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A handout picture made available by SITE Intelligence Group 19 February 2009 suposedly showing the two Swiss tourists taken hostage with two other europeans by al-Qaeda terrorists in mali earlier this year. The Europeans were kidnapped along the border of Mali and Niger in January. The Swiss couple, a German woman and a British man had just attended a Tuareg cultural festival in Mali. The two women were released in April 2009. Britain's Prime Minister Gordon Brown said Wednesday, June 3, 2009, that British hostage Edwin Dyer has probably been killed by al-Qaida terrorists. A statement issued in the name of al-Qaida on an Internet site frequently used for extremist messages said the captive, Edwin Dyer, was killed on Sunday. (KEYSTONE/EPA/SITE Intelligence Group)  EDITORIAL USE ONLY
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Der 57-jährige Schweizer Werner Greiner (links) befand sich knapp ein halbes Jahr in der Gewalt der Terroristen. Bild: EPA

Bericht der «New York Times»

Schweiz zahlte al-Kaida über 10 Millionen Franken Lösegeld



Soll die Schweiz für die Befreiung von Geiseln bezahlen?

Die Schweiz soll für die Befreiung eines 2009 in Mali entführten Ehepaares umgerechnet 8 Millionen Euro bezahlt haben. Dies berichtet die New York Times in Berufung auf einen beteiligten Schweizer Vermittler. Obwohl die meisten Regierungen bestreiten, Lösegelder zu zahlen, soll aus Europa seit 2008 über 125 Millionen Dollar zur al-Kaida geflossen sein. Gemäss dem US-Medium sind Entführungen damit zur Haupteinnahmequelle der Terrorgruppe geworden.

Werner Greiner, left, a Swiss citizen who had been held hostage in Mali since January 2009, arrives with his wife Gabriella Barco Greiner, right, at the Airport in Zurich, Switzerland, Tuesday, July 14, 2009. The release was the second in a matter of hours on opposite sides of the world of hostages being held by groups linked to al-Qaida. In the Philippines, militants freed an Italian Red Cross worker earlier Sunday. (KEYSTONE/POOL/Alessandro Della Bella)

Werner Greiner nach seiner Freilassung im Juli 2009 – mit seiner Frau Gabriella Barco, die drei Monate vor ihm freikam. Bild: KEYSTONE POOL

Am 22. Januar 2009 verschleppte die Organisation «al-Kaida des Islamischen Maghreb» im Grenzgebiet zwischen Mali und Niger eine Deutsche, einen Briten und ein Schweizer Ehepaar – sie waren bei einem Tuareg-Kulturfestival zu Gast. Die Schweizer und die Deutsche kamen frei, der Brite hatte weniger Glück: Er wurde von den Terroristen getötet. In einem Statement schrieben die Entführer: «Wie es scheint, sind Grossbritannien seine Bürger nicht wichtig.» Die britische Regierung war hart geblieben und hatte Verhandlungen mit den Geiselnehmern kategorisch abgelehnt.

«Plötzlich tauchte ein Extra-Budgetposten für humanitäre Hilfe in Mali auf»

Nach der Befreiung der Schweizer beteuerte Krisenstab-Chef Markus Börlin, es sei kein Lösegeld bezahlt worden. Dieser Darstellung widerspricht nun ein Schweizer Vermittler, der an der Befreiung beteiligt war, in der «New York Times». Für die Befreiung des Ehepaares und der Deutschen seien 8 Millionen Euro bezahlt worden. «Im selben Jahr stimmten die Parlamentarier in Bern plötzlich für ein Budget mit einem Extra-Posten für humanitäre Hilfe in Mali», so der Insider. 

Das sind nicht die ganzen Kosten der Befreiung: Wie die Fachzeitschrift «Kriminalistik» ausgerechnet hat, sollen die Bemühungen in der Schweiz 5,5 Millionen Franken gekostet haben – darin ist das Lösegeld nicht enthalten.

Werner Greiner, centre, a Swiss citizen who had been held hostage in Mali since January 2009, speaks next to his wife Gabriella Barco Greiner, left, and Swiss federal Councillor Micheline Calmy-Rey, right, at the Airport in Zurich, Switzerland, Tuesday, July 14, 2009. The release was the second in a matter of hours on opposite sides of the world of hostages being held by groups linked to al-Qaida. In the Philippines, militants freed an Italian Red Cross worker earlier Sunday. (KEYSTONE/POOL/Alessandro Della Bella)

Das Ehepaar Greiner und die damalige Aussenministerin Micheline Calmy-Rey, die sich intensiv für die Befreiung eingesetzt hat. Bild: KEYSTONE POOL

Auf Anfrage der «Times» stritt nicht nur die Schweiz, sondern auch Frankreich, Deutschland, Österreich und Italien ab, Lösegelder zu zahlen. Die umfangreichen Recherchen der Zeitung zeichnen ein anderes Bild: In Gesprächen mit beteiligten Ex-Geiseln, Diplomaten, Vermittlern und Parlamentariern kommt die Zeitung auf insgesamt 125 Millionen Dollar seit 2008. Das US-Finanzministerium spricht gar von 165 Millionen Dollar in derselben Zeitspanne. 

Folgende Beträge sollen Regierungen der al-Kaida und ihren Ablegern bezahlt haben:

(Die Beträge wurden zum US-Dollar-Kurs von 2009 umgerechnet inflationsbereinigt.)

Die neue Haupteinnahmequelle der al-Kaida

Die Entführungen haben sich zum guten Geschäft und zur wichtigen Einnahmequelle der al-Kaida entwickelt. Im Jahr 2003 bekamen die Geiselnehmer rund 200'000 Dollar für eine Geisel, jetzt verlangen sie bis zu 10 Millionen. Dass nur etwa fünf Prozent der Entführten aus den USA stammen, die nie Lösegeld zahlen, deutet darauf hin, dass man gezielt Opfer vom zahlungsbereiten Europa aussucht.

Im Gegensatz zu den Anfangsjahren, wo die al-Kaida hauptsächlich von Spenden lebte, soll heute ein grosser Teil der Gelder für Ausbildung, Rekrutierung und Waffen von Lösegeldern stammen. «Kidnapping hat sich zu der wichtigsten Finanzierungsmethode für Terrorismus entwickelt», sagte David S. Cohen, der Terror-Verantwortliche des US-Finanzministeriums, in einer Rede von 2012.

Waren es Anfangs noch unbeholfene, improvisierte Operationen sind die Kidnappings heute durchorchestriert und professionell. Die 2011 entführte Italienerin Mariasandra Mariani berichtet davon, wie die Terroristen hunderte von Kilometern durch die Wüste fuhren; immer wieder gruben sie dabei Sprit, Auto-Ersatzteile und Essen an Orten aus, die sie per GPS markiert hatten – sogar ein ganzes Fahrzeug hatten sie vergraben. (rey)

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