es besteht aus Nationalrätin Viola Amherd (VS) und der Urner Regierungsrätin Heidi Z’graggen. Damit landete die Partei am Freitag einen veritablen Überraschungscoup. 

Othmar von Matt / ch media



Fast alle hatten mit einem Ticket mit Amherd und dem Zuger Ständerat Peter Hegglin gerechnet. Politiker wie Medien. Die «Rundschau» von SRF etwa hatte sich für einen Beitrag nur an die Fersen der vermeintlichen Kronfavoriten Amherd und Hegglin geheftet.

Parlamentarier aus der CVP sagen, sie hätten mit dem Ticket einen Coup landen wollen. Er enthält fast alles, was sich eine Partei ein Jahr vor den Wahlen wünschen kann: Ein reines Frauenticket, das Neugier weckt und Coolness ausstrahlt. Umso mehr, als mit Z’graggen eine eher unbekannte Kandidatin darauf zu finden ist.

ARCHIVBILD - ZUR CVP-BUNDESRATSKANDIDATIN HEIDI Z'GRAGGEN STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Geduldig beantwortet Staenderatskandidatin Heidi Z'Graggen, CVP, die Fragen der Medien am Sonntag, 7. Maerz 2010, im Rathaus Altdorf, nach dem ersten Wahlgang der Staenderats-Ersatzwahl. Keiner der drei Kandidaten erreichte das absolute Mehr, es kommt somit am 25. April zum zweiten Wahlgang. (KEYSTONE/Geri Holdener)

Heidi Z'graggen hat es überraschend auf das CVP-Bundesratsticket geschafft. Bild: KEYSTONE

Bundesrats-Historiker Urs Altermatt hatte im Interview mit der «Schweiz am Wochenende» darauf hingewiesen, dass ein reines Frauenticket «ein starkes Signal der CVP» wäre, mit einer klaren Botschaft: «Die CVP trägt zu einer angemessenen Vertretung der Frauen, drei Bundesrätinnen, bei.» Mit diesem Signal würde sie die Wahl von FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter überstrahlen und gleichzeitig signalisieren, dass «frauenpolitische Anliegen wichtiger sind für die Gesellschaft als regionalpolitische».

Im Fall von Z’graggen konnte die CVP Frauenargument und Regionalpolitik sogar verbinden. Die Urnerin habe sich den Platz auf dem Ticket mit einer sehr erfrischenden Präsentation verdient, die sich stark von den meisten Präsentationen langjähriger Parlamentarier unterschieden habe.

Überraschte Konkurrenz

Überrascht vom Coup der CVP wurde auch die politische Konkurrenz. «Mit diesem Ticket hätte ich nicht gerechnet», gesteht SP-Nationalrat Cédric Wermuth. «Das ist ein mutiges Ticket, das positiv überrascht und breite Sympathien schafft.» Nun werde die Wahl vom 5. Dezember «spannend», glaubt der Sozialdemokrat Wermuth.

Überrascht ist man auch bei der SVP. «Wir staunen nur noch», sagt Nationalrat Ulrich Giezendanner. Eigentlich hatte sich die SVP darauf eingestellt, den Zuger Ständerat Peter Hegglin breit zu unterstützen. «Wir wissen nun gar nicht so recht weiter», gesteht Giezendanner ein. «Heidi Z’graggen kennen wir noch kaum. Sie hat aber Potenzial und ist eindeutig bürgerlicher als Viola Amherd.» Z’graggen ist für strenge Einwanderungsregeln und relativ öffnungskritisch. Allerdings ist sie in Finanz- und Wirtschaftsfragen auch gemässigt.

ARCHIVBILD - ZUR CVP-BUNDESRATSKANDIDATIN VIOLA AMHERD STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Kommissionssprecherin Viola Amherd, CVP-VS, spricht zur Debatte um den Kindesschutz an der Wintersession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 28. November 2017 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Gilt nun als Favoritin: Viola Amherd.  Bild: KEYSTONE

Mit ihrem Frauen-Ticket mischt die CVP die Bundesratswahlen neu auf. Mit einem Ticket Amherd/Hegglin wären die Fronten sehr klar zwischen Mitte-Links und Mitte-Rechts verlaufen. Mit Überraschungs-Kandidatin Heidi Z’graggen muss sich das nun neu einpendeln. SP-Mitglieder hatten sich bei Urner SP-Kollegen erkundigt, ob Z’graggen für sie wählbar sei. Sie erhielten ein Ja zur Antwort. Offenheit für die unerwartete Kandidatin signalisiert auch die FDP. «Wir lassen uns gerne überraschen von einer guten und frischen Kandidatin», sagt FDP-Nationalrat Thierry Burkart.

