Schweiz
Armee

Warum die armeefreundlichen Bauern beim Zivildienst ausscheren

An alternative civilian service personnel feeds the cows on the farm of the special education center in Koeniz in the canton of Berne, Switzerland, on the occasion of a fotoshooting of the new, option ...
Der Zivildienst hilft auch der Landwirtschaft: Ein Zivildienstleistender füttert Kühe in einem Stall in Köniz BE (Archivbild 2019).Bild: KEYSTONE

Das Dilemma der Bauern beim Zivildienst

Der Vorstand des Schweizerischen Bauernverbands will sich nicht auf eine Parole zu den Verschärfungen im Zivildienstgesetz festlegen. Denn im Verband gehen die Meinungen weit auseinander.
26.03.2026, 09:3426.03.2026, 09:34

Eigentlich ist die Armee gut abgestützt innerhalb der Bauernschaft. Das Militär geniesst in den landwirtschaftlich geprägten Gebieten der Schweiz überdurchschnittlich viel Rückhalt. Nicht nur politisch, wie ein Blick auf die Abstimmungsresultate von Armeevorlagen zeigt.

Sondern auch personell: Dies belegt die Untersuchung eines Forschungsteams der Universität Zürich aus dem Jahr 2016 von 241'000 Tauglichkeitsentscheidungen der Armee. Das Ergebnis: Kaum eine Berufsgruppe ist so militärdiensttauglich wie die Kategorie «Land- und Forstwirtschaft/Fischerei». Mit einer Tauglichkeitsquote von 70,7 Prozent mussten sich die Landwirte nur den Handwerkern geschlagen geben (71,6 Prozent).

Die tiefe Verankerung der Armee in der bäuerlich geprägten Schweiz zeigt sich auch daran, dass die Tauglichkeitsquote in keinem anderen Gemeindetyp so hoch ist wie in agrarischen Gemeinden (71,3 Prozent).

Umso erstaunlicher fällt ein jüngst getroffener Entscheid des Vorstands des Schweizerischen Bauernverbands (SBV) aus: Er beantragt der Landwirtschaftskammer, dem «Parlament» des Bauernverbands, Stimmfreigabe bei der Abstimmung über die Änderung des Zivildienstgesetzes vom 14. Juni. Die Kammer wird am 22. April darüber befinden.

Mit der von der bürgerlichen Mehrheit im National- und Ständerat beschlossenen Änderung des Zivildienstgesetzes sollen die Zulassungen zum Zivildienst erschwert werden. Insgesamt sechs Massnahmen sollen dazu führen, dass künftig weniger Armeeangehörige nach dem Absolvieren der Rekrutenschule in den Zivildienst wechseln. Gemäss den Befürwortern verschärfen die Abgänge von Armeeangehörigen in den Zivildienst das Alimentierungsproblem der Armee.

Eine Allianz aus GSoA, SP, Grünen, EVP und weiteren Organisationen wie der Heilsarmee, Behindertenverbänden und dem Kita-Dachverband hat dagegen das Referendum ergriffen. Sie befürchten, dass den Einsatzbetrieben künftig Zivildienstleistende für unverzichtbare Arbeiten fehlen und warnen vor einer Salamitaktik mit dem Fernziel, den Zivildienst vollständig abzuschaffen.

Bergbauern fürchten um Unterstützung durch Zivis

Wie ist der traditionell armeefreundliche Bauernverband zu seinem Entscheid gekommen? «Es gibt sowohl Gründe, die für eine Annahme der Vorlage sprechen, als auch Gründe, die dagegen sprechen», erläutert Sandra Helfenstein, Mediensprecherin des Bauernverbands, auf Anfrage. Es sei langjährige Praxis des Bauernverbands, bei divergierenden Ansichten innerhalb des Verbands Stimmfreigabe zu beschliessen.

Bei der Beratung im Parlament haben sich die Bauernvertreter in National- und Ständerat mit Blick auf die personelle Situation der Armee für die Verschärfungen beim Zivildienstgesetz ausgesprochen, erklärt Helfenstein. «Gleichzeitig profitieren Bauernbetriebe, vor allem im Berggebiet, vom Einsatz von Zivildienstleistenden, die Arbeiten übernehmen, für die sich sonst kein Personal findet, beziehungsweise deren Ausführung sich sonst nicht finanzieren lässt.» Im letzten Jahr leisteten Zivildienstleistende gemäss Bund insgesamt 50'746 Diensttage im Landwirtschaftsbereich. (aargauerzeitung.ch)

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