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Barbara Zobrist, Leiterin der Schuldenberatung, hilft der Klientin, einen Weg aus der Verschuldung zu finden. bild: sandra ardizzone

In der Schuldenfalle: Mit der ersten Wohnung begann der Teufelskreis

Eine solide KV-Lehre, eine kleine Wohnung und plötzlich finanzielle Probleme. Eine junge Frau erzählt, wie sie fast unscheinbar, dafür umso schneller in die Schuldenfalle geriet.

bastian heiniger / aargauer zeitung



Ein Artikel der

Und dann stand sie vor einem grossen Schuldenberg. Susanne*, 29, streicht sich eine Haarsträhne hinter das Ohr und beginnt zu erzählen. «Geld war mir nie so wichtig», sagt sie. Doch als Susanne mit 23 Jahren in ihre erste eigene Wohnung zog, realisierte sie: Geld fehlt an allen Ecken und Enden. Sie nahm einen Kredit auf, 10'000 Franken. Und der Schuldenberg begann zu wachsen. 

«Wer sich bereits vor 25 verschuldet, steuert auf grosse Probleme zu», sagt Andrea Fuchs, zuständig für die Prävention bei der Schuldenberatung Aargau-Solothurn. Denn: Die teure Lebensphase mit Kind, Heirat, grösserem Auto und gemeinsamer Wohnung komme erst.  

Fuchs sagt auch, Geldprobleme begännen oft nach dem Lehrabschluss: Ein höheres Einkommen, die erste eigene Wohnung, aber kein Budget, keine Rücklagen für Steuern und unvorhergesehene Rechnungen. 

Viele junge Erwachsene unterschätzten die monatlichen Grundkosten, sagt Fuchs. Ein Viertel aller 18- bis 29-Jährigen lebt gemäss dem Bundesamt für Statistik in einem Haushalt mit mindestens einem Kredit.  

Susanne bezahlte mit ihrem Kredit offene Rechnungen, die Kaution und richtete ihre Wohnung ein. Nicht luxuriös, sagt sie. Doch als sie in die eigene Wohnung zog, kam sie nur mit Kleidern und einer Matratze. 

Die Lebenskrise

Susanne hatte sich damals aus einer schwierigen Liebesbeziehung gelöst. Mit 17 verliess sie ihr Elternhaus und richtete sich ein bei ihrem sechs Jahre älteren Freund – gegen den Willen ihrer Eltern. Der Kontakt brach ab. Die Beziehung: Eine Hassliebe. 

Zwar musste sie nie Miete bezahlen, doch als ihr Freund sie schlug, machte sie Schluss. Sie war noch in der Lehre. Pendelte täglich über eine Stunde aus dem Aargau zu ihrem Lehrbetrieb in die Ostschweiz, wo sie das KV absolvierte – und abschloss. 

«Ich ging und nahm die erstbeste Wohnung.» Eigentlich überstieg die über 1000 Franken teure Wohnung Susannes finanzielle Möglichkeiten. Doch weil sie kein Budget führte, war ihr das nicht bewusst. Als sie zwischenzeitlich noch ihre Stelle im Verkauf verlor, türmten sich die Probleme auf. 

«Ein typischer Verlauf», sagt Barbara Zobrist, Leiterin der Schuldenberatung. Komme zum angespannten Budget ein kritisches Lebensereignis wie Arbeitslosigkeit hinzu, führe das oft in die Überschuldung. 

Susanne bezahlte zwar die Miete und Krankenkasse, doch fehlte ihr Geld für Handy, Zahnarzt, Autoleasing und Steuern. Obwohl sie heute beruflich gut dasteht, schuldet sie den Gläubigern 25'000 Franken. 

In der Tretmühle

Susanne arbeitete, bezahlte Rechnungen, nur der Schuldenberg sank nicht. Belastend, sei das. «Sozial ist man angeschlagen, wenn man verschuldet ist», sagt sie. Ein Teufelskreis. 

Bald war auch ihr neuer Freund verschuldet. Auch er nahm einen Kredit auf. Letztlich wurde beiden der Lohn gepfändet. Zusammen kommen sie auf eine Schuldensumme von 70'000 Franken. Das Betreibungsamt vermittelte ihnen 2013 einen privaten Schuldensanierer. «Eine Katastrophe», sagt Susanne. 

Dieser hätte helfen sollen, doch machte alles noch schlimmer. 10'000 Franken kosteten dessen Dienste. Nur: Schulden hatten sie keine abgebaut. Der öffentlichen Schuldenberatung ist dieses Problem bekannt. 

Fuchs sagt: «Geld mit verschuldeten Personen zu verdienen – ein solches System kann nicht aufgehen.» Nicht selten landen Klienten von privaten Schuldensanierern bei ihnen. 

