Morettis Anwälte weisen Vorwürfe zurück: «Lügen» und «Entgleisungen»
Die Verteidiger des Paares sprachen am Sonntagabend im Gespräch mit mehreren ausgewählten Medien von «Lügen» und «Entgleisungen» im Zusammenhang mit der laufenden Untersuchung. Sie beklagten eine «Vindetta» gegen ihre Klienten, die nichts mit Justiz zu tun habe.
Als Beispiel nannten sie ein gefälschtes Video, das gezeigt haben soll, wie die Betreiberin, Jessica Moretti, als Erste mit der Kasse aus der Bar geflohen sei. Das Paar sei «am Boden zerstört» und wolle sich der Justiz stellen. Die Walliser Staatsanwaltschaft riefen sie dazu auf, dem Druck zu widerstehen.
Moretti soll sich über Schaufstoff informiert haben
Ihre Anwälte bestritten am Sonntagabend im Gespräch mit mehreren ausgewählten Medien, dass sich ihr Klient nicht über die Feuerfestigkeit des an der Decke angebrachten Schaumstoffs informiert haben soll. Er habe sich beim Kauf sehr wohl vergewissert, sagte Anwalt Patrick Michod.
«Beim Kauf des Schaumstoffs hat er dem Händler erklärt, wofür das Material bestimmt war und zwar für eine öffentliche Einrichtung. Und er hat sich bei den Händlern ausdrücklich erkundigt, ob dieser Schaumstoff Gefahren birgt». Zudem habe die Gemeinde das Lokal nach dem Umbau mehrmals kontrolliert und die Schaumstoffdämmung dabei nicht beanstandet.
«Notausgang war offen»
Auch andere Anschuldigungen seien falsch. So habe der Besitzer nie behauptet, der Notausgang sei verschlossen gewesen. «Der Notausgang ist mit einem sogenannten Panikgriff ausgestattet, den man nicht schliessen oder blockieren kann», sagte Anwalt Nicola Meier. Dieser Ausgang sei also offensichtlich offen gewesen.
Zur Breite der Treppe, die angeblich verschmälert wurde, sagten die Anwälte, dass dies nicht im Ermessen der Betreiber liege. Die Breite werde durch behördliche Normen festgelegt, deren Einhaltung auch von den Behörden kontrolliert werden müsse. Die Betreiber hielten sich an die Anweisungen bezüglich Notausgängen, Treppenbreite und Beschilderung.
Besitzer in Untersuchungshaft
Bei dem Brand in der Bar «Le Constellation» waren 40 Menschen, darunter viele Jugendliche, ums Leben gekommen. 116 weitere wurden zum Teil schwer verletzt.
Der Besitzer der Bar, Jacques Moretti, befindet sich seit dem 9. Januar in Untersuchungshaft. Als Grund wird Fluchtgefahr genannt. Seine Frau Jessica Moretti ist auf freiem Fuss, unterliegt aber Unterlagen, wie einem Ausreiseverbot und einer täglichen Meldepflicht bei der Polizei.
Die Staatsanwaltschaft hat für das Ehepaar Kautionen in der Höhe von je 200'000 Franken gefordert. Der Betrag sei angemessen, weil das Paar derzeit kein Einkommen habe, sein Vermögen gesperrt und die mit Hypotheken belasteten Immobilien von der Justiz gesperrt worden seien. Ein Zwangsmassnahmengericht muss über den Antrag und die genaue Höhe noch entscheiden. (sda)
