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Abwasserproben: So gross ist die Corona-Welle diesen Sommer wirklich

Neue Abwasserproben zeigen, wie gross die Corona-Welle diesen Sommer wirklich ist

Weil nur noch wenige Infizierte sich testen lassen, sind die herkömmlichen Corona-Daten ungenau. Der Bund sucht nun in hundert Kläranlagen nach dem Virus.
07.07.2022, 10:21
Stefan Trachsel / ch media
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Seit sich immer weniger Menschen auf das Coronavirus testen lassen, sind die offiziellen Fallzahlen weniger genau. Bereits Anfang Jahr hat der Bund deshalb begonnen, systematisch das Abwasser in rund 100 Kläranlagen nach Spuren des Coronavirus zu untersuchen. Denn auch wer sich nicht testen lässt, scheidet das Virus beim Toilettengang aus. Mit einem Verfahren, das einem PCR-Test ähnelt, können Forscher die sogenannte Virenlast im ungeklärten Wasser bestimmen. Seit dieser Woche macht das Bundesamt für Gesundheit die Daten der Öffentlichkeit zugänglich.

Labormitarbeiter A.J. Devaux bereitet Abwasserproben zum Nachweis auf Coronaviren auf, fotografiert in einem Labor der Abteilung Umweltmikrobiologie an der Eawag am Donnerstag, 6. Mai 2021, in Duebend ...
Zuverlässig auch bei nachlassender Testwilligkeit: Untersuchung von Abwasserproben auf das Coronavirus (Dübendorf, 6. Mai 2021).Bild: keystone

Die neuen Daten zeigen: Die Schweiz befindet sich in einer Sommerwelle, die aber derzeit weit vom Niveau der beiden Omikron-Wellen von Anfang Jahr entfernt ist. Die Fallzahlen, die auf herkömmlichen Tests beruhen, zeigten bisher ein ähnliches Bild.

Auf 20 Prozent vom März-Höchststand

Das BAG weist zusätzlich aus, wie hoch die Virenlast im Abwasser ist im Vergleich zum März, als die Omikron-Welle ihren zweiten Höhepunkt erreichte. Beim ersten Höhepunkt, im Januar, war das Monitoring noch nicht angelaufen. Im März wurden in der Schweiz pro Tag im Schnitt rund 28'000 Neuinfektionen gemeldet, wobei die Zahl aufgrund der Dunkelziffer deutlich höher gelegen haben dürfte.

Im Vergleich zum damaligen Höchststand im Abwasser finden die Forscher heute in den allermeisten Kläranlagen deutlich weniger Viren: Von den 99 Anlagen im Monitoring liegen die Werte bei 62 Anlagen bei weniger als 20 Prozent von den März-Werten. Bei weiteren 19 Anlagen liegen die Werte zwischen 20 und 40 Prozent von damals.

Zwei Drittel nehmen nicht stark zu

Nicht so eindeutig ist, ob der Höhepunkt der Sommerwelle bereits erreicht ist. Es gibt aber Hinweise darauf, dass er zumindest nicht weit weg liegt. Die grosse Kläranlage in Zürich (Werdhölzli), welche das Abwasser von fast einer halben Million Menschen verarbeitet, verzeichnete Anfang Woche einen Knick in ihren Zahlen. Mittlerweile ist die Zahl dort zwar wieder leicht gestiegen. Doch in zwei Dritteln aller Kläranlagen gehen die Zahlen im Wochenvergleich zurück, stagnieren oder haben um weniger als 10 Prozentpunkte zugenommen.

Sinkende Virenlast bei den meisten Kläranlagen. Veränderungen Sars-CoV-2-Last, Abwassermonitoring Bund. Vergleich zur Vorwoche in Prozentpunkten. Daten Bundesamt für Statistik

Allerdings gibt es auch Gegenden, in denen die Abwasserzahlen jüngst stark gestiegen sind. Solche Hotspots sind insbesondere in Genf und im Berner Oberland (Grindelwald) zu finden, wo die Werte sogar über dem März-Höhepunkt liegen. Auch im Tessin gibt es deutliche Zunahmen.

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52 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Clint Bois d‘Est
07.07.2022 10:56registriert Februar 2018
Schifft ab sofort alle in die Büsche! Wir werden verfolgt! *Ironie off*
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SJ_California
07.07.2022 11:19registriert März 2016
Die Aargauer haben Sommerferien und sind im Tessin, deshalb der Rückgang im AG 😉
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DarcyTucker
07.07.2022 11:46registriert März 2022
Das sind do auch gute Nachrichten. Von den Spitälern höre ich betreffend Corona nicht viel und doch ging eine Welle durch die Bevölkerung. Klar, für diejenigen die an Long Covid leiden, ist das kein Trost. Aber je mehr daran geforscht wird, werden auch da bessere Behandlungsmethoden und Medikamente gefunden.
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