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Bundesrat Ueli Maurer fuettert ein Kalb auf dem Bauernhof von Jakob und Silvia Schranz, vor seiner Jahresmedienkonferenz am Donnerstag, 29. Dezember 2016 in Adelboden. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Finanzminister mit Kalb: Ueli Maurer im Kuhstall in Adelboden. Bild: KEYSTONE

Soldaten an die Grenze: Ueli Maurers Adelboden-Surprise

Finanzminister Ueli Maurer hat manchmal Heimweh nach dem VBS. Dies sagte er an seiner Jahresmedienkonferenz in Adelboden. Und kündigte prompt an, dass 50 Armeeangehörige das Grenzwachtkorps verstärken sollen.



Ueli Maurer ist ein traditionsbewusster Mensch. Seine Medienkonferenz zum Jahresende führt der SVP-Bundesrat stets in Adelboden durch. Im Berner Oberländer Bergdorf ist der Zürcher Oberländer heimatberechtigt.

Und als Bauernsohn fühlt sich der Scholle verbunden. Eine Station des diesjährigen Ausflugs war der Hof von Bergbauer Jakob Schranz. In dessen Stall fand die – inzwischen dahingeschiedene – Kuh Unterschlupf, die der prominente Gemeindebürger zum 600-jährigen Bestehen von Adelboden 2010 geschenkt bekommen hatte.

epa05681489 View of a swath of artifical snow at the World cup slope of the Chuenisbaergli in Adelboden, Switzerland, on Sunday, December 18, 2016. The FIS Ski World Cup Adelboden will take place from the 7th till the 8th of January 2017.  EPA/PETER SCHNEIDER

Grünes Adelboden. Immerhin ist die Weltcuppiste am Chuenisbärgli präpariert. Bild: EPA/KEYSTONE

«Ein Drittel der Landwirte lebt unter der Armutsgrenze», sagte der Finanzminister. Insbesondere die Bergbauern hätten es nicht leicht. Indirekt verteidigte Maurer damit die Direktzahlungen, die der Bund jährlich an die Landwirte ausrichtet, nicht zuletzt auf Betreiben seiner Partei.

Restriktiveres Europa

Nachdem Maurer im Stall für die Fernsehkameras ein wenig das Kalb gemacht hatte, und nach einem Spaziergang durch das deprimierend grüne Dorf – die Skipiste am Chuenisbärgli immerhin konnte mit Kunstschnee präpariert werden, die Weltcuprennen von 7./8. Januar 2017 sollten gesichert sein –, kam der Kassenwart der Nation zur Sache. Und sorgte mit einer Ankündigung für Wirbel.

Das Grenzwachtkorps (GWK), das dem Finanzdepartement unterstellt ist, soll durch 50 Angehörige der Armee verstärkt werden. Denn der Departementschef geht davon aus, dass die Schweiz im Asylbereich stärker gefordert sein wird als bisher. Der Migrationsdruck werde nicht abnehmen. «Noch immer warten Hunderttausende in Nordafrika auf eine Überfahrt nach Europa», sagte Maurer.

Gleichzeitig dürften die europäischen Länder eine wesentlich restriktivere Flüchtlingspolitik betreiben, insbesondere Deutschland, wo im Herbst gewählt wird, werde seine Grenze verstärkt kontrollieren. «Die Schweiz wird das einzige offene Tor Richtung Norden sein», warnte Maurer. Das bedeute Mehrarbeit für die Grenzwächter.

Symbolpolitik für die SVP?

Der angekündigte Armeeeinsatz riecht dennoch nach Symbolpolitik, nicht zuletzt an die Adresse seiner Partei, die seit Jahren die Armee an die Grenze beordern will. Noch ist das Gesuch an das Verteidigungsdepartement (VBS) nicht abgefasst, von einem Beschluss von Bundesrat und Parlament ganz zu schweigen. Ueli Maurer betonte denn auch, man werde keine WK-Soldaten entsenden, sondern «Sicherheitsleute mit polizeiähnlicher Ausbildung».

Grenzwaechter kontrollieren einen Figuranten, im Rahmen einer Demonstration von Grenzwacht und Kantonspolizei St. Gallen, am Dienstag, 18. Oktober 2016, am Grenzuebergang Schmitter in Diepoldsau. Im Szenario werden zwei Delinquenten bei einer Ausreisekontrolle erwischt und an die Kantonspolizei uebergeben. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Das Grenzwachtkorps soll Verstärkung erhalten. Bild: KEYSTONE

Der neue Finanzminister räumte vor den Medien ein, dass er sich noch nicht ganz vom alten Job lösen konnte. Der Wechsel vom «extrovertierten» VBS ins «introvertierte» EFD sei «gewöhnungsbedürftig» gewesen. Manche Mitarbeiter habe er mit seiner direkten Art anfangs erschreckt. Auch den deutlich grösseren Kontakt mit der Öffentlichkeit im VBS vermisse er: «Ich habe manchmal etwas Heimweh nach den Soldaten und dem Sport

Auf seine Bilanz als Verteidigungsminister blickt Maurer mit Genugtuung zurück: «Ich konnte die Talfahrt der Armee stoppen.» Ins neue Departement musste sich der ausgebildete Buchhalter erst einarbeiten: «Ich habe nächtelang Dossiers studiert, um zu lernen und zu verstehen.» Heute habe er den Überblick und könne die Dossiers vertreten, so Maurer.

Werbung für USR III

Auch wenn es im Finanzdepartement viel ruhiger ist: Es mangelt nicht an Arbeit und Herausforderungen. Neben der Sicherheit an der Grenze nannte der Finanzminister einen ausgeglichenen Bundeshaushalt («in der Finanzpolitik herrscht ein zu kurzfristiges Denken, man plant jeweils nur Jahr für Jahr») und die Vertretung der schweizerischen Interessen auf internationaler Ebene, nicht zuletzt bei der G20.

ARCHIV --- ZUR UNTERNEHMENSSTEUERREFORM III STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Bundesrat Ueli Maurer befasst sich mit der Unternehmenssteuerreform III (USRIII) am Montag, 6. Juni 2016, im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Ueli Maurer bei den Beratungen über die USR III im Parlament. Bild: KEYSTONE

Natürlich liess es sich Ueli Maurer nicht nehmen, in Adelboden Werbung für die Unternehmenssteuerreform III zu machen, über die am 12. Februar 2017 abgestimmt wird. Sie sei «matchentscheidend» für die Unternehmen, auch in den Randregionen, sagte er bei einem Abstecher zur Firma Holzbau Burn, einem KMU mit 42 Mitarbeitern.

Diese Arbeitsplätze seien wichtig für die Region, sagte Maurer. Gebaut werde jedoch nur, wenn in der Schweiz Steuern bezahlt würden. Dieser Zusammenhang fehle in der Diskussion um die USR III, so der Finanzminister. Bei der Reform handle es sich um «ein Gesamtpaket für die nächsten zehn bis 15 Jahre».

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