Schweiz
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People dance and party before taking part in the Cupid's Undie Run in the Manhattan borough of New York February 7, 2015. The run, held to raise funds to combat children's tumors, sees runners in their underwear partying and running along the West Side Highway.    REUTERS/Carlo Allegri   (UNITED STATES - Tags: SPORT SOCIETY)

Party-Nächte und Drogen gehören in der Schweiz für viele zusammen. Bild: CARLO ALLEGRI/REUTERS

Neue Zahlen

Gefährlicher Drogenmix im Schweizer Nachtleben



Anna Kappeler

Ein Artikel von Schweiz am Sonntag

Samstagnacht in einem Zürcher Club. Die Bässe wummern, Julia* und ihre Freunde stehen in einer Ecke, reden und lachen. Gegen 1 Uhr zieht ihr Kollege ein kleines Plastiksäckchen mit Pulver hervor: Es ist MDMA, in Pillenform bekannt als Ecstasy. Julia leckt ihren kleinen Finger ab, steckt ihn ins Pulver und dann in den Mund. 

Eine Stunde später setzt die Wirkung ein, Julia fühlt «viele kleine Glücksschauer durch den Körper strömen». Sie ist euphorisiert, voller Energie und Freude. «Gedanken an Alltagssorgen sind auf einen Schlag weg.» Im Ausgang ab und zu Drogen zu nehmen, sei fast normal in ihrem Umfeld, sogar ein bisschen in, sagt die Grafikerin. 

Mit dieser Haltung ist Julia nicht allein, wie eine neue Studie des Schweizer Instituts für Sucht- und Gesundheitsforschung ISGF, das zur Universität Zürich gehört, zeigt. Erstmals wurden darin Daten zum Drogenkonsum in der Schweizer Partyszene erfasst. Zwischen 2011 und 2013 wurden hierfür direkt an Partys und in ambulanten Beratungen 2384 Interviews durchgeführt und ausgewertet. Dadurch wird der durchschnittliche Konsum während einer typischen Partynacht sichtbar. Und der ist hoch: Ein Raucher konsumiert 19 Zigaretten, ein Kiffer 4 Joints. Wenn jemand Alkohol trinkt, sind es 7 Drinks. Kokser schnupfen 1 Gramm Kokain, Amphetamin-Konsumenten 1 Gramm Amphetamin. 

Beliebt ist auch Ecstasy, hier werden entweder 2 Pillen oder 0,4 Gramm MDMA geschluckt. Die Studie fokussierte eine spezielle Gruppe innerhalb des Nachtlebens, doch dass Drogenkonsum eine Realität ist, bestätigen Zahlen des Suchtmonitorings Schweiz

Der Konsum steigt

19'000 Personen gaben 2012 an, in den vergangenen 12 Monaten Ecstasy konsumiert zu haben. Wie angesagt illegale Pillen wie Ecstasy oder LSD sind, zeigt sich auch in den am Donnerstag veröffentlichten Jahreszahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung: Im vergangenen Jahr wurden 10'725 Pillen beschlagnahmt – im Vergleich zu 2013 fast eine Verdoppelung. 

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Aufhorchen lässt auch ein anderes Ergebnis der Studie: Zwei Drittel der Befragten (65,2 Prozent) gaben an, während der Party mindestens zwei Drogen zu konsumieren, Tabak nicht mitgezählt. Das gilt als Mischkonsum und als gefährlich. «Drogen zu nehmen, ist immer ein Risiko. Mischkonsum erhöht dieses Risiko», sagt Alexander Bücheli von Safer Nightlife Schweiz und Co-Autor der Studie. Jeder dritte Befragte kombiniert somit während einer typischen Partynacht Alkohol und Cannabis, er trinkt im Schnitt 7 alkoholische Getränke und raucht 4 Joints. Jeder achte Befragte schluckt zusätzlich zu diesem Konsum 2 Pillen Ecstasy oder 0,4 Gramm MDMA oder 1 Gramm Amphetamin. 

Kokain und Alkohol mischt jeder Siebte.  «Es ist eine Realität, dass im Nachtleben oft mehrere psychoaktive Substanzen gemischt werden. Das wird schnell gefährlich», sagt auch Autorin Larissa Maier vom ISGF. «Safer-Use-Regeln empfehlen nicht grundlos, Drogen nie zu mischen.» 

Wechselwirkungen der verschiedenen Substanzen seien schlecht vorhersehbar. Nebenwirkungen wie Überhitzung, Dehydrierung oder Bad Trips könnten zu lebensbedrohlichen Situationen führen. Gut 90 Prozent der Befragten gaben an, schon einmal kurzfristige Probleme gehabt zu haben. Mehr als ein Drittel berichtete gar von Panikattacken oder wahnhaften Zuständen auf einem Bad Trip. 

Gleich häufig wurden Probleme mit der Polizei oder eine depressive Verstimmung erwähnt. «Freizeitdrogenkonsumenten sind vermeintlich geübt im Umgang mit dem Konsum. Sie glauben zu wissen, welche Substanzen die Wirkung einer anderen Droge verstärken», sagt Maier.  

