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Der St. Galler FDP-Nationalrat Marcel Dobler erhielt bei den Bundesratswahlen überraschend 21 Stimmen. Woher diese kamen, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben. (Archivbild)

Der St. Galler FDP-Nationalrat Marcel Dobler erhielt bei den Bundesratswahlen überraschend 21 Stimmen. Woher diese kamen, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Bild: KEYSTONE

Woher kamen die 21 Stimmen für FDP-Dobler? Im Moment kursieren 3 Theorien



Der St. Galler FDP-Nationalrat Marcel Dobler hat im letzten Wahlgang der Gesamterneuerungswahlen des Bundesrats überraschend 21 Stimmen geholt. Es lässt sich nur spekulieren, von wem er diese erhalten hat. Durch die Wandelhalle geisterten verschiedene Hypothesen.

Als die Spannung langsam gefallen war, die Grünen längst bekanntgegeben hatten, dass sie nach dem erfolglosen Angriff auf FDP-Bundesrat Ignazio Cassis den Sitz von FDP-Bundesrätin Karin Keller-Sutter nicht angreifen würden - just in diesem Moment verkündete Nationalratspräsidentin Isabelle Moret (FDP/VD) die Randnotiz des Tages: «Ferner haben Stimmen erhalten: Dobler Marcel, 21.»

Das Ergebnis liess an dieser sonst so überraschungsfreien Erneuerungswahl aufhorchen. Auf der Journalistentribüne war man zunächst ratlos: Wer hat Nationalrat Dobler gewählt? Und warum? Im Internet, vor allem auf Google und Twitter, war Dobler kurz vor 11 Uhr ein sehr beliebter Suchbegriff.

Nach einigen Minuten kursierten dann die ersten Interpretationen zum Ergebnis in der Wandelhalle. Politologe Adrian Vatter bezeichnete das vergleichsweise schlechte Resultat von Keller-Sutter - sie erhielt 169 von gültigen 206 Stimmen - als «kleine Retourkutsche». Folgende drei Theorien wurden bis am Abend herumgereicht:

Retourkutsche und Aussehen

Die SVP zum Beispiel sei mit dem Vorschlag der Justizministerin für eine Überbrückungsrente nicht einverstanden. Diese ist Teil eines Massnahmenpakets für ältere Arbeitslose, das die Akzeptanz der Personenfreizügigkeit erhöhen soll. Die SVP bekämpft die Personenfreizügigkeit mit der Begrenzungsinitiative.

Der Zürcher SVP-Nationalrat Thomas Matter bestätigte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA im Bundeshaus, dass die Überbrückungsrente sicher einigen in seiner Fraktion in den falschen Hals geraten sei. Augenzwinkernd fügte er an, dass die Stimmen für Dobler auch damit begründbar seien, dass dieser «gut aussieht». Viele Frauen hätten deshalb für ihn gestimmt.

Die SVP- Nationalraete Thomas Matter, ZH, Albert Roesti, BE, und Thomas Aeschi, ZG, von links, applaudieren waehrend den Bundesratswahlen, am Mittwoch, 11. Dezember 2019, in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Thomas Matter (links) begründet die Stimmen für Dobler unter anderem mit dessem Aussehen. Bild: KEYSTONE

Störmanöver von Links

Mike Egger (SVP/SG) dagegen wollte nichts wissen von den vermuteten Proteststimmen von Rechts. Für ihn war das Ganze ganz einfach «ein Störmanöver von Links». Einen Grund dafür angeben konnte er aber nicht.

Posse aus der Ostschweiz

Auch von FDP-Parteipräsidentin Petra Gössi wollten Medienschaffende wissen, woher die unerwarteten Stimmen für Dobler gekommen waren. Hatten sogar einzelne Mitglieder der FDP-Fraktion gegen Keller-Sutter und für Dobler gestimmt, damit Cassis im Vergleich mit seinen 145 Stimmen nicht zu schlecht dastehen würde?

Gössi legte für ihre Partei die Hand ins Feuer. Es sei kein eigentlicher Angriff auf Keller-Sutter gewesen. Die FDP-Präsidentin bezeichnete die 21 Stimmen vielmehr als «rein regionalpolitische Posse aus der Ostschweiz». Weiter ins Detail ging sie nicht.

Parteipraesidentin Petra Goessi, FDP-SZ, begruesst das Ergebnis der Wahl von Bundesraetin Karin Keller-Sutter (nicht fotografiert), waehrend den Bundesratswahlen, am Mittwoch, 11. Dezember 2019, in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Petra Gössi glaubt, dass ihre FDP geschlossen für Keller-Sutter gestimmt hat. Bild: KEYSTONE

Künftige Kandidatur nicht ausgeschlossen

Und Dobler selbst? Er wirkte nach der Bekanntgabe des Wahlresultats im Nationalratssaal sehr überrascht, lächelte gequält. «Ich wusste von nichts. Als mein Name fiel, war ich ein bisschen irritiert», sagte er später gegenüber Keystone-SDA-Video.

