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Mitholz: Bevölkerung muss für 10 Jahre weg – so reagieren die Bewohner

«Viele werden nicht zurückkommen» – Wie die Mitholzer auf «Geisterdorf»-Pläne reagieren

Damit das ehemalige Munitionsdepot in Mitholz geräumt werden kann, sollen die Einwohner ihr Dorf im Berner Oberland für mindestens zehn Jahre verlassen müssen. Die Pläne des Bundes lösen unterschiedliche Reaktionen aus.
26.02.2020, 07:4326.02.2020, 10:58
ARCHIVBILD ZUR HEUTIGEN MEDIENKONFERENZ UEBER DAS EHEMALIGE MUNITIONSLAGER MITHOLZ, AM DONNERSTAG, 28. JUNI 2018 - Herangeeilte Rettungskraefte vor einem durch die Explosionen im Munitionsstollen besc ...
Rettungskräfte in Mitholz nach den Explosionen im Kandertal Dezember 1947 im Munitionsstollen (im Hintergrund).Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Nachdem klar ist, dass der Bund das ehemalige Munitionslager bei Mitholz für mindestens eine Milliarde Franken räumen will, herrscht im Kandertal Konsternation. Denn dafür werden die Einwohnerinnen und Einwohner das Dorf im oberen Kandertal aus Sicherheitsgründen für voraussichtlich zehn Jahre verlassen müssen. Darüber hat Bundesrätin Viola Amherd, zusammen mit Vertretern vom Kanton Bern und der Gemeinde, am Dienstagabend die Bevölkerung informiert. Bereits in elf Jahren soll mit Arbeiten zur Vorbereitung der Räumung des im Dezember 1947 teilweise explodierten Munitionsdepots begonnen werden.

«Viele werden nicht mehr zurückkommen», sagt eine Anwohnerin zu der Hiobsbotschaft gegenüber Radio SRF. «Zehn Jahre sind eine lange Zeit.» Ein 82-Jähriger, der die Explosion miterlebt hatte, erklärte nach der Informationsveranstaltung: «So schnell bringen die mich hier nicht weg.» Und auch eine junge Frau gibt zu bedenken, dass das Leben im 170-Seelen-Dorf nach den Jahren als «Geisterdorf» nicht mehr dasselbe sein werde.

Gemeindepräsident hält an Räumung fest

Die «Berner Zeitung» wiederum begrüsst in einem Leitartikel auf der Titelseite vom Mittwoch, dass der Bund nun Klartext spreche. «In quasi homöopathischen Schritten» werde die Bevölkerung von Mitholz seit bald zwei Jahren «an die Realität herangeführt». Die Deutlichkeit von Amherds Worten möchten in Mitholz zwar verstören. Es sei aber höchste Zeit, diese jetzt auszusprechen, folgert die «Berner Zeitung» in ihrem Kommentar. Dabei dürfe nicht vergessen werden, dass die Räumung der hochexplosiven Munitionsreste im ehemaligen Militärbunker zu einem «Jahrhundertprojekt» werde.

«Wir haben immer gesagt, dass wir eine Räumung anstreben», erklärte Romand Lanz gegenüber dem Regionaljournal von Radio SRF. Der Gemeindepräsident der betroffenen Gemeinde Kandergrund mochte nach dem Informationsanlass am Dienstagabend nicht in die kritischen Töne seiner Mitbürger einstimmen. «Die Varianten sind ja noch nicht definiert, der politische Prozess dazu beginnt erst jetzt zu laufen.» Und da wolle sich die Gemeinde einbringen. Vielleicht gebe es ja auch Lösungen, welche den Ortsteil Mitholz weniger stark beanspruchen würden.

«Wir sehen uns hier nicht als Zuschauer»

Unterstützung sicherte am Dienstagabend der Bevölkerung auch der Kanton Bern zu. «Wir wollen eine möglichst vollständige Räumung der Munition, um der nachfolgenden Generation ein sicheres und lebenswertes Mitholz zu hinterlassen», erklärte der zuständige Regierungsrat Philippe Müller laut Redetext. Der Kanton sei sich in den letzten Monaten bewusst geworden, dass dieser Prozess wahrscheinlich aufwändiger und einschneidender werde als lange gehofft. Der Kanton versicherte den Einwohnern von Mitholz jedoch «nach Kräften» seine Unterstützung. «Wir sehen uns hier nicht als Zuschauer», so Philippe Müller.

Als nächstes können sich interessierte Kreise und die von einer Räumung direkt betroffene Bevölkerung im Rahmen einer Mitwirkung nun zu den Plänen des Verteidigungsdepartements äussern. (aargauerzeitung.ch)

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Explosionskatastrophe von Mitholz

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Explosionskatastrophe von Mitholz
quelle: photopress-archiv / walter studer
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Explosionsgefahr in Mitholz grösser als angenommen

Video: srf

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20 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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john benz
26.02.2020 08:01registriert August 2014
Spannend wäre eine Reportage wie ein solche Räumung durchgeführt werden kann. Und was für Arbeiter nehmen ein solches Risiko freiwillig auf sich.
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who cares?
26.02.2020 07:55registriert November 2014
«So schnell bringen die mich hier nicht weg.» meint der 82jährige. Mal schauen ob der in 11 Jahren überhaupt noch da ist, oder bereits im Pflegeheim wenn überhaupt.

Klar ist es nicht schön für die Anwohner, aber 11 Jahre Vorbereitungszeit sollte schon genug sein um etwas passendes zu finden. Was wäre denn die Alternative? Den nächsten Generationen den Mist überlassen, wie man es 1947 getan hat?
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Herr Ole
26.02.2020 08:35registriert Dezember 2017
Was wären denn die anderen Optionen?
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