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Bild: sda

Die Lebenserwartung in der Schweiz ist wegen Corona vorübergehend gesunken

Schweizweit beträgt der Rückgang der Lebenserwartung derzeit drei bis vier Monate. Im Tessin ist sie bei Männern während der ersten Corona-Welle von 82 auf 76 Jahre gesunken. Das tatsächliche Ausmass wird aber davon abhängen, wie die zweite Welle endet.
12.12.2020, 22:0313.12.2020, 14:15

In der ersten Welle der Coronavirus-Pandemie ist die Lebenserwartung der Männer im Tessin laut eines Demografen um sechs Jahre gesunken, von 82 auf 76 Jahre. Am Genfersee nahm sie um drei Jahre ab, wie Philippe Wanner von der Uni Genf im Westschweizer Radio RTS sagte.

Die Lebenserwartung in der Schweiz beträgt für Frauen 86 Jahre und 82 Jahre für Männer. Sie ist eine der höchsten der Welt und steigt seit fast einem Jahrhundert kontinuierlich um rund zwei Monate pro Jahr an.

Die Coronavirus-Pandemie forderte in der Schweiz bislang fast 5500 Todesopfer, und die Lebenserwartung sank dadurch vor allem im Tessin und in der Genfersee-Region, wie Wanner am Samstag in der Sendung «Forum» sagte. Eine Lebenserwartung von nur 76 Jahren für Männer im Tessin gab es letztmals Anfang der 1980er-Jahre.

Keine Übersterblichkeit in der übrigen Schweiz

Schweizweit betrachtet beträgt der Rückgang der Lebenserwartung derzeit drei bis vier Monate, wie Wanner weiter erklärte. Das tatsächliche Ausmass werde aber davon abhängen, wie die zweite Welle ende.

«Die erste Welle hat im Tessin und in der Genfersee-Region viele Tote gefordert, während der Rest der Schweiz verschont geblieben war.» 70 Prozent der Schweizer Bevölkerung habe keine überhöhte Sterblichkeit zu verzeichnen gehabt, sagte Wanner.

Ein ähnlicher Trend sei letztmals im Jahr 1918 zur Zeit der Spanischen Grippe zu beobachten gewesen, sagte Wanner. Diese habe aber zu viel mehr Todesfällen geführt.

«Wenn man dem Bundesrat zuhört, stellt man fest, dass viel über die Zahl der Fälle und die Bedingungen der Spitalaufenthalte gesprochen wird, aber von Todesfällen kaum oder gar nicht die Rede ist», sagte der Wissenschaftler der Uni Genf. Dennoch würden die Verstorbenen eine grosse Zahl von Familien betreffen. (oli/sda)

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