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Mittwoch, 27. Oktober, Lupfig AG: Jean-Pierre Gallati macht sich am Parteitag der SVP Aargau für ein Ja zum Covid-Gesetz stark.
Mittwoch, 27. Oktober, Lupfig AG: Jean-Pierre Gallati macht sich am Parteitag der SVP Aargau für ein Ja zum Covid-Gesetz stark.Bild: Keystone

Wo könnte sich SVP-Gallati angesteckt haben? Wohl am Parteitag vom vergangenen Mittwoch

Nach leichten Schnupfen-Symptomen wurde der Aargauer Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati am Montag positiv auf Covid-19 getestet. Obwohl der Regierungsrat selber sagt, er habe sich wohl nicht dort angesteckt: Vieles deutet darauf hin, dass der SVP-Parteitag mit 100 Teilnehmenden am letzten Mittwoch in Lupfig der Infektionsort war.
02.11.2021, 22:02
Fabian Hägler / ch media

Wenn jemand positiv auf Covid-19 getestet wird, versucht das Contact-Tracing herauszufinden, wo sich die Person angesteckt hat und mit wem sie seither engen Kontakt hatte. Diese engen Kontaktpersonen werden dann in Quarantäne geschickt, sofern sie nicht geimpft oder genesen sind. Damit soll verhindert werden, dass sich das Virus weiterverbreitet - dieses Vorgehen kommt auch bei Jean-Pierre Gallati zur Anwendung, der am Montag positiv getestet wurde.

Gallati sagte am Montagabend gegenüber der AZ, er wisse nicht, wo er sich angesteckt haben könnte. Klar sei aber, dass die Infektion nicht am Parteitag letzten Mittwoch in Lupfig passiert sei, wo er für ein Ja zum Covid-Gesetz warb. Aufgrund der Inkubationszeit von Covid-19, also der Zeitspanne von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit, könne er dies ausschliessen. «Es muss vorher gewesen sein, aber wo genau, weiss ich nicht», sagte Gallati.

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Meist liegen fünf Tage zwischen Ansteckung und Symptomen

Doch trifft diese Einschätzung des Aargauer Gesundheitsdirektors tatsächlich zu? Zur Frage, wie lange es bei Covid-19 zwischen Ansteckung und Erkrankung dauert, heisst es auf der Website des Bundesamtes für Gesundheit (BAG):

«Die Inkubationszeit des neuen Coronavirus, das heisst die Zeitspanne zwischen der Ansteckung und dem Auftreten der ersten Symptome, beträgt meist fünf Tage. Sie kann jedoch bis zu 14 Tage dauern.»

Gallati verspürte am Montag, 1. November, leichte Schnupfen-Symptome und liess sich danach testen - mit dem für ihn überraschenden positiven Resultat. Demnach kann der SVP-Parteitag am Mittwoch, 27. Oktober, im Ochsen, in Lupfig als Ansteckungsort und -zeitpunkt keineswegs ausgeschlossen werden. Ganz im Gegenteil: Der Montag ist der fünfte Tag nach diesem Anlass, damit ist die Wahrscheinlichkeit gemäss den Angaben des Bundesamts für Gesundheit sogar relativ gross, dass sich Gallati am SVP-Parteitag infiziert hat.

Ansteckung auch vor zwei Wochen schon möglich

Der Parteitag mit rund 100 Personen im Saal des Gasthofs Ochsen wurde als Anlass mit Zertifikatspflicht durchgeführt. Dennoch sind Infektionen möglich: Auch geimpfte Personen ohne Symptome können das Virus tragen und weitergeben. Zudem waren am SVP-Parteitag auch Ungeimpfte dabei, die sich vor der Veranstaltung testen liessen, um ein Zertifikat zu erhalten. Auch die Tests bieten keine absolute Sicherheit, dass eine Ansteckung mit Covid-19 erkannt wird.

Gallati (rechts) mit Bundesrat Alain Berset vor dem Grossratsgebäude in Aarau.
Gallati (rechts) mit Bundesrat Alain Berset vor dem Grossratsgebäude in Aarau.Bild: keystone

Jean-Pierre Gallati nahm in den letzten zwei Wochen an mehreren Regierungssitzungen teil und hatte auch öffentliche Auftritte - in die mögliche Zeit einer Ansteckung fällt unter anderem das Podium zur allgemeinen Dienstpflicht am Mittwoch, 20. Oktober. In der Mehrzweckhalle Endingen, wo der Anlass stattfand, war allerdings die Besucherzahl niedriger und die Personendichte geringer als am SVP-Parteitag eine Woche später. Deshalb ist es eher unwahrscheinlich, dass sich Gallati beim Podium in Endingen infiziert hat - zumal der Anlass ebenfalls mit Zertifikatspflicht durchgeführt wurde.

Niedrig war das Infektionsrisiko für den Aargauer Gesundheitsdirektor auch bei einem Auftritt zwei Tage später: Am Freitag, 22. Oktober, besuchte Gallati das Impfzentrum im Shoppi Tivoli Spreitenbach. Dort gilt Maskenpflicht, was die Wahrscheinlichkeit, dass eine Ansteckung auftritt, zusätzlich zum Impfschutz bei Gallati markant reduziert.

Gallati war wohl schon seit Samstag ansteckend für Kontaktpersonen

Jean-Pierre Gallati ist gemäss Mitteilung der Staatskanzlei vom Montag seit dem 28. Juni doppelt gegen Corona geimpft. Dass er sich rund vier Monate nach der Impfung dennoch angesteckt hat, ist gemäss einer neuen Studie des Fachmagazins «The Lancet» nicht ungewöhnlich. Der Infektionsschutz durch die Impfung - also nicht der Schutz vor einem schweren Verlauf - sinkt laut der Studie bereits nach drei Monaten so stark, dass eine Infektion wieder wahrscheinlicher wird.

Gallati bei einem Besum im Seniorenzentrum Wasserflue in Küttigen anlässlich der letzten Impfungen in Aargauer Pflegeheimen.
Gallati bei einem Besum im Seniorenzentrum Wasserflue in Küttigen anlässlich der letzten Impfungen in Aargauer Pflegeheimen.Bild: keystone

Für die engen Kontaktpersonen von Gallati, vor allem für die Ungeimpften unter ihnen, ist aber auch wichtig, seit wann der Gesundheitsdirektor selber ansteckend war, also das Virus weitergeben konnte. Laut dem Bundesamt für Gesundheit beginnt der ansteckende Zeitraum zwei Tage, bevor Covid-Symptome auftreten. Das wäre bei Gallati, der sich am Montag verschnupft fühlte und leichten Schwindel verspürte, demnach seit Samstag der Fall.

Am ansteckendsten sind Infizierte in jenen Tagen, an denen sie Krankheitssymptome haben. Bei milden Verläufen - dies dürfte bei Gallati der Fall sein, denn die Impfung schützt lange vor einer schweren Covid-Erkrankung - geht die Ansteckungsfähigkeit zehn Tage nach Symptombeginn stark zurück. Dies gilt gemäss BAG als Faustregel und würde bei Gallati bedeuten, dass er ab Donnerstag der kommenden Woche nicht mehr ansteckend wäre für andere Personen. (aargauerzeitung.ch)

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