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Un restaurant avec ces parasols et ces chaises rangees a l'interieur le resteront encore pour un moment suite a l'annonce du conseil federal, lors d'une conference de presse sur les mesures afin de lutter contre la propagation du Covid-19 qui a decide de ne pas reouvrir les restaurants, ce mercredi 17 fevrier 2021 a Geneve. (KEYSTONE/Martial Trezzini)

Die Restaurants müssen nach wie vor geschlossen bleiben. Bild: keystone

«Die Lockerungen kommen zu früh» – das sagt der Infektiologe zu den Plänen des Bundesrates

Der Bundesrat hat gestern erste Szenarien zur Lockerung der Massnahmen vorgestellt. Gemeinsam mit Infektiologe Jan Fehr bewerten wir diese und weitere Forderungen nach ihrem epidemiologischen Risiko.



Der Bundesrat hat an der gestrigen Pressekonferenz erste Lockerungen ab dem 1. März bekanntgegeben. Diese positiven Aussichten seien bitter nötig gewesen, sagt Jan Fehr, Infektiologe an der Universität Zürich. «Wir laufen Gefahr, dass wir die Leute verlieren.» Die Menschen hätten genug von all den Massnahmen. Deswegen: «Lockerungen ja, aber etwaige Öffnungsschritte müssen sehr sorgfältig und nach einem gut durchdachten Plan vorbereitet werden.» Betrachte man die aktuelle epidemiologische Lage, hiesse dies jedoch, dass man sich noch etwas gedulden müsse. Man dürfe die Fehler des Sommers nicht wiederholen, wo man relativ blind und unkoordiniert wieder geöffnet habe.

«Wir laufen Gefahr, dass wir die Leute verlieren.»

Jan Fehr

Denn: Die Situation ist fragil. «Die Zahlen sind noch nicht dort, wo wir sie gerne haben möchten», sagt Fehr. Und bevor man überhaupt anfange, die ersten Massnahmen zu lockern, müsse das Contact Tracing einwandfrei funktionieren, «es muss auch rigoros getestet und nach Mutanten gesucht werden». Isolation und Quarantäne müssen funktionieren ohne wesentliche Verzögerungen, um die Infektionsketten effizient zu unterbrechen. Momentan sei dies jedoch noch nicht der Fall: «Erst wenn ich keine Personen im Testcenter mehr antreffe, die mir erzählen, dass sie nie oder viel zu spät von einem Tracer kontaktiert wurden, erst dann sollten wir beginnen, zu lockern».

Mit den gestern vorgestellten Lockerungsszenarien zeigt sich Fehr eigentlich zufrieden, doch es sei noch zu früh dafür. «Es ist wichtig, dass die Leute Perspektiven haben, aber ich würde frühestens Mitte März mit den Lockerungen beginnen», sagt der Infektiologe.

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Noch ist nichts in Stein gemeisselt. Die Vorschläge des Bundesrates werden jetzt erst einmal in die Vernehmlassung zu den Kantonen geschickt. Doch welches epidemiologische Risiko bergen diese Lockerungsschritte eigentlich? Und wie hoch wäre das Risiko bei weitergehenden Forderungen, wie sie in den letzten Tagen von bürgerlichen Parteien und Wirtschaftsverbänden zu hören waren?

Öffnung der Läden

Eine der meistgehörten Forderungen betraf die Wiedereröffnung von Läden des nicht-täglichen Bedarfs. Unter strengen Schutzvorkehrungen natürlich.

Strenge Schutzkonzepte schweben auch Jan Fehr vor. «Ladenöffnungen sollten nach folgendem Grundsatz funktionieren: Konzentration in Innenräumen vermeiden. Wir wollen einen Verdünnungseffekt erzielen.» Die Personenanzahl in den Innenräumen müsse deswegen weiter reduziert werden, Szenen wie im Vorweihnachtsgeschäft dürften nicht mehr vorkommen.

Der Bundesrat scheint das gleich zu sehen. Die Anzahl der Kundinnen und Kunden soll beschränkt werden. Wie genau diese Beschränkung aussieht, liess er zunächst noch offen.

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Öffnung von Restaurant-Terrassen

Eine zweite Forderung, welche die Wirtschaftsverbände ins Spiel brachten, ist die Öffnung der Aussenbereiche von Restaurants. «Epidemiologisch ist diese Forderung gut nachvollziehbar», sagt Fehr. Inwiefern dies jedoch praktikabel sei, bleibe fraglich. «Ich kann mir vorstellen, dass viele Beizer keine Freude hätten an einer solchen Regelung. Vor allem jene, welche in Innenstädten ein paar wenige Sitze im Aussenbereich zur Verfügung haben.»

Der Bundesrat verzichtete gestern auf eine Terrassenöffnung, stellte jedoch in Aussicht, diese in einer zweiten Lockerungswelle in Angriff zu nehmen.

