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Corona-Protestler sind gebildet, älter und aus der Mittelschicht

Corona-Protestler sind gebildet, älter und aus der Mittelschicht

18.12.2020, 13:5718.12.2020, 14:20

Im Schnitt sind sie 47, ein Drittel von ihnen hat Matura und/oder Studienabschluss, die meisten stammen aus der Mittelschicht und auffällig viele sind selbständig: Das sind gemäss einem Basler Forschungsprojekt die typischen Eckdaten von Corona-Protestlern.

Eine Minderheit von Bürger und Bürgerinnen zweifelt an der Angemessenheit der Freiheitsbeschränkungen zur Eindämmung der Pandemie. Vor allem das Tragen von Masken und die Einhaltung von Sicherheitsabständen werden infrage gestellt. Die Protestbewegung gegen die Coronamassnahmen in Deutschland und der Schweiz ist in sich heterogen: nicht genuin rechts, aber nach rechts offen und vom politischen System stark entfremdet.

Die Angehörigen der Bewegung haben eine Tendenz zu Antisemitismus und Verschwörungstheorien. Auf der anderen Seite sind sie nicht besonders fremden- oder islamfeindlich. Mehr als die Hälfte schwört auf antiautoritäre Erziehung, viele sind der Anthroposophie zugeneigt. Alternativmedizin, spirituelles Denken und Naturnähe sind weitere Schwerpunkte in ihrem Denken. Die Bewegung ist emotional und heroisiert sich selbst, was gemäss Studienleiter Prof. Dr. Oliver Nachtwey «grosse immanente Radikalisierungspotenziale» birgt.

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Corona-Protestler im September an einer Demonstration.Bild: www.imago-images.de

Misstrauen gegen Politik, Vertrauen in Wirtschaft

Das Durchschnittsalter beträgt 47 Jahre, 31 Prozent haben Abitur und 34 Prozent einen Studienabschluss. Letzteres ist höher als der schweizerische Durchschnitt von 29.6 Prozent und fast doppelt so hoch wie in Deutschland, wo 18.5 Prozent über einen Hochschulabschluss verfügen. Überraschend ist der hohe Anteil Selbständiger: Mit 25 Prozent ist er deutlich höher als in der Gesamtbevölkerung.

Ihnen allen eigen ist ein starkes Misstrauen gegen die Regierung, die EU, die Uno, die Parteien, das Parlament und die Medien. Hohes Vertrauen geniessen bei ihnen dagegen Justiz, Polizei, Umweltgruppen, Bürgerinitiativen und Unternehmen.

Dies sind vorläufige Ergebnisse des empirischen soziologischen Forschungsprojekts «Politische Soziologie der Corona-Proteste» an der Universität Basel, das sich auf die Auswertung von über 1150 Fragebögen stützt. (saw/sda)

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