DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Wird die Autoprüfung in Zukunft nur noch mit einem Automatikgetriebe absolviert?
Wird die Autoprüfung in Zukunft nur noch mit einem Automatikgetriebe absolviert?bild: shutterstock

Gibt's bald nur noch Automaten? Darum müssen Fahrschüler bald nicht mehr schalten lernen

21.08.2017, 17:4022.08.2017, 06:11

«Jetzt droht Chaos auf den Strassen», titelte der «Blick» am Montagmorgen. Grund dafür: Das Bundesamt für Strassen (Astra) will Junglenkern, die die Prüfung auf einem Automaten gemacht haben, das Fahren mit geschalteten Autos erlauben. Das sei «kompletter Stumpfsinn», lässt sich ein Fahrlehrer zitieren. Unfälle seien so vorprogrammiert. 

Das Astra begründet die geplante Gesetzesänderung damit, dass auf den Schweizer Strassen ohnehin bald nur noch Automaten unterwegs sein werden. 

Elektro-Autos boomen

«Die Getriebefrage wird mit der zunehmenden Zahl an Elektro-Autos keine Rolle mehr spielen», erklärt Thomas Rohrbach, Sprecher des Astras auf Anfrage. Soll heissen: Mit dem Boom von Hybrid und Elektro-Autos fahren in Zukunft die meisten Autofahrer sowieso einen Automaten, also wieso noch eine handgeschaltete Prüfung ablegen.

Zudem seien die modernen Autos mittlerweile so verschieden gebaut und hätten solch unterschiedliche Bedienelemente, dass alles gar nicht in einer Ausbildung erklärt werden könne, erklärt Rohrbach und sagt weiter: «So verschwindet zunehmend die klassische mechanische Handbremse und wird mit elektrischen Systemen ersetzt.» Wer sich also in ein ihm unbekanntes Auto setzt, muss sich sowieso zuerst orientieren. 

Hybrid- und Elektroautos haben ausschliesslich alle ein Automatikgetriebe.
Hybrid- und Elektroautos haben ausschliesslich alle ein Automatikgetriebe.Bild: KEYSTONE

Anstieg von Automatik-Prüfungen

70 Prozent der Autos auf den Schweizer Strassen sind handgeschaltet. Im Kanton Zürich absolvierte 2017 jeder 20. Neulenker seine Prüfung auf dem Automaten – 2005 waren es nur halb so viele. Dem Astra zufolge wird dieser Trend zunehmen, denn Automatik-Getriebene Autos boomen.

Falls die Revision angenommen wird, könnte dies zu einem deutlichen Anstieg von Automatik-Prüfungen führen. Damit rechnet Ina Giljohann, Geschäftsführerin der Fahrlehrer Fachschule. «Das Fahren und die Prüfung mit einem Automaten gestalten sich tatsächlich leichter», so Giljohann. Allerdings braucht es zwingend eine Verordnung, die das Ganze im Detail regelt. Alles andere wäre «grob fahrlässig, solange handgeschaltete Fahrzeuge noch in grosser Zahl im Umlauf sind.»

«Spätestens dann, wenn man auf Mallorca mit einem kleinen Mietwagen rumfahren will, hat man ein Problem. Denn der ist garantiert kein Automat.»
Ina Giljohann, Geschäftsführerin ffs Fahrlehrerfachschule

So wurde beispielsweise in Frankreich vor einem Jahr ein Mittelweg gefunden: Wer eine Automatik-Prüfung abgelegt hat, kann sechs Monate nach der bestandenen Prüfung bei seinem Fahrlehrer ein paar Stunden mit einem handgeschalteten Auto üben. Wenn der Fahrlehrer sein OK gibt, ist man berechtigt, beide Getriebe zu fahren. 

Wer auch mit einem handgeschalteten Auto fahren will, aber nur die Automatik-Prüfung abgelegt hat, muss mindestens zwei bis drei Fahrstunden beim Fahrlehrer absolvieren, findet Ina Giljohann.
Wer auch mit einem handgeschalteten Auto fahren will, aber nur die Automatik-Prüfung abgelegt hat, muss mindestens zwei bis drei Fahrstunden beim Fahrlehrer absolvieren, findet Ina Giljohann.Bild: KEYSTONE

Fahrstunden mit einem handgeschalteten Auto sind also Pflicht. Auch wenn im Anschluss nur die Automatik-Prüfung absolviert wird. «Weil spätestens dann, wenn man auf Mallorca mit einem kleinen Mietwagen rumfahren will, hat man ein Problem. Denn der ist garantiert kein Automat», so Giljohann.  

Skepsis in der Automobilbranche

Im Gegensatz zum Astra sind die Autohändler skeptisch, ob die Automaten das Bild auf den Schweizer Strassen tatsächlich bald dominieren werden. «Aktuell spielen Handschalter weiterhin eine wichtige Rolle. Wir werden noch mehrere Jahre geschaltete Fahrzeuge im Neuwagenprogramm haben», erklärt Dino Graf, Leiter Group Communication, von der AMAG Gruppe. Zudem sei das Interesse an Handschaltern auch bei Sportwagen noch immer sehr hoch.  

Das bestätigt auch Christoph Wolnik, PR-Verantwortlicher von auto-schweiz. «Obwohl Komfort und Bequemlichkeit in einem Automaten klar höher sind, werden die handgeschalteten Autos in absehbarer Zeit nicht von den Strassen verschwinden», so Wolnik und erklärt weiter: «Solange die Nachfrage da ist, werden weiterhin handgeschaltete Autos produziert.»

Bei Motorrädern ist diese Regelung zudem schon lange der Fall. Wer die Prüfung beispielsweise mit einem Roller mit Automatikgetriebe absolviert, darf auch mit einem handgeschalteten Motorrad fahren.

Seit dem 28. Juli ist das neue Tesla Model 3 sedan auf dem Markt. Auch mit Automatik-Getriebe.
Seit dem 28. Juli ist das neue Tesla Model 3 sedan auf dem Markt. Auch mit Automatik-Getriebe.Bild: AP/Tesla Motors

Tesla will alle Modelle mit Technik für autonomes Fahren ausrüsten

Video: reuters
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

«Die Schweiz ist so gespalten wie noch nie – jetzt sollte Schluss mit Spielchen sein»
Irène Kälin aus Oberflachs AG ist ab heute die höchste Schweizerin. Zum Start als Nationalratspräsidentin erklärt die 34-jährige Grüne, warum sie die Impffrage nach wie vor für etwas Privates hält, was sie an der Pandemiepolitik nervt und wann man mit ihr über eine allfällige Bundesratskandidatur reden kann.

Noch ist es ruhig im Bundeshaus. Irène Kälin posiert für Fotos, im Hintergrund der imposante Weihnachtsbaum, der bis auf Augenhöhe der in Stein gemeisselten drei Eidgenossen ragt. Es ist Freitagnachmittag vor dem ersten Advent. SVP-Nationalrat Albert Rösti stellt einer Besuchergruppe im Vorbeigehen die neue Nationalratspräsidentin vor und flachst, sie sei zwar eine Grüne, aber eine Gute. Minuten später passiert Kälins Vorgänger Andreas Aebi, ebenfalls SVP, mit einer Gruppe aus Vietnam. Im Gegensatz zu den Schweizer Politikern die allermeisten mit Maske. Das ist ab diesem Montag anders. Just am Tag, an dem die Aargauer Grüne höchste Schweizerin wird, gelten auch im Bundeshaus wieder schärfere Regeln.

Zur Story