Schweiz
Atomwaffen

Beim AKW Beznau I fehlen wichtige Sicherheitsdokumente – doch die Atomaufsicht schert sich nicht darum

Das AKW Beznau.
Das AKW Beznau.Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

Beim AKW Beznau I fehlen wichtige Sicherheitsdokumente – doch die Atomaufsicht schert sich nicht darum

Das Wissen über den Reaktordruckbehälter des AKW Beznau I, bei dem im Juli «Unregelmässigkeiten» entdeckt wurden, ist lückenhaft. Doch die Forderung nach einer unabhängigen Untersuchung läuft ins Leere.
17.08.2015, 06:0317.08.2015, 09:39

Das AKW Gösgen ist vom Netz, die Schweiz damit zum ersten Mal Atomstrom-frei. Derweil macht das AKW Beznau I, das seit der Entdeckung von «Unregelmässigkeiten» in den Stahlwänden des Reaktordruckbehälters im Juli ebenfalls stillgelegt ist, Schlagzeilen: Wie der «Tages-Anzeiger» am Montag berichtet, ist das Wissen über die Herstellung dieses AKW-Teils bei Beznau I unvollständig. Pikant: Beim Reaktordruckbehälter handelt es sich um einen hochsensiblen Baustein des AKW – leckt dieser Teil, kann radioaktive Strahlung entweichen.

Dass das Wissen über den Bau bei Beznau I lückenhaft ist, ist der europäischen Atomaufsicht Wenra zu verdanken. Nachdem bei zwei belgischen AKW vor drei Jahren Mängel entdeckt wurden, wies Wenra alle europäische Kraftwerk-Betreiber an, die sicherheitsrelevanten Unterlagen über die Reaktordruckbehälter einzureichen. Die Axpo tat, wie ihr geheissen und übergab der Schweizer Atomaufsicht Ensi die Dokumente. Diese wiederum sah die Wissenslücke, gab sie im Wenra-Report vom Dezember 2014 zu Protokoll – und schwieg.

Forderung nach Untersuchung läuft ins Leere

Ensi hätte es versäumt, aktiv darüber zu informieren, schreibt der «Tages-Anzeiger». Greenpeace fügt an, bei Beznau II würden umfangreichere Informationen zum Reaktordruckbehälter vorliegen, und fordert eine unabhängige Untersuchung. Niemand wisse, ob die Unterlagen nicht doch erst in den letzten Jahren «verschwunden» seien. 

Doch die Axpo und Ensi sehen das anders: Das Atomgesetz von 1959 sehe keine Pflicht zur Dokumentation im heutigen Sinn vor. Bei Beznau II seien «zusätzliche, über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehende Unterlagen eingereicht worden». Und das Bundesamt für Energie (BFE) stützt diese Argumentation. Es sehe deshalb keinen Grund, aktiv zu werden. 

(dwi)

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39 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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flubi
17.08.2015 06:17registriert Januar 2014
Das Ensi ist sicher nicht unabhängig sondern voll im Sumpf der AKW Betriber integriert.
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Homelander
17.08.2015 09:27registriert Oktober 2014
Interessant für den Artikel wäre noch, wieviele Prozent des in der Schweiz produzierten Stroms auch in der Schweiz verbraucht wird.
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dracului
17.08.2015 08:12registriert November 2014
Das Ensi lebt in enger Symbiose mit den Betreibern, wie die Finma und die Banken. Die Atomindustrie der Schweiz ist überschaubar und man kennt sich untereinander. Deshalb sind diese "Kontrollorgane" letztlich nur zahnlose Tiger!
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