Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Ein Zivildienstler bei einem Gruppeneinsatz  bei der Biotop-Pflege der Stiftung Umwelt-Einsatz Schweiz am Dienstag 15. September 2009 bei einem Biotop in Huesere bei Schwarzenberg im Kanton Luzern. Die Gruppe entbuscht und entfernt Fichten aus dem Flachmoor um dieses wieder in den Originalzustand zu bringen.   (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Zivildienstleistender Bild: Keystone

Gründe für Zivildienstgesuche

Höher Gebildete haben mehr Mühe mit dem Militärdienst und bevorzugen den Zivildienst



Deutschsprachige Rekruten stellen häufiger ein Zivildienstgesuch als ihre französisch- und italienischsprachigen Kollegen. Übervertreten sind ausserdem Personen mit einer höheren Schulbildung. Dies steht in einem Bericht, den der Bundesrat am Mittwoch verabschiedet hat.

Der Bundesrat hatte Ende 2010 beschlossen, dass Rekruten, die Zivildienst möchten, in einem Gespräch die Gründe für ihren Wunsch nennen müssen. Er beauftragte das Verteidigungsdepartement (VBS), ein entsprechendes Verfahren einzurichten.

Der Grund für die Massnahme war, dass damals die Zahl der Zivildienstgesuche stieg, nachdem die Gewissensprüfung abgeschafft worden war. Das VBS betonte, mit dem Gespräch werde nicht eine neue Gewissensprüfung eingeführt. Es gehe lediglich darum, die Motivation zu klären.

58 Prozent stehen negativ zur Armee

In den vergangenen drei Jahren hat das VBS nun Gespräche mit 8000 Personen durchgeführt. Als Hauptgrund für die Einreichung eines Zivildienstgesuchs gaben die meisten (88 Prozent) «militärkontextuelle Faktoren» an, wie es im Bericht heisst. Dazu gehört insbesondere die Verpflichtung zur Kaderlaufbahn. Die Bezeichnung umfasst aber auch Wartezeiten, Organisation, Kommunikation und Führungsstil in der Armee.

Bei 58 Prozent spielte eine negative Einstellung zur Armee eine Rolle. Hierbei sei eruiert worden, ob es Vorbehalte gegenüber Auftrag und Notwendigkeit der Armee gebe, heisst es im Bericht. Auf Details sei im Gespräch aber nicht ausführlich eingegangen worden.

Einrücken in RS verschlechtert Motivation

47 Prozent gaben laut dem Bericht psychische oder physische Probleme als Grund an, 47 Prozent zivile Faktoren. Da gehören etwa Probleme bei der Koordination von Militär und Universität. Drei Viertel machten explizit Gewissensgründe geltend.

Knapp die Hälfte der Befragten gaben an, dass sie zum Zeitpunkt der Rekrutierung für die RS motiviert gewesen seien. 86 Prozent sagten, die Motivation habe sich im Verlauf der RS verschlechtert.

Gesuchsgründe verändern sich nach RS

Deutliche Unterschiede gibt es zwischen jenen, die ihr Gesuch vor der RS einreichen, und jenen, die dies nach der RS tun. Nach der RS nennen die Zivildienstwilligen am häufigsten militärkontextuelle und motivationale Gründe, während Zivildienstleistende ohne Militärerfahrung primär die Einstellung zur Armee und zivile Faktoren geltend machen.

Die meisten Gesuche wurden in den ersten acht RS-Wochen eingereicht. Fast 30 Prozent jener, die befragt wurden, reichten ihr Gesuch aber bereits in den ersten drei Wochen der RS ein.

Mühe mit dem Militär

Dass Personen mit höherer Schulbildung sich öfter für den Zivildienst entscheiden, könnte gemäss dem Bericht damit zusammenhängen, dass diese ihre zivile Ausbildung priorisieren und vermehrt Mühe mit militärischen Strukturen bekunden.

Dass Französisch- und Italienischsprachige ein geringeres Interesse zeigen, hat möglicherweise damit zu tun, dass diese Gruppen eine tiefere Tauglichkeitsrate aufweisen.