Viola Amherd gilt nun als Favoritin

Mit diesem Ticket hat die CVP gleichzeitig Viola Amherd in die Favoritenrolle geschoben. Amherd wird von Mitte-Links breit gestützt. Die Linke sieht in ihr die «logische Doris Leuthard II», wie es ein Parlamentarier formuliert. Amherd habe eine ähnliche Persönlichkeit und sei politisch vergleichbar positioniert in Energie-, Sozial- und Europapolitik wie Leuthard. Amherd kann auf die geschlossene Unterstützung von SP (55 Stimmen) und Grünen (13) zählen. Ob sich das mit Z’graggen ändert, ist zu bezweifeln. Auch BDP und GLP hatten signalisiert, dass sie bei einem Ticket Amherd/Hegglin die Frau bevorzugen.

ARCHIVBILD - ZUM CVP-BUNDESRATSKANDIDATEN PETER HEGGLIN STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Peter Hegglin, Praesident der Branchenorganisation Milch, spricht waehrend einer Medienkonferenz der Schweizer Milchproduzenten, am Montag, 15. Oktober 2018 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Hat es nicht auf das Bundesratsticket geschafft: Peter Hegglin. Bild: KEYSTONE

Als Vizefraktionschefin der CVP hat Amherd ein grosses Netzwerk im Parlament, ein Vorteil gegenüber der Urnerin. «Ich werde nun die zweieinhalb Wochen nutzen, um mich noch besser vorzubereiten», sagte Z’graggen. «Und ich werde meine Netzwerke nutzen, damit ich meinen Bekanntheitsgrad möglichst schnell steigern kann.»

Doch auch Amherd hat, möglicherweise, ein Handicap. Sollten noch weitere eher zweifelhafte Geschichten über ihre Notariatstätigkeiten bekannt werden, könnte das für sie plötzlich doch zum Problem werden. Ob sie in der CVP-Fraktion zu diesen Geschichten befragt worden sei, wollte man an der Medienkonferenz von Amherd wissen: «Ich musste keine Fragen beantworten», sagte sie. Sie habe stets «transparent und offen» informiert. (aargauerzeitung.ch)

