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Experte zum Helikopter-Absturz: «Das gehört zur Grundausbildung» – Armee informiert um 10 Uhr

Auf dem Gotthard fliegt ein Super Puma in Stromleitungen. Die beiden Piloten überleben den Unfall nicht.

konrad staehelin / Aargauer Zeitung



Die Ursache für den Absturz eines Helikopters der Luftwaffe in kleiner Entfernung zum Gotthard-Hospiz beruht aller Wahrscheinlichkeit auf menschlichem Versagen. Tele M1 zitierte Augenzeugen, die den Helikopter des Typs Super Puma in eine Stromleitung haben fliegen sehen. Darauf sei er am Boden zerschellt. Beide Piloten kamen ums Leben, der Flughelfer verletzte sich. Armeechef André Blattmann äusserte am Ort des Unglücks ähnliche Vermutungen zum Unfallhergang. Es sei allerdings noch nicht klar, ob es sich um die alleinige Ursache handle. Noch hat die Luftwaffe weder das Berühren der Stromkabel noch einen Pilotenfehler als Absturzgrund bestätigt.

Pressekonferenz um 10 Uhr

Einen Tag nach dem Absturz eines Super Puma der Armee mit zwei Todesopfern gibt es heute Donnerstag weitere Informationen. Um 10 Uhr geben Vertreter der Armee in Bern Auskunft über den Stand der Dinge, das weitere Vorgehen und die OSZE-Inspektionen. Auch die Aufräumarbeiten gehen heute weiter. Sie konnten gestern aufgenommen, aber wegen einsetzender Dunkelheit nicht abgeschlossen werden. Da es bisher keine Hinweise auf eine technische Unfallursache gibt, hat die Luftwaffe den Flugbetrieb mit den Super Pumas wieder aufgenommen.

Ein Experte der Materie ist sich allerdings sicher: «Die Wahrscheinlichkeit für einen technischen Defekt ist sehr, sehr klein», sagt Fredy Frutig. «Das Militär wartet seine Maschinen sehr gut.» Der 65-Jährige flog während 13 Jahren für das private Helikopter-Unternehmen Fuchs in Schindellegi SZ. Heute gibt er das Helikopter-Fachmagazin «Helico» heraus.

Als die «Nordwestschweiz» ihn am Telefon erreicht, ist er schockiert darüber, was er gerade aus den Medien erfahren hat: «Mein Eindruck ist, dass die Piloten beim Abheben die Kabel übersehen haben. Das sollte nicht passieren und wäre ein fataler Pilotenfehler.»

«Stark auf Instrumente fokussiert»

Super Pumas werden von der Armee oft für Transportflüge eingesetzt und fliegen deswegen vielfach in Bodennähe. Dort lauern mit Stromleitungen Gefahren, die nicht so gut sichtbar sind wie andere Objekte. «Das richtige Überfliegen von Stromleitungen gehört zur Grundausbildung», erklärt Frutig.

Zwei Tote, ein Verletzter

Der Luftwaffen-Helikopter vom Typ Super Puma war unterwegs, weil französische Offiziere im Rahmen eines OSZE-Abkommens eine Inspektion durchführten. Diese und eine unbekannte Anzahl Schweizer Passagiere waren zu deren Abschluss gerade nahe des Gotthard-Hospiz ausgestiegen, als der Hubschrauber wieder abhob. Kurz darauf stürzte er zu Boden. Dabei kamen die beiden Piloten ums Leben, der Flughelfer wurde verletzt geborgen. Er war ansprechbar. Luftwaffen-Chef Aldo C. Schellenberg kämpfte mit den Tränen, als er danach den Angehörigen sein Beileid aussprach. (kst)

Es gelte, mit mindestens zehn Metern Abstand über den Mast zu fliegen. «Dieser ist besser sichtbar als die Kabel selbst. Deshalb sollte man nicht über die Leitungen fliegen. Das oberste Kabel ist bei Hochspannungsleitungen das dünnste, das kann man leicht übersehen.» Gleich vorsichtig gelte es bei der Landung zu sein: «Sicher landen sollte man nur parallel und mit mindestens 50 Metern Abstand zu den Leitungen.»

Eine weitere Beobachtung machte Frutig bei seinen Flügen als Gast auf dem Jumpseat, dem Sitz direkt hinter den Piloten: «Mir ist aufgefallen, dass diese stark auf die Instrumente fokussiert sind und weniger auf die Umgebung.»

Die schwersten Unfälle der Schweizer Luftwaffe der letzten Jahre

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