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Die EU hat es bereits angekündigt: Ein digitaler Impf- Test- und Genesungspass soll das Reisen in den Mitgliedstaaten erleichtern.
Die EU hat es bereits angekündigt: Ein digitaler Impf- Test- und Genesungspass soll das Reisen in den Mitgliedstaaten erleichtern. bild: shutterstock

«Wir haben das Wissen und die Leute» – Politik glaubt an digitalen Impfpass «Made in CH»

Nach dem Sicherheitsdebakel mit «meineimpfungen.ch» fragt man sich, ob die Schweiz überhaupt innert nützlicher Frist einen digitalen Impfpass aus dem Boden stampfen kann. Experten und Politiker sind zuversichtlich.
24.03.2021, 05:5225.03.2021, 07:41

Corona-immun und mit dem Impfpass im Gepäck, reisen wohin man will: So könnte der Sommer 2021 womöglich aussehen. Bereits jetzt erlauben einige Ländern geimpften Menschen eine uneingeschränkte Einreise. Wer beispielsweise auf dem Luftweg nach Georgien reist, geimpft ist und dies nachweisen kann, darf ohne Einschränkungen den Zoll passieren.

Die Plattform «meineimpfungen.ch» wäre laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine valable Kandidatin gewesen, um einen solchen elektronischen Impfausweis aufzubauen. Wäre. Gemäss Recherchen des Online-Magazins «Republik» weist die Plattform jedoch gravierende Sicherheitsmängel auf. Die Plattform wurde vorläufig deaktiviert. Zudem hat der Eidg. Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte ein Verfahren gegen die Betreibenden eingeleitet, wie er am Dienstag mitteilte.

Für meineimpfungen.ch verantwortlich ist eine private Stiftung. Der Bund zahlte dieser jährlich 250'000 Franken plus einen eimaligen Betrag von 450'000 Franken im Dezember 2020 für den Covid-Impfnachweis.

Vorbild SwissCovid-App

Für Balthasar Glättli, Präsident der Grünen, ist eine Zusammenarbeit mit der Plattform so gut wie vom Tisch. «Der Bund sollte nicht darauf vertrauen, dass das Rumbasteln an ‹meineimpfungen.ch› bald zu einem modernen, stabilen und sicheren System führt.»

Auch GLP-Nationalrat Jörg Mäder kritisiert die Mängel der Plattform auf Twitter. Den Teufel an die Wand malen will er aber nicht. «Wir haben das Wissen und wir haben die Leute. Die Schweiz ist imstande einen digitalen Impfausweis aufzubauen.» Das habe sich bereits bei der SwissCovid-App gezeigt: «Die Contact-Tracing-App wurde zum internationalen Vorbild.»

Ähnlich sieht das Marcel Salathé, Epidemiologe und Mitentwickler der Tracing-App. «Aus meiner Erfahrung im Zusammenhang mit der SwissCovid-App kann der Bund das», so Salathé. Das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) habe dies damals extrem kompetent und speditiv umgesetzt. Auch Grünen-Nationalrat Glättli glaubt, dass eine rasche Lösung möglich sei. «Mit einer kompetenten Projektleitung kann ein solches System bis im Juni sicher aufgebaut werden.»

Die gesetzliche Grundlage für einen digitalen Imfpass hat das Parlament bereits im Covid-19-Gesetz geschaffen. Der Bund soll die genauen Anforderungen an einen solchen Pass definieren. Und er muss dafür sorgen, dass ein solcher Nachweis fälschungssicher ist und auch bei Ein- und Ausreise in andere Länder verwendet werden kann.

Die EU könnte helfen

Neben einer eigenständigen Entwicklung könnte sich die Schweiz auch dem EU-Impfpass anschliessen. Denn die EU-Kommission schlug vergangene Woche eine digitale Plattform vor, damit Impf-, Test- und Genesungszertifikate in allen Mitglied- und assoziierten Staaten überprüft und anerkennt werden können. Als Schengen-Mitglied könnte sich folglich auch die Schweiz bei der Ausarbeitung der Details beteiligen.

Eine Zusammenarbeit mit der EU würde ihn nicht stören, sagt GLP-Nationalrat Mäder. Und auch Grünen-Präsident Glättli sagt: «Diese Option ist ernsthaft zu prüfen.»

Kritischer sieht das Epidemiologe Marcel Salathé. Der Vorschlag der EU sei technisch noch sehr vage und lasse viele Fragen offen. «Die beste Idee wäre, den digitalen Impfpass auf Bundesebene umzusetzen. Wir wollen ja ein digital souveräner Staat sein.» Dass die Lösung dann auch kompatibel mit den internationalen Standards sein müsse, verstehe sich von selbst, fügt Salathé an.

BAG ist zurückhaltend

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gibt sich indes bedeckt. Gegenüber der Agentur Keystone-SDA wollte es sich nicht konkret zum EU-Impfpass äussern. Man beobachte die Diskussion und prüfe die damit verbundenen Fragen sorgfältig, hiess es beim Amt auf Anfrage.

Es würden «intensive Abklärungen» laufen, «welche technischen Lösungsansätze für einen anerkannten und fälschungssicheren Impfnachweis Erfolg versprechen».

Mit Material der sda

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113 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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deepsprings
24.03.2021 06:34registriert Februar 2015
"Man beobachte die Diskussion und prüfe die damit verbundenen Fragen sorgfältig,"

Ja, darin ist unsere Regierung weltmeisterlich. Aber mal aus Eigeninitative was anreissen und einen konsequenten Weg einschlagen:. Fehlanzeige.
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techiesg
24.03.2021 06:42registriert März 2018
Als ITler muss ich sagen: Es ist heinomol nicht ein Ding der Unmöglichkeit eine sichere Plattform zu programmieren. Aber die Damen und Herren der Bundesverwaltung sind halt einfach immer noch..... im Tiefschlaf.
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Mentos
24.03.2021 06:21registriert Mai 2020
Wieso soll der Bund einen elektronischen Impf-Ausweis entwickeln? Einen Impf-Ausweis werden wir künftig benötigen, wenn wir wieder international reisen dürfen. Also müssen doch entsprechende Bedingungen erfüllt sein, wieso sich beim Impf-Ausweis nicht der EU anschliessen? IT ist nun wirklich nicht die Stärke des Bundes.
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