Schweiz
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Schweiz ist weit entfernt von Herdenimmunität



Die Schweiz wird diesen Sommer keine Herdenimmunität gegen das Coronavirus erreichen. Das glaubt der Freiburger Epidemiologe Arnaud Chiolero. Das Virus sei in der Bevölkerung aufgrund der Hygienemassnahmen nur wenig verbreitet.

Nur rund 10 Prozent der Genfer Bevölkerung war bisher Covid-19 ausgesetzt, wie eine am Freitag veröffentlichten Ergebnisse der ersten Phase der Corona-Immunitas-Studie ergab. «Diese Rate ist niedrig», aber sie steht «im Einklang mit anderen Studien, die auf der ganzen Welt durchgeführt wurden», sagte Chiolero in einem Interview mit der Zeitung «La Liberté» vom Samstag.

epa08409491 A worker wearing a protective face mask cleans make-up products in the Swiss department store Manor during the preparation for the reopening by respecting the sanitary rules during the state of emergency of the coronavirus disease (COVID-19) outbreak, in Lausanne, Switzerland, 08 May 2020. In Switzerland from 11 May, loosening measures slowing down the ongoing pandemic of the COVID-19 disease, which is caused by the SARS-CoV-2 coronavirus, become effective by step. Classroom teaching at primary and lower secondary schools will again be permitted. Shops, markets, museums, libraries and restaurants will be able to reopen under strict compliance with precautionary measures.  EPA/LAURENT GILLIERON

Nur rund 10 Prozent der Genfer Bevölkerung war bisher Covid-19 ausgesetzt, wie eine am Freitag veröffentlichte Corona-Immunitas-Studie ergab. Bild: EPA

Der Forscher wird die Freiburger Sektion der Studie Corona Immunitas leiten, die von der Schweizerischen Hochschule für Gesundheit (SSPH+) lanciert wurde. «Es ist sicherlich ein Zeichen dafür, dass die Massnahmen des 'Social Distancing' gewirkt haben», sagte er weiter. Man gehe aber davon aus, dass die Rate nicht genüge, um ein Wiederaufflammen der Epidemie zu verhindern.

So wird laut Chiolero im Sommer wahrscheinlich eine Herdenimmunität nicht erreicht. Dafür müssten 50 bis 60 Prozent der Bevölkerung dem Virus bereits ausgesetzt gewesen sein und Antikörper gegen eine Infektion entwickelt haben.

Der Professor für öffentliche Gesundheit an der Universität Freiburg ruft zur Vorsicht auf, was die Vorhersagen betrifft. Alle Anzeichen deuteten jedoch darauf hin, dass «das Virus wieder ausbrechen kann, wie wir in einigen Ländern sehen können, die die Einschränkungen bereits gelockert haben».

Tests bei 25'000 Personen vorgesehen

Nach der ersten Phase der Corona-Immunitas-Studie, die im April in Genf gestartet war, soll Ende Mai eine zweite Phase beginnen, gefolgt von einer dritten Phase im Oktober. Ziel ist es, das Vorhandensein von Immunglobulinen (Ig) im Blut von Hunderten von Personen (insgesamt 25'000 in der Schweiz) zu messen, insbesondere IgG, «diese Antikörper, die die Marker einer alten Infektion sind», so Chiolero.

Offen bleibe die Frage, ob die Tatsache, mit Covid-19 kontaminiert gewesen zu sein, einen Menschen dauerhaft immun gegen das Virus mache. Es sei wahrscheinlich, dass das Immunsystem, nachdem es dem Virus ausgesetzt war, einen gewissen Schutz biete. Aber Grad und Dauer dieses Schutzes seien ungewiss, sagte Chiolero weiter.

Studien zu diesem Thema sind im Gange, insbesondere an der Universität Lausanne, die auch an der Corona-Immunitas-Studie beteiligt ist.

Am Freitag war bekannt worden, dass sich im Kanton Genf zehnmal mehr Menschen mit dem Coronavirus infiziert haben könnten, als die Zahl der bestätigten Fälle vermuten lässt. Wie eine noch unpublizierte Studie der Universitätskliniken Genf zeigt, erkrankten bis Ende April zehn Prozent der Bevölkerung an der Lungenkrankheit Covid-19. (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Froggr 10.05.2020 09:54
    Highlight Highlight Natürlich wenn wir jeden Tag nur 100 oder weniger anstecken lassen.
  • Der Kritiker Bernd 10.05.2020 07:53
    Highlight Highlight Negative Nachricht = keine herdenimminität
    Positive Nachricht = Letalität des Virus ca. 0.5 %
    Alles eine Frage der Perspektive und Einstellung..
  • Stinkstiefel 09.05.2020 19:00
    Highlight Highlight An alle die, die eine Immunität nach Covid-19 anzweifeln: Euch ist schon bewusst, dass die Impfung auf genau diesem Wirkprinzip beruht?

