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Kampfjet-Befürworter: «Wir müssen gewaltig über die Bücher»

Das hauchdünne Ja bei den Kampfjets ist ein Denkzettel für die Armee. In Bern sinnieren die Kampfjet-Befürworter bereits über die Zukunft der Luftverteidigung.
27.09.2020, 16:3027.09.2020, 17:41

50,1 Ja zu 49,9 Nein: Ein solches Hitchcock-Finale hat niemand erwartet. Ein älterer Mann steht nervös vor einer Pizzeria in Bern, wo sich die Kampfjet-Befürworter eingefunden haben. «Die Leute sind tatsächlich so blöd und denken, der ewige Friede sei ausgebrochen», sagt er und zieht an seiner Zigarillo.

«Die Leute sind tatsächlich so blöd und denken, der ewige Friede sei ausgebrochen.»
Kampfjet-Befürworter

Drinnen richtet Stefan Hollenstein, Präsident der Offiziersgesellschaft (SOG), seinen Anzug. Die «unerträgliche Spannung», wie er sagt, ist ihm ins Gesicht geschrieben. Trotz des mit 50,1 % hauchdünnen Ja hat das Wundenlecken bei den Kampfjet-Befürworter begonnen. «Wir müssen gewaltig über die Bücher», sagt Hollenstein zu watson. Sich genau überlegen, wie man die Sicherheit der Schweiz künftig gewährleisten könne. «Wir sollten uns punkto Verteidigung auf das konzentrieren, was die Bevölkerung wirklich will. Das heisst vielleicht, sich nur noch auf die Luftpolizei zu beschränken.»

Für GLP-Nationalrat Beat Flach ist das knappe Resultat ein deutlicher Fingerzeig. Die Armee müsse nun vermehrt der jüngeren Bevölkerung aufzeigen, warum sie weiter notwendig sei und wie sie auf neuen Gefahren reagieren will.

Finstere Mine bei Stefan Hollenstein, Präsident Offiziersgesellschaft.
Finstere Mine bei Stefan Hollenstein, Präsident Offiziersgesellschaft.
Bild: keystone

Womöglich ist dazu ein Paradigmenwechsel nötig. Die Schweizer Armee müsse vermehrt auf die internationale Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich setzen, meint Flach. «Wir können der Bevölkerung nicht mehr verkaufen, dass wir alleine Krieg führen könnten.»

Die Schweiz müsse bei der Armee in Spitzentechnologien investieren und etwa den Bereich Cyber-Defense stärken. Wenn es nach ihm gehe, könne die Armee durchaus noch kleiner werden. Ein Bestand von 80'000 Soldaten würde reichen.

Aber warum wurde es so knapp mit den Stimmen für die Kampfjets? BDP-Nationalrat Lorzenz Hess glaubt, dass es insbesondere um das Portemonnaie gegangen ist. «Den Leuten war wohl nicht klar, dass das Geld für die Jets aus dem ordentlichen Armeebudget kommt und nicht bei Bildung oder Kultur eingespart würde.»

Nach dem Ja ist SOG-Hollenstein erleichtert. Es brauchte nun aber eine tiefgreifende Analyse. Die Hauptaufgabe sei jetzt, die Bevölkerung besser von der Notwendigkeit der Armee überzeugen zu können.« Es braucht eine Modernisierung des veralteten Bildes der Schweizerinnen und Schweizer zur Armee.»

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Diese vier Kampfjets sind in der engeren Auswahl

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quelle: epa/epa / clemens bilan
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