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Velofahren Veloboom Schweiz 2021

«Ja, mir san mit'n Radl da» – was die Wachauer Buam schon 1971 wussten, gilt 2021 auch für die Schweiz. Bild: Shutterstock

Gehen der Schweiz die Velos aus? «Natürlich nicht» (aber das musst du beachten)

Die Coronapandemie treibt die Schweizer an die frische Luft – gerne auf dem Velo. Der Boom bringt aber einige Hürden mit sich. Das musst du jetzt beachten, damit du dieses Jahr mit deinem neuen Velo losradeln kannst.



Velofahren ist wieder total in. Zum Boom tragen die E-Bikes bei, aber auch die Coronapandemie. So teilte Velosuisse, der Verband der Schweizer Fahrradlieferanten, Anfang März mit, dass 2020 über 500'000 neue Velos verkauft wurden. Das sind rund 140'000 mehr als noch 2019. Bei den E-Bikes wurde mit 171'000 Verkäufen das Jahr 2019 pulverisiert (+28,5%) und ein neuer Höchststand erreicht.

Velosuisse schreibt: «Der reissende Absatz an Neufahrzeugen – Velos und E-Bikes – nach dem Corona-Lockdown vor einem Jahr führte dazu, dass die Lager bei Händlern und Zulieferern restlos leergekauft wurden.» Dabei wurden auch Vor- und Vorvorjahresmodelle an neue Besitzerinnen und Besitzer gebracht und der Internethandel gewann an Bedeutung.

2021 ist die Pandemie noch immer da. Der Veloboom hält an. Egal welche Modelle: Kindervelos, E-Bikes, Mountainbikes – alle. Und jetzt, wo auch der Letzte gemerkt hat, dass der Frühling kommt, wollen sich die Leute ausrüsten für die Velosaison. Reto Waeffler, CEO Swiss E-Mobility Group (Schweiz) AG, zu der auch die rund 30 m-way-E-Bikeshops gehören, berichtet auf Anfrage: «Wir rechnen 2021 mit einem Wachstum von rund 25 Prozent.» Im März habe man den anhaltenden Boom gespürt.

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«Wenn du ein Velo siehst, das dir gefällt: kaufen»

Da und dort wurde schon erwartet, dass Neuvelos in der Schweiz 2021 zur Mangelware werden könnten. Einige Lieferanten haben schon über Verzögerungen informiert. Kürzlich fragte SRF bei einigen Velohändlern und -Produzenten nach. Der Tenor ist überall gleich: Es wird produziert wie wild, aber es kann knapp werden. Das bestätigt auch Waeffler: «Es handelt sich aber in den meisten Fällen um Verschiebungen von einzelnen Modellen. Die Gesamtmenge der bestellten Fahrzeuge ist im Moment nicht in Gefahr.»

Auch Yannick Martens mit seinem Velogeschäft Martens Sport in Stäfa bestätigt den Boom: «Ich erhalte momentan täglich zehn Mails und drei Telefonanrufe von Leuten, die ein bestimmtes Velo suchen.» Sein Lager füllt sich nur langsam oder tröpfchenweise. «Das ist aussergewöhnlich für diese Jahreszeit», sagt Martens. «Die Vorbestellungen aus dem letzten Sommer sollten aber geliefert werden, nur ist nicht ganz klar, wann.» Dabei seien alle Marken betroffen. Sein Tipp ist darum klar: «Wenn du ein Velo siehst, das dir gefällt: kaufen.»

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Vorlaufzeit teilweise verdreifacht

Diese Devise vertreten auch Waeffler («Auf jeden Fall sollten die Kunden nicht zu lange warten») und Velosuisse-Geschäftsführer Martin Platter: «Wer im Laden ein passendes Velo sieht: zuschlagen. Es gibt keine Sicherheit, wann die nächste Lieferung kommt.» Tatsächlich hat die Liefersicherheit in den letzten Monaten arg gelitten. Vor Corona war der Seeweg von Asien (woher der Grossteil der Veloteile kommt) nach Europa zu 96 bis 98 Prozent zuverlässig, «jetzt sind wir bei rund der Hälfte.»

Durch die Probleme mit den Lieferketten seien teilweise auch Ersatzteile selten geworden. «Vordergabeln sind aktuell sehr gefragt», berichtet Platter. Hat ein Teil normalerweise eine Vorlaufzeit von sechs Monaten, werden diese aktuell immer länger. «Auf Federgabeln von Suntour beispielsweise wartet man momentan 18 Monate», erzählt Platter.

Auch der Occasionmarkt brummt

Viele hätten 2020 auch alte Velos wieder aus dem Keller geholt und bei Mountainbikes leiden die Gabeln schnell, wenn das Velo nicht genutzt wird. Darum hat Platter noch einen Tipp für alle, die zwar ein Velo herumstehen haben, aber vom Boom nicht gepackt wurden: «Der Occasionmarkt brummt. Wer ein Velo verkaufen will: Jetzt ist der Moment.»

Auch Martens merkt, wie viele wieder alte Fahrräder ausgraben. «Wir haben wenigstens noch die Service-Arbeiten, da geht es anderen Branchen momentan deutlich schlechter.»

Angespannte Lage wohl bis 2023

Martens glaubt, dass die knappen Verfügbarkeiten nicht nur 2021 bleiben werden, sondern auch 2022 und 2023. Denn die Produktion von Velos sei normalerweise rund zwei Jahre voraus. Darum dürfte es dieses Jahr mit Nachbestellungen schwierig werden. «Vermutlich müssen wir mit dem durchkommen, was wir 2020 vorbestellt haben», schildert Martens die Situation.

In «normalen Jahren» könne man während dem Jahr ziemlich problemlos noch Nachbestellungen tätigen. Auch Reto Waeffler blickt nicht nur optimistisch in die nahe Zukunft: «Wir gehen davon aus, dass im Verlauf des Jahres in der ganzen Industrie die Nachfrage das Angebot übersteigen wird.»

Tatsächlich können nicht einfach auf Knopfdruck 100'000 Velos produziert werden. Das dauert alles länger. «Da die Nachfrage für 2021 riesig ist, wurde die Produktion bis im Mai verlängert, obwohl sie normalerweise jetzt spätestens beendet wäre», bestätigt Platter. Er spricht von einer «verzögernden oder verknappenden Situation» und sagt: «Das wird uns noch bis 2023 beschäftigen.» Denn eine weltweit so grosse Nachfrage nach Velos habe man noch nie erlebt. Früher waren vielleicht mal einzelne Länder betroffen, aber jetzt ist die Lage grossflächig angespannt und scheint anhaltend zu sein.

Flexibilität der Kunden das Zauberwort

Schwarzmalen will man beim Verband darum nicht. Kürzlich habe Platter von einem Schweizer Generalimporteur gehört, dass dessen Lager «so voll wie nie sind».

Meldungen wie «Der Schweiz gehen die Velos aus» sorgen bei ihm darum eher für ein Schmunzeln. «Natürlich ist das nicht so. Wer flexibel ist, hat Möglichkeiten. Aber wer stur ein Modell möchte, der könnte Probleme bekommen», fasst Platter zusammen. Das sei halt auch ein bisschen der Zeitgeist: «Wir haben uns so sehr daran gewöhnt, dass alles sofort erhältlich ist. Aktuell ist dem – auch bei Velos – nicht mehr so.»

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