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Es sei wohl weniger um seine Person gegangen, sondern vielmehr darum, «dass gewisse Kreise ihr Unbehagen» gegenüber Keller-Sutter hätten ausdrücken wollen. Es seien aber alles Mutmassungen. Klar sei, dass er insbesondere aufgrund seiner familiären Situation mit Kleinkindern eine Wahl in den Bundesrat zurzeit sowieso nicht angenommen hätte. Für die Zukunft liess der 39-Jährige die Frage offen: «Sag niemals nie.» (cma/sda)

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • chandler 12.12.2019 08:23
    Highlight Highlight Ich wars, tchuligoom
  • Ich mein ja nur 12.12.2019 07:38
    Highlight Highlight Die kommen von rechten ParlamentarierInnen, die bei der Wahl von Cassis ein schlechtes Gewissen gehabt hätten.
  • Mexi 12.12.2019 03:36
    Highlight Highlight Für mich als Bürger und Wähler ist es peinlich mit anzusehen, wie erwachsene, Schweizer Parlamentarier sich wie kleine Kinder verhalten. Das ist keines Volksvertreters würdig. Schämt euch ihr spät pubertierende Doofis.
  • Locutus70 12.12.2019 00:14
    Highlight Highlight Tja es hat halt nun viel mehr Frauen, die wählen dann halt spontan vielleicht mal einen gut aussehenden Mann :xD
  • Dan Rifter 11.12.2019 23:17
    Highlight Highlight Die Lobby der Fussball-Ultras hat KKS abgestraft.
  • flying kid 11.12.2019 22:41
    Highlight Highlight Spielt's eine Rolle?
    Eher nicht, die Wahlen sind wie erwartet ausgegangen. Alle Spiele, inkl. Frau Ritz, sind zum Glück nicht aufgegangen und die bestehenden BR wurden bestätigt.
    Was genau bringen all diese möglichen Theorien nun?
    Nichts, lasst nun das Parlament endlich mit der Arbeit beginnen, fertig Wahlkampf.
  • Calvin Whatison 11.12.2019 22:30
    Highlight Highlight Ähmmm okkee! I gloub, mis Internet isch kabutt! 😂😂😂
  • Leon1 11.12.2019 22:24
    Highlight Highlight Als ob Gössi etwas von Ostschweizer Regionalpolitik weiss, geschweige denn sich dafür interessiert.
    SG (12 NR, 2 SR), TG (6 NR, 2 SR) und AR+AI (je 1 SR & NR) haben zusammen 26 Parlamentarier in Bern. So einig sind sich die im Leben nicht, um die 21 Stimmen für Dobler zu erklären. Im Gegenteil; KKS' Rückhalt in der Region ist nicht schlecht.

    Die Linken haben keinen Grund dazu. Dobler steht für die selbe Politik wie KKS.

    Das war natürlich ein Lausbubenstreich der SVP, wie Matters ironischer Kommentar schon fast bestätigt. Natürlich ohne Mike Egger (Kt. SG), der wird KKS unterstützt haben.
    • ands 12.12.2019 10:54
      Highlight Highlight Was ist mit GL, SH, GR? Manche zählen auch ZH zur Ostschweiz...
    • Leon1 12.12.2019 16:39
      Highlight Highlight Die Ostschweiz ist kein klar definiertes Gebiet. Das ist eine eigene Diskussion und zu kompliziert für 600 Zeichen. In Geografischem Sinn gehören GR, GL und SH auf jeden Fall dazu, im politischen Sinn und im Selbstverständnis der jeweiligen Bevölkerung ist dies nicht zwangsläufig der Fall.

      Bei dieser Sache geht es aber um Karin Keller-Sutter aus Wil (SG) und um Regionalpolitik um ihre Person. Ich bezweifle stark, dass Bündner, Schaffhauser, Glarner oder gar Zürcher KKS als "ihre Bundesrätin" (im geografischen Sinn) ansehen und sich für derlei infantile Spielchen interessieren.
  • Jojoeffekt 11.12.2019 22:12
    Highlight Highlight Es wäre so lustig wenn die Vereinigte Bundesversammlung einmal einfach irgendeinen random Larry in den Bundesrat wählen würde, der dann einfach so ein bisschen mitläuft. Einfach irgendwie Guy Parmelin oder so.
    • Fabian Müller (1) 11.12.2019 22:45
      Highlight Highlight Ich wäre für Larry Laffer.
    • BlueTire 11.12.2019 22:49
      Highlight Highlight Der Larry Dobler war immerhin Mitgründer von Digitec. Als ich meine Informatiker Lehre machte noch fast ein Geheimtipp, heute trägt das Unternehmen vermutlich mehrere Hundert Millionen Umsatz zur Migros Genossenschaft (Konzern) bei.
  • Majoras Maske 11.12.2019 22:09
    Highlight Highlight Jaaa, das waren sicher verliebte Frauen, welche ihn gewählt haben, weil er sooooo hübsch ist... 🙈
  • Walter Flickenteppich Ballaballa 11.12.2019 22:06
    Highlight Highlight Augenzwinkernd fügte er an, dass die Stimmen für Dobler auch damit begründbar seien, dass dieser «gut aussieht». Viele Frauen hätten deshalb für ihn gestimmt.

    Hat die SVP überhaupt so viele Frauen? Oder haben ein paar standhafte SVP Männer auch gefallen an dem Herrn gefunden? Wären ja mal erfrischende Neuigkeiten aus unerwarteter Ecke.
    • Korrekt 12.12.2019 00:12
      Highlight Highlight Sie wissen schon, dass es eine Gay-SVP gibt?
    • Locutus70 12.12.2019 01:37
      Highlight Highlight Er hat ja nicht gesagt das es nur Frauen von der SVP waren. Es könnten auch paar Männer von den Grünen gewesen sein :xD
    • ChlyklassSFI 12.12.2019 15:18
      Highlight Highlight Korrekt: Und Bortoluzzi gibt es auch.
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