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Kampf gegen Telefonbetrug: Bundesrat soll Spoofing stoppen

Millionen nerviger Anrufe: Bundesrat soll «Spoofing» stoppen

National- und Ständerat sind sich einig: Der Bundesrat soll im Kampf gegen Telefonbetrug weitere Massnahmen ergreifen.
24.03.2026, 14:5224.03.2026, 14:58
Benjamin Rosch / ch media
Symbolfoto: Senior fällt auf Telefonbetrug herein, alter Mann, Opa, Großvater, bekommt dubiosen Anruf, Trickbetrüger werden immer dreister. Vom Enkeltrick bis zum falschen Polizeibeamten versuchen sie ...
Kriminelle versuchen, an Geld oder sensible Daten zu gelangen. Die Spoofing-Fälle in der Schweiz mehren sich.Bild: www.imago-images.de

Wer kennt es nicht: Plötzlich klingelt das Handy, aber statt der angezeigten Nummer von der Bank oder einer Privatperson ist am anderen Ende ein Betrüger, der schon ziemlich bald einmal zum Gang an den nächsten Bancomaten auffordert. «Spoofing» nennt sich, wenn Kriminelle mithilfe technischer Hilfsmittel ihre Identität verschleiern, um an Geld oder sensible Daten zu gelangen – etwa durch Tricktelefonate. Nicht selten wird dabei eine Schweizer Nummer vorgegaukelt, während die tatsächlichen Anrufer im Ausland sitzen.

Das Phänomen zählt zu den häufigsten Formen der Internetkriminalität. Das für die Statistik zuständige Amt für Cybersicherheit verzeichnet jede Woche mehr als ein Dutzend gemeldete Fälle, Tendenz steigend. Das ist aber nur die absolute Spitze des Eisbergs: Grosse Mobilfunkanbieterinnen geben an, monatlich mehrere Millionen Anrufe zu blockieren.

Das Thema beschäftigt das Schweizer Parlament. Letzte Woche hat der Ständerat eine Motion des Bündner Mitte-Nationalrats Martin Candinas an den Bundesrat überwiesen. Diese fordert die Regierung auf, weitere Massnahmen zur Bekämpfung von «Spoofing» zu ergreifen. Für einmal war sich die kleine Kammer völlig einig: Die Überweisung geschah ohne Gegenstimme. Davor hatte bereits der Nationalrat dem Anliegen zugestimmt, das Geschäft liegt damit beim Bundesrat.

Vorbild Österreich: Seit Anfang Jahr gelten Zusatzmassnahmen

Auch das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) hat den Handlungsbedarf erkannt. Seit dem 1. Januar gelten für Schweizer Telefonanbieterinnen verschärfte Anforderungen zur Bekämpfung solcher Anrufe. «Sie müssen dafür sorgen, dass Schweizer Nummern, die aus dem Ausland missbräuchlich verwendet werden, systematisch erkannt werden. Diese Anrufe können blockiert werden», schreibt eine Sprecherin auf Anfrage dieser Zeitung.

Gemäss den neuen Vorschriften müssten sogenannte Transitanbieterinnen Anrufe aus dem Ausland mit Schweizer Anrufernummer kennzeichnen. «Die Anbieterin, welche die Verbindung in der Schweiz terminiert, kann so Anrufe mit einer missbräuchlich verwendeten Nummer besser erkennen und diese entweder unterdrücken oder den Anruf gegebenenfalls vollständig blockieren.» Beim Angerufenen erscheint dann keine Nummer auf dem Display. In seltenen Fällen dringt der Betrüger nicht einmal so weit durch.

Getestet wurde diese Idee bereits in Österreich. Medienberichten zufolge ging damit die Zahl der Betrugsattacken drastisch zurück. Auch das Bakom rechnet damit, dass die neuen Massnahmen zu einem deutlichen Rückgang von Anrufen mit gefälschter Nummer führen. Genaue Zahlen gibt es für die Schweiz indes noch nicht. Ausserdem stellt das Bundesamt eine weitere Massnahme in Aussicht: «Sie wird im Rahmen einer öffentlichen Vernehmlassung bekannt gegeben werden.» Der Kampf gegen den Telefonbetrug ist schwierig: «Betrüger ändern ständig ihre Taktiken», schreibt das Bakom.

Unterdessen bleibt Privatpersonen wenig anders, als sich selber zu schützen: Etwa, indem man eine Sperre für ungewünschte Werbeanrufe installiert und im Verdachtsfall sofort aufhängt. Oder indem man im Zweifel gar nicht an den Hörer geht. (aargauerzeitung.ch)

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