Gesuche: Willkür in den Rekrutenschulen

Die Untersuchung zeigt auch, dass in manchen Rekrutenschulen deutlich mehr Gesuche eingereicht und bewilligt werden als in anderen. Viele Schulkommandanten sind der Meinung, dass das Zulassungsverfahren zum Zivildienst geändert werden sollte: Gesuche sollten nur noch im Vorfeld der Rekrutenschule oder nach deren Abschluss eingereicht werden dürfen.

Der Bericht enthält schliesslich verschiedene Empfehlungen, darunter «gezielte Integrationsmassnahmen in den Rekrutenschulen für integrationsfähige und integrationswillige Rekruten». (tvr/sda)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

4
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Ari Gold 01.05.2014 08:14
    Highlight Highlight Über Sinn oder Unsinn kann man sich streiten - aber geschadet hat es wohl noch keinem, zu lernen wie man sich in einer Gruppe zu verhalten hat. Man kommt durch das Militär auch zu Kontakten, die man sonst nie gemacht hätte. Für mich wars eine gute Erfahrung...
  • Zeit_Genosse 01.05.2014 08:06
    Highlight Highlight Früher waren sich Arbeitsstrukturen und Militärstrukturen ähnlicher als heute. Heute kollidieren Welten aufeinander. Die erlebten Gesellschaftsstrukturen bei höher Gebildeten sind offener, flexibler, selbstbesimmter, effektiver und effizienter. Das enge Korsett des Militär ist eine Antithese, die auf Regeln, Strukturen, Befehlen, Hirarchien, Ineffektivität und Ineffizienz alte Werte verkörpert, die im zivilen Leben weniger Sinn machen. Eine Kulturdifferenz, die mit einer modernisierten Armee mit einem aktuellen Weltbild vermindert werden könnte. Wenn das Militär den Rekruten mehr Vorteile bringen würde, dann wäre die Beteitschaft höher bei den höher Gebildeten. Und das Argument mit Charakterbildung ist neoromantischer Militärschwachsinn und nicht zeitgemäss. Eine moderne Armee muss auch eine solche Ausstrahlung haben und auf modernen Befehlsstrukturen basieren, damit man Leerläufe und Demotivation durch Absitzen der sinnlos empfindenen Zeit verhindern kann. Zivildienst wird als sinnvoll für die Gesellschaft verstanden, während das Szenario des Kampfs nur noch auf Playstations erlebt wird.
  • Chuck Norris Jun 01.05.2014 01:25
    Highlight Highlight Setze 2 fremde Männer an einen Tisch und lausche ihren Gesprächen. Ich wette, es dauert keine halbe Stunde, bis sie sich einander vom Militärdienst berichten, sofern sie ihn geleistet haben.
  • papparazzi 30.04.2014 20:22
    Highlight Highlight Vielleicht hat das Ganze einfach auch mit Ausharren und Durchhaltewillen zu tun! Ich weiss, das tönt unpopulär, ist aber nach wie vor unabdingar für die Prägung eines charakterstarken Mannes. ut (dp)

Interview

«Da ist ziviler Ungehorsam doch völlig legitim. Wie sollen die sich denn sonst wehren?»

Die zukünftige SP-Spitze erzählt im watson-Interview, was sie von der Besetzung des Bundesplatzes hält.

Bern hat turbulente Tage hinter sich. Wie ist die Stimmung im Bundeshaus?Mattea Meyer: Von unserer Seite her recht ruhig. Auf der rechten Ratsseite hat es einige, die haben offenbar das Gefühl, der Untergang der Schweizer Demokratie stehe kurz bevor.Cédric Wermuth: Uns erstaunt, wie schnell sich vermeintlich selbstsichere Multimillionäre hier empört haben.Meyer: Das ist eine künstliche Empörung. Das sind Nebelpetarden. Es geht darum, vom Inhalt abzulenken. Sie nehmen jetzt auch dankend …

Artikel lesen
Link zum Artikel