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Coop-Mitarbeiter ohne Maske: Frau beschwert sich und wird beschimpft

Coop-Mitarbeiter ohne Maske: Frau beschwert sich und wird als «Schlampe» beschimpft

Eine Frau aus der Ostschweiz beschwerte sich bei der Detailhändlerin Coop über Mitarbeitende, die im ÖV die Maske verweigern. Darauf werden ihre Daten im Verteilzentrum aufgehängt – mit bösen Folgen.
21.12.2021, 16:3321.12.2021, 16:33
Stefan Ehrbar / ch media
Ein Informationsschreiben verweist auf Abstand halten beim Anstehen vor dem Einkauf, aufgenommen am Freitag, 20. Maerz 2020 in der Coop Filiale Centre Bahnhof in Biel. (KEYSTONE/Adrian Reusser)
Bild: KEYSTONE

Saskia M.* hat lange Tage auf der Arbeit in diesem Winter. Die Ostschweizerin ist im Gesundheitswesen tätig und pflegt unter anderem Corona-Patienten. Jeden Tag fährt Sie mit dem ÖV zur Arbeit und am Verteilzentrum von Coop in Gossau SG vorbei. Immer wieder fallen ihr im Bus Mitarbeitende in Coop-Uniform auf, die keine Maske tragen.

Sie spricht die Menschen regelmässig an – und stösst auf wenig Gegenliebe. Einmal habe sie einen Mitarbeiter gebeten, eine Maske zu tragen. «Er fragte mich, was mich das angeht», erinnert sich M. «Ich sagte ihm, vielleicht pflege ich ihn in ein paar Tagen schon. Daraufhin drohte er, mich anzuspucken.»

«Bitte übernehmt Verantwortung»

Mitte November hat sie genug. Sie schreibt auf Twitter via Direktnachricht die Detailhändlerin an. «Ich habe in den letzten 20 Monaten unzählige Menschen sterben sehen. Ich habe kein Verständnis für Coop-Mitarbeitende, welche keine Maske tragen», heisst es in ihrer Nachricht. «Bitte übernehmt als Firma Verantwortung.»

Fünf Tage später meldet sich Coop bei M. und schreibt, die Meldung sei intern an die zuständige Abteilung weitergeleitet worden. In den kommenden Wochen erhält sie trotz mehrfacher Nachfragen, was aus ihrer Reklamation geworden ist, nur vertröstende Antworten. M. droht damit, fehlbare Mitarbeitende künftig zu fotografieren.

Coop gibt Daten weiter

Es ändert sich trotzdem nichts. «Ihr tragt eine grosse Mitschuld an der Situation in den Spitälern», schreibt sie Coop. Zu CH Media sagt sie: «Es ist erwiesen, dass es im ÖV zu vielen Ansteckungen kommt.» Manchmal frage man sich als Mitarbeiterin im Gesundheitswesen, wieso man das alles mache. «Wenn ich dann sehe, dass gewisse Menschen noch nicht mal eine Maske im Bus tragen können, fehlt mir das Verständnis.»

Was sie nicht weiss: Mittlerweile hat Coop die Nachricht tatsächlich intern weitergeleitet – aber in der schlechtestmöglichen Form. Der eigentlich private Nachrichtenverlauf mit der Coop-Kommunikationsabteilung hängt nun für alle Mitarbeitenden sichtbar im Coop-Verteilzentrum, und zwar kommentarlos. Weder ihr Name noch der Name ihres Twitter-Accounts sind geschwärzt. Jeder Mitarbeitende erfährt nun, dass sich M. beschwert hat, wie sie heisst, welchen Bus sie benutzt und wie sie aussieht.

Im Verteilzentrum hängt die Beschwerde von M. gut sichtbar (Personendaten unsichtbar gemacht).
Im Verteilzentrum hängt die Beschwerde von M. gut sichtbar (Personendaten unsichtbar gemacht).

Das hat Folgen. Am Montag wird die Pflegefachfrau im Bus angegangen. «Ein Coop-Mitarbeiter kam auf mich zu und sprach mich mit meinem Namen an. Er sagte mir: ‹Ah, schau, das ist jetzt Frau M., die uns bei unseren Vorgesetzten schlechtmacht und uns verpetzt›.» Eine Maske habe der Mitarbeiter nicht getragen. «Er beschimpfte mich als ‹huere Schlampe›», sagt M.

Sie fühlt sich nun unwohl im Bus, den sie so häufig nutzen muss – denn immer wieder hört sie, wie Coop-Mitarbeiter über sie tuscheln. Es fallen abschätzige Bemerkungen: «Die soll Krankenschwester sein?», habe etwa kürzlich jemand gesagt.

Doch wie kann so etwas überhaupt passieren? Weshalb landet eine eigentlich private Unterhaltung plötzlich ausgedruckt im Coop-Verteilzentrum?

Coop entschuldigt sich

Coop-Sprecherin Rebecca Veiga sagt, ein solches Verhalten werde nicht toleriert und entspreche nicht den internen Vorgaben. Coop entschuldige sich «in aller Form» bei Frau M. Das sei auch persönlich erfolgt. «Wir werden die betroffenen Mitarbeitenden in die Verantwortung nehmen und mögliche Konsequenzen inklusive disziplinarische Massnahmen prüfen», sagt Veiga. Zudem würden interne Prozesse zur Informationsweitergabe noch einmal klar kommuniziert.

Ob die betroffenen Mitarbeitenden sich künftig an die Maskenpflicht halten, ist allerdings eine andere Frage.

*Name geändert

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