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Mord in Niederlenz

Erstochene Vierjährige: Familie lebte zurückgezogen

In Niederlenz wurde ein vierjähriges Mädchen erstochen. In Verdacht steht der Vater. Nun wird bekannt, wie unauffällig die Familie mit ihrem Kind Raquel im idyllischen Familienquartier in der Aargauer Gemeinde gelebt hat.



Ein Artikel der

Am Nachmittag nach der Bluttat ist das Doppelhaus-Quartier in Niederlenz wie ausgestorben. Obwohl vereinzelte Sonnenstrahlen ihren Weg durch wolkenbehangenen Himmel suchen, ist keine Menschenseele draussen. Und doch gibt es praktisch auf Schritt und Tritt Hinweise, dass hier vor allem Familien zu Hause sind. Schon an der Strasse, die zu den Häusern führt, mahnt eine gelbe Tafel mit einem aufgemalten Kind zur Vorsicht: «Geschwindigkeit anpassen – für uns!»

Schnee liegt auf den Dächern und in den kleinen Vorgärten des Quartiers mit lauter terracottabraunen Doppelhäusern. In einem Garten steht ein Schneemann einsam und etwas schief gebaut, wohl von Kinderhand erstellt. An vereinzelten Häusern prangen grosse Baby-Geburtstafeln mit lustigen Motiven. Schlitten, Bob und Traktoren versperren vielerorts den Zugang zur Haustür. Wo man auch hinschaut, lauter sichtbare Zeichen von spielenden Kindern.

Blick auf das Haus, rechts, in dem ein Maedchen Opfer eines Toetungsdelikts wurde, aufgenommen am Montag, 2. Februar 2015 in Niederlenz AG. Ein vierjaehriges Maedchen ist am Sonntagabend im aargauischen Niederlenz getoetet worden. Nach bisherigen Erkenntnissen der Aargauer Kantonspolizei handelt es sich um ein Familiendrama. Der Vater und die Mutter wurden verletzt ins Spital gebracht. Als die Rettungskräfte am Sonntagabend beim Zweifamilienhaus eintrafen, war das Mädchen bereits verstorben. Das Kind weist Stichverletzungen auf, wie die Aargauer Kantonspolizei am Montag mitteilte. Im Haus fanden die Rettungskraefte die 43-jaehrige Mutter leichtverletzt und den 44-jaehrigen Ehemann schwerverletzt vor. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

In diesem Doppeleinfamilienhaus lebte die Familie zurückgezogen mit ihrem Kind. Bild: KEYSTONE

Das Doppelhaus-Quartier wurde erst vor rund fünf Jahren gebaut. Eine Idylle am Dorfrand von Niederlenz mit freiem Blick auf Schloss Wildegg. Über die Familie sagten mehrere Nachbarn, dass sie eher zurückgezogen lebte. Bei gelegentlichen Quartierfesten seien sie nie dabei gewesen. Die vierjährige Tochter sei das einzige Kind gewesen. Es habe selten mit anderen Kindern gespielt. 

Dieses Verhalten bestätigen auch Recherchen von Tele M1 in Urdorf ZH, wo die Familie vorher sechs Jahre gelebt hatte. «Sie gingen nie nach draussen mit ihrem Kind», erinnert sich eine ehemalige Nachbarin. Das sei schon sehr auffällig gewesen.

Niederlenz - 2.2.15 - Ein Vierjähriges Mädchen wurde letzte Nacht erstochen. Ihr Vater und ihre Mutter liegen im Spital. Gemäss Aargauer Kantonspolizei handet es sich um ein Familiendrama.

Bild: keytsone

Der Fall erinnert im ersten Augenblick an das Familiendrama in Flaach ZH, wo eine Mutter am Neujahrstag ihre beiden Kinder getötet hat. Dort geriet die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) unter Beschuss, weil ihr die Familie und deren Probleme bekannt war. Bei der Tragödie in Niederlenz scheint dies aber nicht der Fall zu sein. Die Familie war der Kantonspolizei in der Vergangenheit jedenfalls nie aufgefallen. Auf Anfrage betont Christina Uster, Co-Fachbereichsleiterin Kindes- und Erwachsenenschutzdienst (KESD) Region Lenzburg: «Die Familie ist uns nicht bekannt als Fall.»

Auch Gemeinderätin Rita Eigensatz kennt die Familie persönlich nicht. «Es ist eine unvorstellbar furchtbare Tragödie, die Betroffenheit in der Gemeinde ist sehr gross», sagt sie. All jene, die nun Aufklärungsarbeit leisten müssten, würden vor einer sehr schwierigen stehen. «Im Moment gibt es vor allem viele Fragen, auf die nun Antworten gesucht werden müssen.» 

(rst/roc)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Baba 03.02.2015 10:13
    Highlight Highlight Zitat watson: "Nun wird bekannt, wie unauffällig die Familie mit ihrem Kind Raquel im idyllischen Familienquartier in der Aargauer Gemeinde gelebt hat."

    Hallo? 'Es wird bekannt...' und ist 'unauffällig leben' heutzutage etwas Schlechtes? Anscheinend ist gar nichts über die Hintergründe dieser Tragödie bekannt und doch besteht der Drang, was darüber zu schreiben...schade. Lasst es einfach sein oder teilt mit "Wir wissen nichts und wenn dann die Polizei informiert, informieren auch wir unsere Leser". Ihr seid doch nicht die Zeitung mit den grossen roten Buchstaben.
  • amberli 03.02.2015 09:23
    Highlight Highlight Kam ich nicht rechnen? Das Haus wurde vor fünf Jahren erstellt. Davor weinte die ' Familie' 6 Jahre in Urdorf. Und das Kind war dann also 11?
    Die Geschichte ist sehr tragisch. Meine Gedanken sind bei der kleinen.
    Aber sie Medien hauen wieder mal voll drauf und voll daneben.

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