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Komplette Öffnung der Restaurants

Für die komplette Wiedereröffnung der Restaurants sei es definitiv noch zu früh, meint Fehr. Rufe nach einer Aufhebung der Gastroschliessungen kommen vor allem von der SVP, welche die komplette Wirtschaft ab dem 1. März wieder öffnen möchte. Am Montag wurde dazu die «Lockdown stop!»-Petition mit über 300'000 Unterschriften eingereicht, welche eigentlich vom Jungliberalen Leeroy Bächtold gestartet, mittlerweile jedoch von der SVP «gekapert» wurde.

Gebracht hat es nicht viel: Der Bundesrat verzichtet vorerst auf eine Öffnung des Gastrobetriebes.

Über Restaurantöffnungen könne man in einer zweiten Lockerungswelle diskutieren, meint Jan Fehr. Jedoch nur, wenn sich erste Lockerungen als erfolgreich herausstellen. «Gelingt uns das erste Lockerungsexperiment, so sind Restaurantöffnungen denkbar». Allerdings müsse auch hier eine weitaus rigorosere Kapazitätsbeschränkung eingeführt werden, als dies noch vor einigen Monaten der Fall war. «Es waren viel zu viele Leute in den Restaurants», sagt Fehr.

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Aufhebung der 5-Personen-Regel in Innenräumen

Die Aufhebung der Regel für Innenräume berge momentan ein noch zu grosses Risiko, findet Fehr. «Bei privaten Treffen ohne Maske kann sich das Virus ungehindert ausbreiten». Auch diese Lockerung müsste deswegen in einem zweiten Schritt ins Auge gefasst werden. Der Bundesrat stimmt dem zu: Vorerst soll es erst draussen wieder möglich sein, sich mit mehr als fünf Personen zu treffen.

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Aufhebung der 5-Personen-Regel im Freien

«Im Freien sollen private Veranstaltungen mit maximal 15 Personen wieder möglich sein», hiess es an der gestrigen Pressekonferenz. Eine gute Lösung, findet der Infektiologe: «Draussen ist das Ansteckungsrisiko viel kleiner. Jedoch sollten Masken getragen werden. Für kleine Veranstaltungen sollte man zudem einen negativen Schnelltest vorweisen.»

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Ende der Home-Office-Pflicht

Auch die Home-Office-Pflicht soll abgeschafft werden, forderten bürgerliche Parteien. Sie soll wieder zu einer Empfehlung werden. Allerdings steht den Firmen bereits heute ein grosser Ermessensspielraum zu, wann genau Home-Office zumutbar ist.

«An der Home-Office-Pflicht würde ich momentan nicht rütteln», findet auch Fehr. Die damit einhergehende Erhöhung der Mobilität sei einfach zu gross. Auch der Bundesrat teilt diese Meinung, vorerst wird sich nichts an der Home-Office-Pflicht ändern.

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Öffnung der Museen, Zoos sowie Sport- und Freizeitanlagen

Neben dem allgemeinem Öffnungswunsch der SVP wünschte sich auch die SP, dass zum Beispiel kleine Kulturveranstaltungen wieder möglich werden. Bei Museen und Zoos könne man sich dies tatsächlich überlegen, findet Infektiologe Fehr. «In Museen und Zoos können Abstände eingehalten und Masken durchgehend getragen werden.» Somit sei das Infektionsrisiko gering. Das Gleiche würde für Kinos gelten.

Der Bundesrat hat die Kinos zwar nicht berücksichtigt, dafür kleine kulturelle Veranstaltungen mit bis zu 15 Leuten unter freiem Himmel. Auch Freiluftsport soll ab dem 1. März wieder möglich sein.

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Fazit

Ein tiefes epidemiologisches Risiko wollte Jan Fehr keinem der Vorschläge einräumen. Mehr noch: Treten diese Lockerungen nun per 1. März in Kraft, so würde er alle Lockerungen mit einem hohen Risiko bewerten. Die Unsicherheit wegen der Mutationen sei einfach noch zu gross, die Fallzahlen zu hoch und weitere Eindämmungsmassnahmen, wie zum Beispiel das Contact Tracing, funktionieren noch nicht einwandfrei. Trotzdem begrüsst er die Planung der ersten, vorsichtigen Lockerungsschritte des Bundesrates: «Die Schweiz hatte eine der höchsten Todesraten weltweit im Herbst, das hätte wirklich nicht sein müssen. Vor allem in einem Land mit einem der besten Gesundheitssysteme weltweit. Aber die Leute brauchen eine Perspektive, sie müssen sich wieder freier fühlen können, sie müssen wieder rausgehen können.»

«Stellen sie sich vor, man würde einem Patienten, der 10 Medikamente nimmt, fünf davon austauschen. Geht es ihm danach besser oder schlechter, weiss man nicht, wieso.»

Jan Fehr

Wichtig sei jedoch, dass man bei den Lockerungen nicht an zu vielen Schrauben gleichzeitig drehe: «Stellen sie sich vor, man würde einem Patienten, der 10 Medikamente nimmt, fünf davon austauschen. Geht es ihm danach besser oder schlechter, weiss man nicht, wieso.»

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