    Wer die Immunreaktion des menschlichen Körpers bei Covid-19 anzweifelt, aber gleichzeitig den Lockdown verlängern will bis eine Impfung gefunden wird, baut einen spektakulären Denkunfall.
    • posti 09.05.2020 19:35
      Highlight Highlight Es kann sein, dass eine Infektion nicht ausreicht um Immun zu sein. Es kann sein, dass die Immunität nur sehr kurz ist. Bei beiden Problemen helfen Impfungen nicht aber die Krankheit. Beim zweiten Fall müsste man halt sau häufig impfen.
  • Ueli der Knecht 09.05.2020 17:55
    Highlight Highlight Der Begriff "Herdenimmunität" würde besser auf Schafe, Ziegen oder Kühe passen. Vermutlich sind unsere Epidemiologien Veterinärmediziner, dass sie ein solch fragwürdiges Menschenbild pflegen.
    • Benjmi 09.05.2020 19:03
      Highlight Highlight Ist im Grundsatz einfsch eine schlechte Übersetzung. Der englische Begriff “herd” in “herd immunity” heisst Übersetzt Herde, kann aber im Englischen auch für eine Gruppe Menschen mit einer gemeinsamen Charakteristik benutzt werden, also eine Herde immuner Menschen.
    • Ueli der Knecht 09.05.2020 21:21
      Highlight Highlight "Schwarmintelligenz" gefällt mir besser als "Herdenimmunität". Lieber bin ich ein schräger Vogel oder eine Schnapsdrossel als ein Schafskopf, Hornochse oder Meckerziege.

      Vielleicht könnte man es auch Basisimmunität nennen, oder Volksimmunität oder Allgemeinimmunität.

      Auch den mit Herdenimmunität verbundene Begriff "Durchseuchung" finde ich nicht so nett. Auch da würde ich alternative, freundlichere Begriffe bevorzugen.
  • Locutus70 09.05.2020 17:04
    Highlight Highlight Die Frage ist nicht, ob sondern wie hoch die Zahl der Neuansteckungen sein wird.
    Es ist ja überhaupt nicht klar welche Maßnahmen des Lockdowns sinnvoll, weniger sinnvoll oder gar nicht sinnvoll gewesen sind. Das selbe Spiel natürlich durch die Lockerungen - im Prinzip ein Blindflug.
    Desweiteren ist die Situation in Alten- und Pflegeheimen unklar, auch da gibt es kein nachhaltiges Konzept das das Massensterben in diesen Einrichtungen aufhalten kann.
  • Gawayn 09.05.2020 16:33
    Highlight Highlight Zuerst einmal, ist gar nicht klar, ob man nach der Ansteckung immun ist.

    Zum Zweiten, sogar ich weiß, das bei weitem nicht jeder der sich angesteckt hat, wirklich Krankheitssymptome entwickelt.

    Die Person könnte starke Müdigkeit verspürt, etwas häufiger gehustet haben.
    Mehr nicht. Dennoch aber ein Ansteckungsherd sein und nach Beendigung der Krankheit, bereits Antikörper haben, ohne davon zu wißen.

    Keine Ahnung wie man solche Leute erfaßen will.

    Mir sind diese Statistiken alle zu schwammig.
    Ich halte mich am Credo:
    "Aufs Schlimmste vorbereiten, aufs Beste hoffen"
    • genauleser 10.05.2020 21:49
      Highlight Highlight Ja eben, zur Erfassung der "stillen" Fälle dient die im Artikel beschriebene Studie.
  • Emil22 09.05.2020 15:44
    Highlight Highlight Ich lese immer "Immunität". Ich dachte, es sei noch gar nicht sicher, dass man nach einer Erkrankung auch wirklich immun ist gegen neue Ansteckungen?
  • Maya Eldorado 09.05.2020 15:21
    Highlight Highlight Das wäre neu, dass eine Virenerkrankung nicht zur Immunität führt, allerdings meist zu einer zeitlich begrenzten.

    Beweise - Gegenbeweise - Behauptungen - Wissen mit Scheuklappen.
    Was läuft da wirklich?
    Also etwas was wirklich läuft: Die Wirtschaft ist daran in den Abgrund gefahren zu werden.