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Video: srf

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33Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Juliet Bravo 17.11.2018 22:30
    Highlight Highlight Was versteht man unter „in Finanz- und Wirtschaftsfragen gemässigt“ sein? (Ernst gemeint, ich weiss nicht, was das bedeutet)
  • Livia Peperoncini 17.11.2018 16:24
    Highlight Highlight Eine erstinstanzlich verurteilte Bundesratskandidatin ist ja mal was neues. "Geld ist eine Waffe. Politik ist zu wissen, wann man abdrückt." Zitat "Der Pate lll" auch Leitspruch der Walliser CVP Mafia.
    • dan2016 17.11.2018 18:05
      Highlight Highlight Du weisst schon was eine zivilrechtliche Auseinandersetzung ist? Ich behaupte, dass schon sehr viele Bundesräte dies hatten
  • Gähn on the rocks 17.11.2018 14:58
    Highlight Highlight sauber!
  • the Wanderer 17.11.2018 14:56
    Highlight Highlight das Wichtigste ist, dass die selbstverliebte Frau Schneider-Schneiter kein Thema mehr ist.
  • Luky22 17.11.2018 13:27
    Highlight Highlight Eine Urnerin als Bundesrätin wäre schön. Eine undifferenzierte Aussage, ich weiß... aber ich mag diesen Kanton!Damals hat es doch Katastrophen-Franz leider nur fast geschafft!
  • Hier könnte Ihre Werbung stehen 17.11.2018 13:23
    Highlight Highlight Wenn Amherd im TV spricht, brauche ich Untertitel.
    • Militia 17.11.2018 22:47
      Highlight Highlight Gratulation zu so viel künstlicher Ignoranz...
  • Platon 17.11.2018 13:21
    Highlight Highlight Und die SVP so: Wir hätten Hegglin gewählt, unser Guy kann schliesslich auch kein Englisch🤷🏻‍♂️
  • Schleiger 17.11.2018 12:19
    Highlight Highlight Gratuliere!!!
  • Leader 17.11.2018 12:18
    Highlight Highlight Die Frau aus Uri, ach Gott wie nett,
    auf Ticket gehievt, bevor sie geht zu Bett,
    zum Glück hatt man noch Zeit bis zur Wahl, diese Nomination zu korrigieren, sonst wird‘s definitiv eine Qual.
    • the Wanderer 17.11.2018 14:52
      Highlight Highlight dichtet hier aber nicht etwa Oskar Freysinger?
    • Leader 17.11.2018 18:48
      Highlight Highlight Nein Wanderer- sonst hätte ich ja über die andere Kandidatin geschrieben. :-)
    • the Wanderer 18.11.2018 21:10
      Highlight Highlight ...auch wieder richtig..😊😊
  • Barracuda 17.11.2018 12:16
    Highlight Highlight Mir kommen die Tränen. Könnte bitte mal jemand dem LKW-Ueli Nachhilfe in Demokratie geben, dann müsste er nicht mehr so ratlos staunen und könnte das Ganze einordnen. Oder hatte der Ueli das Gefühl, dass die CVP zuerst die SVP fragt, wer denn nun genug rechtsbürgerlich und genehm ist? Ich glaube mal, es gibt genug Nominationen der SVP, über die man auch staunen hätte können. Für mich führt bei dieser Auswahl kein Weg an Amherd vorbei. Nur wird da wohl FDP/SVP nicht mitspielen, bei einem BR sind Netzwerk, Dossiersicherheit und Kompetenz ja vernachlässigbar.
  • uicked 17.11.2018 12:03
    Highlight Highlight Amherd die angeblich 17000.- unterschlagen hat ?
    • reaper54 17.11.2018 13:57
      Highlight Highlight Das ist in der Schweiz aktuell nicht wichtig.
      Wichtig für Behörden ist aktuell ob man oben genug und unten das richtige hat...
    • fant 17.11.2018 14:00
      Highlight Highlight Angeblich!
    • who cares? 17.11.2018 14:26
      Highlight Highlight @uicked ich dachte, schuldig ist nur, wer formal verurteilt wurde? Wird zumindest bei Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung immer gefordert in den Kommentarspalten.
    Weitere Antworten anzeigen
  • rundumeli 17.11.2018 11:58
    Highlight Highlight blatter, infantino, amherd ... hmm
    • rodolofo 17.11.2018 12:15
      Highlight Highlight Nimmst Du Amherd da etwa in Sippenhaft?
      Klar, im Wallis scheinen Gesetze zu gelten, wie auf Sizilien.
      Aber auf meinen Reisen stellte ich immer wieder fest, dass gerade da, wo die Mafia (zusammen mit der Katholischen Kirche; dies nur hinter vorgehaltener Hand leise geflüstert) regiert, das einzelne Menschenleben nicht viel Wert hat und der Tod sehr nahe ist, auch umso ehrenwertere Menschen und umso mehr unerschütterliche Lebensfreude und Lebenskraft anzutreffen ist!
      Beispiele: Nelson Mandela, der heutige Bürgermeister von Palermo, Viola Amherd.
  • R. Peter 17.11.2018 11:43
    Highlight Highlight Schade um Peter Hegglin.
    • mogad 17.11.2018 13:50
      Highlight Highlight Ins Pfefferland mit diesem dauergrinsenden, neoliberalen Steuersenker.
    • Peter Panther 17.11.2018 17:25
      Highlight Highlight Hegglin wäre ein JSA-relioaded geworden 😴😴😴
  • rodolofo 17.11.2018 11:35
    Highlight Highlight Ich schliesse mich der allgemeinen Begeisterung an:
    Die CVP lebt!
    Geburtshelferinnen der einfältigen Wiederauferstehung sind wieder einmal ... FRAUEN!
    Meine persönlichen Sympathien liegen schwerpunktmässig eindeutig bei der Waliserin Viola Amherd.
    Aber Heidi Zargen hat mit ihrer frechen "Das sich en Depp, hihii..."-Bemerkung bei noch angeschaltetem Mikrophon an einer Podiumsdiskussion in Hintertupfikon bei mir sehr viele Sympathien hinzugewonnen!
    Ihre Aufholjagd hat also begonnen und es wird wohl ein Hitchcock-Finale mit einer "NACHT DER LANGEN MESSER" geben!
    Huiiik! Huiiik! Huiiik!
  • erkolino 17.11.2018 11:19
    Highlight Highlight Ich weiss nicht, ob ich als Urner lachen oder weinen soll.
    • Rigelragelrugel 17.11.2018 12:45
      Highlight Highlight Dito
    • schuldig 17.11.2018 13:31
      Highlight Highlight Ich würde zuerst lachen - das Weinen kommt von alleine
  • Clife 17.11.2018 10:44
    Highlight Highlight Ich hätt mich nach dem ganzen „Frauen an die Macht“-Trara der letzten Monate gewundert, wenn nur Männer nominiert worden wären. Man wird durch die Gesellschaft ja regelrecht dazu genötigt, Frauen zu nominieren. Hoffentlich sind es wenigstens akzeptable Kandidaten
    • Schneider82 17.11.2018 13:17
      Highlight Highlight #whataboutism

Linksautonome Schweizer marschierten an «Gilets-jaunes»-Protesten mit

Unter die «gilets jaunes» in Paris mischten sich am Samstag auch Mitglieder der linksradikalen «Revolutionären Jugend». Sie wollten Solidarität bekunden, «Erfahrungen in Strassenkämpfen» sammeln und «untersuchen, inwiefern sich Rechtsextreme an den Protesten beteiligen.»

Proteste der «Gelbwesten» mit Krawallen und Ausschreitungen haben Frankreich an diesem Wochenende erneut in Atem gehalten. Unter die Demonstranten mischten sich anscheinend auch Schweizer Linksautonome.

Mitglieder der Revolutionären Jugend Bern schreiben auf Facebook, sie hätten sich in Paris ein Bild der Bewegung machen können, das «sehr positiv und motivierend» ausfalle. Darunter publizieren sie ein Foto eines brennenden Autos. 

Auch die Zürcher Sektion der Bewegung berichtet von …

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