Nati-Trainer Patrick Fischer reiste mit gefälschtem Corona-Zertifikat an Olympische Spiele
32 Tage vor der Eishockey-Weltmeisterschaft in Zürich und Freiburg erschüttert ein Skandal das Nationalteam. Trainer Patrick Fischer reiste im Jahr 2022 mit einem gefälschten Zertifikat an die Olympischen Spiele in Peking. Dieses attestierte ihm eine Impfung gegen Covid-19, obwohl sich Fischer diese nicht hatte verabreichen lassen. Das teilt der Eishockeyverband am Montagabend mit.
Fischer, der jüngst als Schweizer Trainer des Jahres 2025 ausgezeichnet worden ist, handelte ohne das Wissen des Verbandes und von Swiss Olympic, wie es darin heisst. Dafür sei er im Jahr 2023 als Privatperson verurteilt worden und habe die daraus resultierenden Konsequenzen vollumfänglich getragen. Demnach wurde er wegen Urkundenfälschung verurteilt und musste eine Busse bezahlen.
Patrick Fischer: «Tut mir leid, wenn ich Menschen enttäuscht habe»
Patrick Fischer lässt in der Mitteilung verlauten, dass nicht einmal sein Umfeld davon wusste, dass er mit einem nicht gültigen Impf-Zertifikat nach China gereist war. Der 50-Jährige, der sein Amt als Nationaltrainer nach der Heim-WM nach zehn Jahren abgib t, beteuert aber auch: «Bis auf diesen Vorfall habe ich mich immer ans geltende Recht gehalten und bin mir meiner Vorbildrolle bewusst. Es tut mir sehr leid, wenn ich mit dieser Situation Menschen enttäuscht habe.»
Zudem sagt er: «Ich befand mich in einer aussergewöhnlichen persönlichen Notlage, da ich mich nicht impfen lassen wollte. Gleichwohl wollte ich mein Team an den Olympischen Spielen auf keinen Fall im Stich lassen.» Fischer lässt mitteilen, dass er erkenne, einen schweren Fehler gemacht zu haben. Dennoch erstaunt der Zeitpunkt der Mitteilung und lässt den Schluss nahe, dass Fischer unter Druck geraten sein könnte.
In einer persönlichen Stellungnahme äussert sich Patrick Fischer nun selbstkritisch. Er bedaure die entstandene Situation, aber auch mögliche Auswirkungen auf sein Umfeld, den Verband und die Öffentlichkeit. «Ich habe aus diesem Fehler gelernt und werde die entsprechenden Lehren für mein zukünftiges Verhalten ziehen», lässt sich Fischer zitieren.
Später am Abend machte SRF publik , dass es der Geschichte auf der Spur war und den Eishockeyverband damit konfrontierte. Daraufhin habe dieser reagiert und Fischer hat sein Statement veröffentlicht. Im Beitrag wird auch erwähnt, dass der Nationaltrainer fast 40'000 Franken Busse hat bezahlen müssen.
Dazu kommt, dass Fischer gegenüber dem «Blick » im Jahr 2021 sagte: «Ich liebe meinen Job und würde nie etwas tun oder lassen, was diesen Job gefährden könnte. Also werde ich mich impfen lassen.» Eine glatte Lüge, wie sich nun zeigt.
Für den Verband ist die Sache gegessen
Der Schweizer Eishockeyverband schreibt in seiner Mitteilung, dass er sich des speziellen Zeitpunkts der Kommunikation bewusst sei. Aber man habe in der Angelegenheit Transparenz schaffen wollen.
Damit ist die Sache für den Verband auch erledigt, wie Präsident Urs Kessler sagt: «Wir als Verband haben dies zur Kenntnis genommen und finden es anerkennenswert, dass Patrick Fischer diesen Schritt an die Öffentlichkeit geht und seinen Fehler klar einräumt. Dies zeigt persönliche Verantwortung und Grösse.» Jetzt wolle man den Fokus vollumfänglich auf das anstehende WM-Turnier richten.
Unter Fischer holte die Nationalmannschaft dreimal WM-Silber
Die Schweiz trifft ab dem 15. Mai auf die USA, Lettland, Deutschland, Österreich, Grossbritannien, Ungarn und Finnland. Alle Spiele der Schweiz finden in Zürich statt. Unter Fischer hat die Eishockey-Nati bereits dreimal die WM-Silbermedaille geholt. 2018 in Dänemark verlor sie im Final gegen Schweden, 2024 in Prag gegen Tschechien und im vergangenen Jahr zog sie in Stockholm gegen die USA den Kürzeren.
Fischer wird nach den Weltmeisterschaften von Jan Cadieux beerbt, der bisher sein Assistent gewesen war. Der Genfer ist derzeit Trainer der U20-Auswahl und Teil von Fischers Stab, auch an der Heim-WM in der Schweiz.
32 Tage vor der Heim-Weltmeisterschaft rückt damit neben der sportlichen Vorbereitung auch die Unruhe um den Nationaltrainer in den Fokus. Wie stark die Affäre das Team beeinflusst, wird sich erst am Turnier zeigen.