    Ich halte mich an die Vorgaben, weil ich davon nichts verstehe. Ich hoffe aber inbrünstig, dass wir nicht von irgendwelchen Mächten an der Nase herumgeführt werden.
    • Meierli 09.05.2020 16:53
      Highlight Highlight Wäre nicht wirklich neu. Das Dengue Fieber kann man ebenfalls mehr als einmal bekommen und ist auch eine Virenerkrankung.
    • Maya Eldorado 09.05.2020 17:55
      Highlight Highlight Hab mich bei Wikipedia schlau gemacht. Dort steht Folgendes.
      Es gibt 4 verschiedene Virenstämme. Hat man es von einem der 4 Stämme bekommen, bleibt man kurze Zeit gegen alle Stämme immun. Allerdings von dem Stamm wo man die Krankheit bekommen hat, bleibt man lebenslänglich immun.
    • Imfall! 09.05.2020 18:46
      Highlight Highlight Also ich würde mich nicht blind auf die Aussagen von Wikipedia verlassen... jeder kann dort einen Eintag schreiben wie er will.

      Zum Thema Virus:

      Das normale Grippevirus ist immer der selbe Stamm, einfach mutiert. Ich kenne niemanden, der dagegen immun ist.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Mutzli 09.05.2020 14:45
    Highlight Highlight Ergänzend passt da gut der Artikel der Johns Hopkins University dazu:

    Early Herd Immunity against COVID-19: A Dangerous Misconception

    "Even in hotspots like New York City that have been hit hardest by the pandemic [.] perhaps 15-21%6,7 of people have been exposed so far. In getting to that level of exposure, more than 17,500 of the 8.4 million people in New York City [.] have died, with the overall death rate in the city suggesting deaths may be undercounted and mortality may be even higher [.] COVID-19 is now the leading cause of death in the United States [.]"

    https://bit.ly/2SLAjW8
    • Maya Eldorado 09.05.2020 15:15
      Highlight Highlight Kannst Du das vielleicht auf deutsch übersetzen. Meine Englischkenntnisse sind gleich null.
    • Mutzli 09.05.2020 15:35
      Highlight Highlight @Maya Eldorado

      Mehr oder weniger verkürzt und hoffentlich passabel:
      Sogar in besonders hart getroffenen Gebieten wie New York City, wurden bisher wohl nur 15-21% mit SARS-CoV-2 infiziert. Um dieses Niveau zu erreichen, sind mehr als 17500 der 8.4 mio. Leute in NYC gestorben (kleiner Einschub: Sind in Prozent 0.21% der Gesamtbevölkerung). Die Übersterblichkeit legt nahe, dass dies sogar die Opfer unterschätzt und die effektive Sterberate und Todeszahlen sogar höher sein könnten, [...]
      Covid-19 ist nun die häufigste Todesursache in den USA"
    • mrmikech 09.05.2020 18:05
      Highlight Highlight @maya: translate.google.com
    Weitere Antworten anzeigen
  • Locutus70 09.05.2020 14:17
    Highlight Highlight Während wir uns hier von Lockdown zu Lockerungen und wieder Retour hangeln, haben die Schweden schon eine Durchseuchung von 25-30 % erreicht.

    • sheimers 09.05.2020 14:46
      Highlight Highlight Wenn es denn so wäre hätte Schweden die Hälfte von dem was man braucht um die zweite Welle zu verhindern, dabei pro Kopf aber mehr als drei mal so viele Todesopfer wie Deutschland. Das heisst, selbst wenn die zweite Welle in Schweden ausbleibt (was unwahrscheinlich ist) hat es pro Kopf mehr Opfer als Deutschland wohl in beiden Wellen haben wird. Und falls das mit der Herdenimmunität gar nicht funktionieren sollte (Korea meldete schon Mehrfachansteckungen) war's auch noch umsonst.
    • Mario Conconi 09.05.2020 14:51
      Highlight Highlight Auf was für Quellen berufst du dich? Auf die in der die Schwedische Regierung sich so dramatisch verrechnet hat, oder eine richtige? Behauptungen ohne Quellenangaben bleiben einfach nur Behauptungen!


      Du meinst sicher diese Zahlen hier:

      https://www.deutschlandfunk.de/studien-in-stockholm-schwedische-corona-experten-ziehen.1773.de.html?dram:article_id=475154

      Tut mit Leid
    • Kruk 09.05.2020 15:26
      Highlight Highlight Schweden soll ja nach eigenen Angaben und "nach Bauchgefühl" bereits mitte Mai Herdenimmunität haben.

      Das heisst in 6 Tagen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Frankygoes 09.05.2020 14:06
    Highlight Highlight Da es noch keine Studie gibt, die bestätigt, dass eine Ansteckung zur Immunität führt, ist die Diskussion ein wenig müssig, scheint mir..

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