Der Weg aus dem Minus

Susanne und ihr neuer Freund wollten endlich raus aus der Misere. Sie wünschen sich eine gemeinsame Zukunft, Heirat, Kinder. Letzen Sommer gingen sie zur Schuldenberatung Aargau-Solothurn. Erst waren sie skeptisch, bald überzeugt. 

Für beide erarbeitete die Beratung je einen Plan, wie sie die Schulden abbauen können. Bei neuen Klienten verschafft sich die Beratungsstelle einen Überblick: Budget erstellen, Schulden sichten, aber auch die psychische Verfassung und das soziale Umfeld fliessen mit ein. Jeder Klient erhalte eine auf ihn angepasste Beratung, sagt Barbara Zobrist. Das überzeugte Susanne. 

Für sie handelte die Beratungsstelle mit den Gläubigern einen gerichtlichen Nachlassvertrag aus. Susanne muss nun monatlich 700 Franken abzahlen. «In drei Jahren bin ich schuldenfrei», sagt sie und fügt an: «Ich werde es bleiben.» Sie sagt es mit Überzeugung. «Nach vielen Jahren sehe sie endlich einen Horizont.» *Name geändert

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7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • sobre 31.03.2015 11:03
    Highlight Highlight und noch ein Auto leasen mit Vollkaskoversicherung. Sorry, aber da sie ist selber schuld. Ich als Vollwaise habe damals nach der Lehre netto Fr. 3'100 verdient. Wohnte ich in einer 1-Zimmerwohnung und konnte sogar noch Beiträge an die 3a Säule monatlich einzahlen.
  • Schneider Alex 31.03.2015 10:39
    Highlight Highlight Es ist unglaublich, aber wahr: In der Volksschule werden in den verschiedensten Fächern Kenntnisse vermittelt, welche zur Berufs- und Lebensbewältigung kaum etwas beitragen. Hingegen wird lebenswichtiges Basiswissen in den Bereichen Ökonomie, Recht, Gesundheit, Psychologie und Politik in den Verantwortungsbereich der Eltern oder an die freiwilligen Bildungsmöglichkeiten in der Freizeit delegiert, wo es sehr oft unzureichend vermittelt wird.
    Die Volksschule könnte die Chancengleichheit für den Erwerb von finanziellen Kompetenzen gewährleisten.
  • Mr. Kr 31.03.2015 09:20
    Highlight Highlight Wer mit 17 von zuhause auszieht ist absolut selber schuld. Lieber mal auf die Eltern hören, den das sind diese Mensche die es mit einem gut meinen, den ihr persönliches Interesse ist das Wohlbefinden Ihrer Kinder. Nur schade das dass viele Leute nicht begreifen und dann die schuld überall anders suchen.
    • phreko 31.03.2015 11:08
      Highlight Highlight Ziehen sie mal die rosa Brille ab. Es gibt mehr schlimme Eltern als sie glauben.
    • Mr. Kr 31.03.2015 11:30
      Highlight Highlight Im bericht steht, das Sie gegen den Willen der Eltern ausgezogen ist. Und das während der Lehre. Es gibt wohl mehr Gute Eltern als Schlechte. Ich bin 23 aber ich sehe es oft genug, das es meistens an den Kindern liegt die keinen Anstand und Respekt gegenüber den Eltern haben. Man will sein Leben genießen und sich nichts Sagen lassen aber schlussendlich landen Sie in der Scheiße genau so wie diese Dame.
    • 's all good, man! 31.03.2015 13:25
      Highlight Highlight Schön, wie du das von aussen so gut beurteilen kannst. Ganz so einfach ist es wohl nicht. Wir kennen die genauen Umstände ja nicht und meine Güte, da war sie ein 17-jähriges Mädel! Da oder auch noch mit 23ig macht man schon mal Fehler... Und eben: es kommt auch sehr darauf an, wie man den Umgang mit Geld gelernt hat. Offenbar bist du mit deinen 23 in dieser Hinsicht schon viel weiter und das ist doch toll so. Aber dann solltest du nicht von dir auf andere schliessen.

      Entschuldige, aber mich nerven solche übereilten Urteile und Aussenbeurteilungen.
  • stadtzuercher 31.03.2015 08:17
    Highlight Highlight Sorry, aber die Dame hat einfach keinen Umgang mit Geld. Wer für die Wohnungseinrichtung Schulden macht anstatt im Brocki für ein paar hundert Franken für die ersten Jahre Möbel zu holen ist selbst schuld. Wer nicht beurteilen kann (und speziell mit einem KV Job), eine wie teure Wohnung man sich leisten kann, ist selbst schuld. Es gibt andererseits Menschen, die verdienen wenig, die finden keine Wohnung, die haben kein Auto - und kommen trotzdem nicht über die Runden. Die würde ich eher als Opfer eines Systems sehen, aber bestimmt nicht KV-Angestelle mit einem normalen Lohn.

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