Die vermeintliche Lockerheit kann schiefgehen: 40 schwere und 1 tödliche Vergiftung, die auf Drogen und Alkohol zurückzuführen sind, wurden 2013 bei Tox Info Suisse gemeldet. Die Mehrheit der Personen hatte mehrere Substanzen eingenommen. Diese Zahlen zeigen jedoch nur einen kleinen Teil der Realität. «Die Dunkelziffer schätze ich als sehr hoch ein», sagt Direktor Hugo Kupferschmidt. Julias Party ist vorbei, die Sonne längst aufgegangen. Es ist 9 Uhr. Julia lässt die After-Hour sausen, geht schlafen. Vom Mischkonsum haben sie und ihre Freunde die Finger gelassen, wie immer, wenn sie Drogen nehmen. Trotzdem sagt sie: «Klar, der Sonntag ist verloren. Den brauche ich, um mich zu erholen.» 

 * Name der Redaktion bekannt

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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • malu 64 23.11.2016 13:27
    Highlight Highlight Verschiedene Wirkungen machen Drogen ja
    gerade interessant. Am geilsten ist eindeutig ein Cocktail. Geniesse es nicht zu oft und
    mit Freude.
  • Gantii 09.02.2015 09:49
    Highlight Highlight Das man keine Dosis MDMA konsumiert hat wenn man kurz den Finger ableckt und ins Grip hält sollte jedem bewusst sein. Das macht man höchstens um 'Quali'(bzw. Reinheit) /Inhaltsstoff zu überprüfen.
    • herrfruesch 09.02.2015 12:27
      Highlight Highlight kommt drauf an wie grosse Finger man hat ;)
  • cloneable 09.02.2015 02:28
    Highlight Highlight Ein bisschen überrascht ist man ja schon, wenn im Bericht Experten zitiert werden und in den Kommentaren schreiben dann manche das wäre ja gar nicht so schlimm, wenn man Erfahrung hätte. Ich nenn ein solches Verhalten gegen einen Expertenrat mal mutig.
  • smoe 08.02.2015 13:34
    Highlight Highlight Macht die Studie auch eine Aussage darüber, ob der bewusste Mischkonsum denn gefährlicher ist, als die durch die Illegalität entstehende Ungewissheit, was genau und in welcher Menge man konsumiert?

    Gemäss Analysen des Drogeninformationszentrum DIZ waren 2012 ein Grossteil der Kokainproben zwischen 20% und 80% rein. Eine ziemliche Spannweite für eine Droge dieser Stärke. Zudem waren 90% der Proben mit mindestens einer weiteren psychoaktiven
    Substanzen gestreckt. Zum Beispiel mit dem normalerweise als Entwurmungsmittel angewandten Medikament Levamisol, welches bei gewissen Menschen zum Tod führen kann.
    • Gantii 09.02.2015 15:54
      Highlight Highlight Die grössten Probleme bei Drogen ist die Ilegalität.
      Es gibt massenhaft Kriminelle (zB. Cannabis) auf der anderen Seite unterstützt man den Schwarzmarkt/Mafia.
      Auch gefährdet man die Menschen(bzw. Konsumenten) weil die Drogen nicht kontrolliert abgegeben werden.
      + Könnte man durch die Legalisierung von leichten Drogen (Cannabis) enorme Steuereinnahmen machen. Siehe Colorado (ca. 70 Millionen)
    • smoe 09.02.2015 16:53
      Highlight Highlight Genau. Ich bin aber für die Legalisierung sämtlicher Drogen, nicht nur der "leichten".

      In den typischen Konsumländern würden dadurch wohl neue Probleme entstehen, aber diese sind aus meiner Sicht weniger schlimm als die bestehenden. Und durch einen offenen, ehrlichen Umgang mit Drogen und den Millionen an Steuereinnahmen kann man diesen auch besser entgegensteuern als bisher.

      Auf der Seite der Produktions- und Transitländer rettet man einerseits Tausende unschuldige Menschenleben und anderseits generiert man auch dort Jobs und Steuern, da Länder wie Kolumbien, Peru und Bolivien auch nach einer Legalisierung noch die geeignetsten Standorte wären, um z.B. Koka anzubauen.
    • Gantii 09.02.2015 18:14
      Highlight Highlight Jap aber direkt alle Drogen zu legalisieren - in 500 Jahren villeicht. desshalb lieber klein anfangen ;)
  • herrfruesch 08.02.2015 09:51
    Highlight Highlight Und ab und zu muss man Mischkonsum betreiben um die verschiedenen Drogenpegel zu regulieren...
  • saukaibli 08.02.2015 09:04
    Highlight Highlight Das ist doch absolut nichts Neues, Drogen wurden schon immer gemischt. Wir hatten in den 90ern üblicherweise 3 oder mehr Substanzen im Blut am Wochenende. Wenn man es mit den Mengen nicht übertreibt und weiss was man nimmt ist das nicht schlimmer als ein Vollsuff.

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