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So zelebriert Bern die Pride – die JSVP täubelet

Regenbogenfahnen haengen beim Zytglogge, am Dienstag, 25. Juli 2023, in Bern. Bis am Samstag finden in Bern die Euro Games statt, die sich auch an LGBTQ Personen richten. (KEYSTONE/Peter Schneider)
Bern hat sich bunt gemacht: Regenbogenfahnen in der Altstadt.Bild: KEYSTONE

So zelebriert Bern die Pride – die JSVP wütet

29.07.2023, 10:0629.07.2023, 13:59
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Am Samstag findet in Bern eine Premiere statt: Die allererste «richtige» Pride zieht durch die Hauptstadt.

Zwischen 6000 und 8000 Besuchende werden erwartet, dazu treten Musizierende aus der ganzen Schweiz auf. Hier erfährst du alles, was du zur Bern Pride wissen solltest – und warum die JSVP deswegen am Rad dreht.

Was ist alles geplant?

Die Bern Pride startet um 14 Uhr auf dem Quartierplatz vor dem Wankdorf-Stadion. Von dort aus führt der Demozug über den Aargauerstalden durch die Altstadt und schliesslich auf den Bundesplatz. Dort legen ab 16.00 Uhr die ersten DJs auf.

Um 17.00 Uhr spricht die wohl bekannteste LGBTQ-Aktivistin der Schweiz, Anna Rosenwasser, zu den Teilnehmenden; sie moderiert anschliessend den ganzen Abend lang das Pride Fest auf dem Bundesplatz.

Wegbeschreibung des Demozuges der BernPride.
Umzug vom Wankdorf-Stadion auf den Bundesplatz: Pride in Bern.Bild: bernpride.ch

Nach ihr spricht der «Main Act», wie man fast schon sagen könnte: Nationalrätin Tamara Funiciello wird vor versammelter Masse kämpferische Worte verkünden (schreibt zumindest bern.lgbt). Anschliessend geht es weiter im musikalischen Programm, bis um 18.15 Uhr vor Ort die Schlusszeremonie der EuroGames durchgeführt wird. Die EuroGames – der grösste LGBTQ-Sportevent Europas – laufen seit Mittwoch.

Es folgt eine Drag-Show mit renommierten Dragqueens aus der ganzen Schweiz, daraufhin geht es weiter mit der Musik – Rapper Nemo tritt auf. Schliesslich sprechen Vertreterinnen und Vertreter der ehrenamtlichen «Queeramnesty Schweiz» über Menschenrechte, sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität.

Weiter geht es mit der musikalischen Bespassung bis um 22.00 Uhr, dann ist Schluss auf dem Bundesplatz. Wem der Tag aber bislang noch zu kurz gewesen ist, kann ungeniert an eine der drei Afterpartys im Stellwerk Bern, der Turnhalle oder im Bierhübeli.

Wie komme ich dorthin?

Wegen des Demozuges fährt die Tramlinie 9, welche von der Innenstadt zum Wankdorf-Stadion führt, nicht die ganze Strecke. Darum wird all denen, die gerne am Umzug teilnehmen möchten, geraten, mit dem Zug vom Hauptbahnhof nach Wankdorf zu fahren.

Von dort ist der Quartierplatz, wo der Demozug startet, innert 5 Minuten zu Fuss erreichbar. Mögliche Linien sind die S1, S2, S3 oder die S44.

Nicht der ganze Teil des Umzugs ist leicht begehbar oder rollstuhltauglich: Teils ist die Route steil, und führt in der Altstadt über Pflastersteine. Daher empfiehlt die BernPride allen Personen, die schlecht zu Fuss sind: «Macht die Demo bis zum Aargauerstalden mit, nehmt dort dann den Bus 10 zur Station ‹Zytglogge› und stosst beim Casinoplatz wieder der Demo zu».

Warum feiert Bern die Pride erst jetzt?

Tatsächlich sei es normal, dass Pride-Demonstrationen nicht nur im Pridemonat Juni stattfinden, sagt Nick Eugster, Kommunikationschef der Bern Pride, auf Anfrage von watson.

So habe erst letzte Woche die Berlin Pride (offiziell Christopher Street Day Berlin) stattgefunden, und nächste Woche sei die Amsterdam Pride am Start. Pride-Umzüge finden demnach den ganzen Sommer über auf der ganzen Welt statt. Das genaue Datum für die Bern Pride sei jedoch bewusst gewählt worden, so Eugster:

«Wir haben uns bewusst für den 29. Juli entschieden, weil dann der Abschluss der EuroGames in Bern ist – das passt doch wunderbar zusammen.»

