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In Genf wurden vor der Maskenpflicht im ÖV kostenlos Masken verteilt.
In Genf wurden vor der Maskenpflicht im ÖV kostenlos Masken verteilt.Bild: KEYSTONE

Teurer Schutz – die Maskenpflicht geht richtig ins Geld

Für Menschen mit kleinem Budget könnte die vom Bund beschlossene Maskenpflicht in den ÖV zum finanziellen Stressfaktor werden. Caritas verteilt 10'000 Gratismasken. Doch die Bürgerlichen winken ab – und warnen vor Ungleichbehandlung.
02.07.2020, 17:2303.07.2020, 15:35

Wer über zwölf Jahre alt ist und ab kommendem Montag ein öffentliches Verkehrsmittel betritt, muss sich eine Masken aufsetzen. Die nationale Maskenpflicht im ÖV wurde am Mittwoch vom Bundesrat beschlossen.

Werden die herkömmlichen Einwegmasken verwendet, sollten diese nach jeder Fahrt entsorgt werden – das empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Einen Schal oder ein Halstuch als Maske zu benutzen, erfülle die Bestimmung der Maskenpflicht nicht. Von selbstgenähten Masken wird zudem abgeraten.

Wer sich also BAG-gerecht schützen will, greift auf eine medizinische Schutzmaske oder eine geprüfte Textilmaske zurück. Rechnen wir das mal durch: Ein Paar mit zwei Kindern über zwölf Jahren, die mit dem ÖV zur Schule oder in die Lehre fahren, brauchen pro Tag mindestens acht Masken (je eine Maske pro Person und Hin- und Rückweg). Wollen sie auch am Wochenende mit dem Tram oder Bus fahren, sind sie schnell bei einem Verbrauch von über 200 Masken pro Monat und Kosten von mindestens 140 Franken (bei einer Packung für 34.90 Franken von der Migros).

Setzt die Familie auf wiederverwendbare Stoffmasken, kommt es zwar längerfristig günstiger, aber der erste Kauf ist keine billige Investition: Für vier Personen machen mindestens acht Masken Sinn, jeweils eine zum Tragen und eine frisch gewaschene Ersatzmaske. Denn das BAG empfiehlt, die Maske nach einem Tag im Pendlerverkehr zu waschen. Eine den bundesrätlichen Standards entsprechende Stoffmaske kostet je nach Anbieter rund 20 Franken. Die Familie muss also 160 Franken ausgeben.

bild: watson/julia neukomm

Maskenpflicht als Stressfaktor für Armutsbetroffene

Das sieht für Normalverdienende auf den ersten Blick vielleicht nach nicht allzu viel aus. Für Leute mit einem kleinen Budget könne die Maskenpflicht jedoch zum Stressfaktor werden, sagt Caritas-Sprecher Stefan Gribi und warnt: «Das könnte zu gravierenden finanziellen Problemen führen. Wer jeden Franken, den er ausgibt, dreimal umdreht, der muss dann bei anderen Ausgaben, zum Beispiel beim Essen, Abstriche machen.»

Der Bundesrat habe die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr eingeführt, ohne die sozialen Folgen zu bedenken, kritisiert Gribi. Gribi würde es nicht überraschen, wenn finanziell schlecht aufgestellte Personen aus Spargründen die Masken mehrmals verwenden werden. «Wenn man einen Schutz will, dann muss auch gewährleistet werden, dass sich das alle leisten können», sagt er.

«Der Bund muss auch sicherstellen, dass die Leute auch auf dem Arbeitsweg vor der Pandemie geschützt sind.»
Unia-Sprecher Serge Gnos

Auch die Gewerkschaft Unia begrüsst zwar die Tragepflicht, fordert aber den Bund auf, den Pendlern die Masken gratis abzugeben. «Es geht um den Schutz für alle vor einer Pandemie. Auch auf dem Arbeitsweg», sagt Unia-Sprecher Serge Gnos. Denn seit die Home-Office Empfehlung vom Bund aufgehoben wurde, seien die Züge und Busse wieder voll mit Pendlern. «Deshalb muss der Bund auch sicherstellen, dass die Leute geschützt sind.». Gnos hat auch schon einen konkreten Vorschlag, wie das gehen soll: «Der Bund und die Kantone lagern derzeit über 200 Millionen Schutzmasken, die von der Armeeapotheke beschafft wurden. Diese könnten jetzt verteilt werden.»

Forderungen aus der Politik

Dem widerspricht FDP-Nationalrätin Regine Sauter. «Diese Schutzmasken wurden von der Allgemeinheit bezahlt. Nicht alle benutzen den ÖV aber gleich viel. Es ist zumutbar, hier einen eigenen Beitrag zu leisten.» Bei armutsbetroffenen Familien oder Personen sei eine unentgeltliche Abgabe hingegen denkbar. Nicht differenzieren will die Juso Schweiz und fordert auf Twitter gratis Masken für jede und jeden.

Diese Forderung unterstützt auch SP-Nationalrat Fabian Molina. «Das Masken-Lager ist aufgefüllt, es wäre sinnvoll, wenn alle eine Maske tragen und diese gratis zur Verfügung gestellt bekommen.» Spätestens seit der Corona-Krise wisse man, in welchen prekären Umständen gewisse Menschen in diesem Land wohnen. Für diese Leute sei die Gratis-Maske Gold wert. Aber auch für Nicht-Armutsbetroffene sei es praktischer, wenn sie die Masken ganz einfach an den grossen Bahnhöfen beziehen könnten.

Caritas wird nun aktiv und gibt ab nächster Woche in ihren Märkten gratis Hygienemasken ab. Vorerst handle es sich um 10'000 Stück.

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248 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Miicha
02.07.2020 17:42registriert März 2014
Maskenpflicht aber Homeoffice Empfehlung aufheben? Moll macht Sinn 🤦🏻‍♀️
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Senape
02.07.2020 17:52registriert April 2019
Ich habe verschiedenenorts gelesen (als die Masken noch knapp waren), man könne die jeweils eine Viertelstubde bei 60-70 Grad im Backofen sterilisieren und so auch die Einwegmasken mehrfach wiederverwenden.

Ausserdem kann man sie anscheinend auf- und absetzen und dann nochmals verwenden, wenn man sich die Hände vor- und nachher desinfiziert und die Maske nur am Bändel anfasst. (Z.B. In einer mit geführten Plastiktüte aufbewahren).

So als Inputs zur Ressourcen-Schonung.
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Truth Bot
02.07.2020 17:53registriert Februar 2014
Ansonsten gibt es diesen deutschen Sockenhersteller, welcher neu Mehrwegmasken herstellt und auch in die Schweiz liefert. Da kann man beim Maskenkauf auswählen, ob man eine zweite Maske spenden will. Personen, welche es sich nicht leisten können, dürfen dann für sich die gespendeten Masken bestellen. Man darf ja in der Kommentarspalte den Namen nicht sagen, aber wenn ihr jung und Socken sucht, werdet ihr fündig ;)
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