Kampf dem Klick-Klack mit langen Fingernägeln
Sie sind praktisch in allen Schweizer Einkaufsstrassen zu finden: Nagelstudios. Maniküren sind gefragt. Und oft kommen die Kundinnen nach der Behandlung mit langen Nägeln in allen möglichen Farben und Mustern aus dem Nail Salon.
Nur: Mit den langen Nägeln – aufgeklebt oder nicht – wird das Tippen auf der Computer-Tastatur herausfordernd. Das gilt zuweilen auch für die Bürogspänli, die plötzlich mit ständigen Klick-Klack-Geräuschen konfrontiert sind, weil das Tippen mit langen Nägeln deutlich lauter ist als mit der Fingerkuppe.
Nun hat sich Hanneke Faber, Chefin des Computerzubehör-Herstellers Logitech mit Sitz in Lausanne VD, dem Thema angenommen. Auf der Online-Plattform Linkedin veröffentlichte sie kürzlich einen Beitrag dazu. Schliesslich ist Logitech einer der weltgrössten Produzenten von Computertastaturen.
«Bei Logitech verbringen wir viel Zeit damit, darüber nachzudenken, wie Menschen tatsächlich arbeiten – und manchmal führt uns das zu überraschenden Themen, zum Beispiel zum Tippen mit langen Nägeln», schreibt die Holländerin, die vor ihrer Logitech-Zeit der Unilever-Marke Knorr vorstand.
«Wenn du es schon einmal ausprobiert hast, weisst du, dass es die Art verändert, wie du tippst», schreibt Faber. Manche Menschen würden ihre Finger flacher auflegen, sodass die Nägel über den Tasten bleiben, während andere mit stärker gekrümmten Fingern tippen und die Tasten mit den Fingerspitzen anschlagen. «Unterschiedliche Stile wirken sich sehr unterschiedlich auf das Tastaturdesign aus.»
Faber findet: «Technologie sollte sich an die Menschen anpassen – einschliesslich ihres persönlichen Stils.» Egal, ob es um Ergonomie, Barrierefreiheit oder die kleinen Details gehe, die den Arbeitsalltag prägen – Logitech fokussiere darauf. Die Managerin verweist ihre Follower auf Blog-Beiträge auf der Unternehmenswebsite, die sich dem Thema widmen.
«Das ist kein Nischenthema»
Délphine Donné, die bei Logitech den Titel «General Manager Personal Workspace Solutions» trägt, ist unter anderem für das verbesserte Design von Tastaturen mitverantwortlich. «Das ist kein Nischenthema, sondern für viele Menschen Alltag», sagt sie gegenüber CH Media. Logitech führe gezielt Studien mit Nutzerinnen und Nutzern mit langen Nägeln durch, um herauszufinden, welche Konfigurationen in der Praxis am besten funktionieren würden. Zudem sammle und analysiere man Bewertungen der Kundschaft, um Verbesserungsmöglichkeiten ausfindig zu machen.
Allerdings: «Es gibt keine universelle Lösung», sagt Donné. Deshalb versuche man Optionen zu entwickeln, die es der Kundschaft ermöglichen, individuelle Lösungen zu wählen.
Tipps der Expertin
Dabei gehe es nicht nur um lange und kurze Nägel. Bei Logitech habe man bereits vor einigen Jahren realisiert, dass die Computer-Mäuse und -Tastaturen überwiegend schwarz und nur in einer Standardgrösse verfügbar waren. «Sie passten nicht einmal zu meinen kleinen Händen und meiner Statur», sagt Donné. Deshalb habe man das Portfolio durchleuchtet, um auf möglichst viele Anatomien und persönliche Stile Rücksicht zu nehmen. Inzwischen sei das Sortiment auf verschiedene Tippverhalten ausgerichtet. Donné liefert zudem Tipps für Personen mit langen Fingernägeln.
- Den eigenen Tippstil erkennen: Tippt man auf den Fingerkuppen oder auf den Nagelspitzen? Davon hängt laut Donné die Wahl der Tastatur ab. Wer mit Fingerkuppen tippt, sollte eine möglichst flache, Laptop-ähnliche Tastatur wählen, da die Finger flacher liegen. Wer hingegen mit den Nagelspitzen tippt, sollte eher eine mechanische Tastatur verwenden, da sie mehr Abstand zwischen den Tasten bietet und unbeabsichtigte Eingaben reduziert.
- Auf die Oberflächenstruktur achten: «Die Beschaffenheit der Tastenkappen ist entscheidend», sagt Donné. «Sind sie zu glatt, rutschen die Nägel in die Zwischenräume. Eine matte Oberfläche oder eine Form, die die Nagelspitze ‹führt›, verbessert das Tipperlebnis.»
- Zubehör ausprobieren: Dünne Silikonfolien oder transparente Klebeabdeckungen können laut Donné direkt auf einzelne Tasten aufgebracht werden. «Sie verringern den Kontakt zwischen Nagel und Taste, schützen die Maniküre und reduzieren Geräusche.»
- Auf dem Smartphone üben: Viele Nutzer tippen laut Donné auf dem Smartphone mit der Seite des Daumens statt mit der Kuppe. «Diese Technik lässt sich teilweise auch auf Tastaturen übertragen.»
- Komfort vor Geschwindigkeit: «Es dauert, bis sich das Muskelgedächtnis anpasst», sagt Donné. «Haben Sie Geduld und konzentrieren Sie sich zunächst auf Präzision, bevor Sie wieder Ihre alte Tippgeschwindigkeit erreichen.»
(aargauerzeitung.ch)