Die EuroGames finden seit 1992 jährlich statt und wandern durch ganz Europa. «Wenn wir schon einmal die EuroGames in der Schweiz haben, können wir doch gleich als Abschluss eine Pride in Bern veranstalten», erklärt Eugster. Das sei bei den meisten EuroGames so.

Es wird übrigens die erste «richtige» Berner Pride: Die beiden vorherigen in den Jahren 2010 und 2017 waren einerseits mehr eine Demonstration im Rahmen einer Abstimmung und eine «Wanderpride», die jedes Jahr in einer anderen Stadt ausgetragen wird.

Warum sagt man in Berlin Christopher Street Day?
Der Name «CSD» stammt von der Christopher Street in New York City. Als die Polizei 1969 zum wiederholten Male die Gäste in der Stonewall-Bar drangsalierte, begannen sich einige der Gäste und Passantinnen und Passanten gegen die Polizei zu wehren. Mehrtägige Auseinandersetzungen mit der Polizei folgten.

Wie sind die Reaktionen bislang?

Im Rahmen der EuroGames und der Pride hat die städtische Verwaltung die Innenstadt Berns mit unzähligen Regenbogen-Fahnen und anderen LGBTQ-Flaggen geschmückt.

Viele erfreuen sich an den bunten Flaggen – so schreibt beispielsweise ein Twitter-User: «Meine Stadt ist wunderschön, seht selber!»

Doch gibt es auch solche, die sich an der Beflaggung stören – allen voran die Junge SVP. Auf Twitter bezeichnet die Partei die farbigen Fahnen als «dekadent»: Die Flaggen sollen eine Zukunft darstellen, in der kein Wohlstand mehr vorhanden sei und Psychiatrien überfüllt seien.

Darauf hingegen reagierten viele mit Ablehnung; so zum Beispiel GLP-Politiker Marco Knubel, der die Kantonspolizei Bern anschreibt: «Beinhaltet der unten stehende Tweet möglicherweise einen Verstoss gegen StGB Art. 261, Diskriminierung und Aufruf zu Hass? Danke im Voraus für die Rückmeldung.»

Auch der Präsident der JUSO Schweiz und SP-Vizepräsident, Nicola Siegrist, zeigt sich empört über die Ansichten der JSVP bezüglich der EuroGames und der Bern Pride:

JSVP-Präsident David Trachsel erklärte im Anschluss an die Empörung: Man habe sich mit dem Tweet gegen «Transgender-Propaganda» wehren wollen. «Eine kranke Normalität, mit Frühsexualisierung von Kindern, Pubertätsblockern und Geschlechtsumwandlungen soll neu an die Stelle einer klassischen Familie treten», behauptet er gegenüber «20minuten».

Was sagen die Veranstalter?

Nick Eugster versteht nicht, warum die JSVP ein Problem mit den Pride-Fahnen hat und zitiert hierfür den Stadtpräsidenten von Bern:

«Wenn hier drei Wochen lang YB-Flaggen hängen, hat niemand ein Problem. Aber wenn eine Woche lang die Regenbogenflaggen wehen, sind plötzlich alle empört.»

Für das Veranstaltungskomitee wirken die Hass-Kommentare im Netz jedoch fast schon anspornend: «Solche Kommentare zeigen uns nur noch mehr, dass es eben zwingend solche Veranstaltungen wie die Pride braucht.»

(cpf)

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254 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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ThrashMetalHead
29.07.2023 10:24registriert Januar 2020
Wenn die JSVP am rotieren ist hat die Stadt alles richtig gemacht.
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i-Aeglos
29.07.2023 10:22registriert Juni 2017
Wenn die Sünnelis oder besser noch ihre Jungpartei etwas dagegen hat, dann macht man es grundsätzlich schon mal nicht komplett falsch
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Vision2060
29.07.2023 10:19registriert April 2021
Im Herbst werden wir dann merken, das die SVP und FDP Wahlgewinner sein werden und wir dann 4 Jahre mit dem Leben müssen, dass der Mieterschutz, das Arbeitsrecht und noch viel Anderes leiden wird, zugunsten einer kleinen Minderheit. Aber ich lasse mich gerne überraschen/belehren im Herbst. Wählt gescheit und nicht Listenverbindungen.
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