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Berner Schleusenwart: «Wir arbeiten rund um die Uhr, da kommt man an seine Grenzen»

Hochwasser in der Aare beim Mattequartier. Wann tritt der Fluss über die Ufer?
Hochwasser in der Aare beim Mattequartier. Wann tritt der Fluss über die Ufer?Bild: KEYSTONE
«Herr der Schleusen»

Berner Schleusenwart: «Wir arbeiten rund um die Uhr, da kommt man an seine Grenzen»

Er wird auch als «Herr der Schleusen» bezeichnet: Bernhard Wehren, Leiter der Seeregulierung beim Kanton Bern. Zurzeit muss er mit seinem Team die Lage stündlich neu beurteilen.
30.07.2014, 21:4401.08.2014, 13:47

Herr Wehren, wie regulieren Sie eigentlich die Schleusen? Am Schreibtisch? 
Bernhard Wehren:
 Wir regulieren den Thuner-, den Brienzer- und den Bielersee zentral hier von Bern aus, sozusagen aus der Schaltzentrale.  

Wer entscheidet, wann die Schleusen geöffnet werden, und ob die Berner, die Solothurner oder die Aargauer die Füsse im Wasser haben?
Wir handeln nach Reguliervorgaben. Die Abflussmengen sind genau festgelegt und zwischen den Kantonen Aargau, Solothurn und Bern vereinbart. 

Bild
Bild: zvg
Bernhard Wehren
Der Hydrologe Bernhard Wehren leitet die Sektion Seeregulierung im Kanton Bern. (egg)

Wie oft müssen Sie zurzeit in die Seeregulierung eingreifen?
Praktisch stündlich. Wir entscheiden immer wieder neu. Wir haben die Manöver in den letzten Tagen und Wochen mehrmals gemacht und die Schleusen je nach Lage geöffnet und wieder geschlossen.

Das ist stressig...
Ja, zurzeit arbeiten wir rund um die Uhr und brauchen entsprechend viele Leute. Wir sind immer beschäftigt. Da kommt man an die Grenzen. 

Wie aussergewöhnlich war der Juli im Vergleich mit anderen Jahren?
Es kam sehr viel Wasser, und es kam immer wieder. Es regnete immer wieder stark und wir mussten versuchen, diese Wellen von Wasser kontrolliert abzugeben.

Mobile Hochwasserschutzdämme im Matte-Marziliquartier in Bern.
Mobile Hochwasserschutzdämme im Matte-Marziliquartier in Bern.Bild: KEYSTONE

Wie funktioniert das?
Wir sind einerseits dafür verantwortlich, die Seen im Berner Oberland auf einem Niveau zu halten, damit genügend Platz für neues Wasser darin vorhanden ist. Andererseits müssen wir die Abflüsse wie die Aare im Auge behalten, damit diese nicht in Bern oder im Mittelland über die Ufer tritt. 

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Wie prekär ist die Situation im Berner Oberland und in Bern zurzeit?
Seit längerer Zeit sind alle Schleusen offen, wir haben einen maximalen Abfluss und deshalb fliesst auch sehr viel Wasser in der Aare bei Bern ab. Die Fliessgewässer reagieren zurzeit immer schneller, weil die Böden durch die wiederholten Niederschläge gesättigt sind.

Was bedeutet das?
Wir lassen soviel Wasser wie möglich ablaufen. Dennoch befinden wir uns noch im unkritischen Bereich. Jede Phase, in der kein neues Wasser nachfliesst, ist für uns wichtig, damit wir die Seen wieder entlasten können.

Was ist genau das Problem im Berner Oberland und in der Region Bern?
Der Thunersee hat zwei Besonderheiten: Erstens hat er im Verhältnis zu seinem Einzugsgebiet die kleinste Seefläche in der Schweiz. Zweitens ist sein Pegelspielraum von 50 Zentimetern der kleinste im ganzen Land. Das hat zur Folge, dass der Thunersee sehr schnell reagiert – und wir auch sehr schnell reagieren müssen.

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