Hier hat's Platz für einen Titel
Ab Samstag machen der HC Davos und der HC Fribourg-Gottéron den Meistertitel im Playoff-Final unter sich aus. Hier der Rekordmeister aus dem Bündnerland, dort die notorisch Titellosen, die in der ersten Saison mit einem neuen Trainer gleich zum grossen Wurf ansetzen. «Ich habe auf Google Maps schon den Platz für die Meisterfeier gefunden», sagte Roger Rönnberg euphorisch, noch bevor er seine Arbeit in Freiburg aufgenommen hatte. Und setzte so gleich die Messlatte.
Bereits vier Mal schaffte es Gottéron in einen Final – und verlor alle vier. Besonders nah dran waren die «Drachen» Anfang der 1990er-Jahre.
Ein Freiburger Duo wie Vacherin und Greyerzer
Damals verzückte Fribourg eine ganze Generation Heranwachsender. Verantwortlich dafür waren zwei Spieler, die dem Schweizer Eishockey so sehr ihren Stempel aufdrückten, dass sie bis heute unvergessen sind: Slawa Bykow als genialer Regisseur und Andrei Chomutow als eiskalter Vollstrecker. Das Duo Bykow/Chomutow gehört zu Freiburg wie die Fondue-Mischung Moitié-Moitié.
Der Eiserne Vorhang war gefallen, erstmals durften Sowjetrussen in den Westen wechseln. Präsident Jean Martinet, «Monsieur 100'000 Volt», landete 1990 einen einmaligen Coup: Er lotste zwei Olympiasieger und Weltmeister von ZSKA Moskau nach Freiburg.
Das war in etwa so tollkühn, wie wenn heute ein National-League-Klub Connor McDavid und Leon Draisaitl aus Edmonton verpflichten würde. Auf einen Schlag war der HC Fribourg-Gottéron eine grosse Nummer. Bykow und Chomutow schalteten und walteten in der Nationalliga A nach Belieben, ihre Skorerwerte waren astronomisch. In der ersten Regular Season sammelte Bykow 2,33 Punkte pro Spiel, in den Playoffs waren es sogar 2,88.
Spektakulär abgehoben und hart gelandet
In der zweiten Saison mit den Superstars stürmten die Freiburger erstmals in den Final. Trotz der russischen Tore unterlag Gottéron dort dem Nachbarn SC Bern. Es sollte der Auftakt zu einem bitteren Hattrick werden: Drei Jahre in Folge begeisterten Bykow, Chomutow und ihre Mitspieler die Schweiz – nur um dann im Final zu scheitern. Nach dem SCB 1992 war in den Jahren darauf der EHC Kloten zwei Mal zu stark.
Man habe zu sehr auf die Offensive gesetzt, haderte Trainer Paul-André Cadieux später. Wenn es auch mit dem Titel nicht klappen sollte: Wenigstens mit der Spielweise eroberte Gottéron sehr viele Fan-Herzen. Und am Ende konnte man erst noch dem Goalie den schwarzen Peter zuschieben und behaupten: Hätte Fribourg einen besseren Keeper als Dino Stecher gehabt, wäre es Meister geworden. Wer weiss schon.
Auch der Sohn schaffte es nicht
Wie lange das alles schon her ist, zeigt dieser kleine Fakt ganz schön: Seit den legendären Flugjahren hat Slawa Bykow seine Spielerkarriere beendet, sein Sohn Andrei Bykow hat sie bei Fribourg begonnen, hat 19 Saisons dort gespielt und die Laufbahn nach 803 Spielen wieder beendet – und Gottéron wartet immer noch auf einen Meistertitel.
2013 waren die Freiburger noch einmal nahe dran. In der Playoff-Finalserie gegen den SC Bern glichen sie einen 0:2-Rückstand aus, um am Ende mit 2:4-Siegen zu verlieren. Andrei Bykow ereilte das gleiche Schicksal wie seinen Vater.
Zeit, Geschichte zu schreiben
Mit ihm auf dem Eis stand Julien Sprunger. Als kleiner Knirps hielt er seinen ersten Stock in der Hand, als in der Nachbarschaft das russische Super-Duo verpflichtet wurde. Längst ist Sprunger als Legende auf der gleichen Stufe angekommen: Nach bald 1200 Spielen in 24 Saisons ausschliesslich für Fribourg-Gottéron beendet er nach dieser Saison seine Karriere.
Dass Julien Sprungers Trikot mit der Nummer 86 unters Hallendach gezogen werden wird, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Sie wird sich einreihen neben den Nummern jener Spieler, die bereits auf diese Art geehrt worden sind, neben den Trikots von Slawa und Andrei Bykow, von Chomutow und anderen.
Mit den zwei grossen Russen klappte es mit dem Titel nie. Mit dem Sohn des einen, der den Vornamen des anderen trägt, auch nicht. Es wäre die perfekte Story, wenn es nun ausgerechnet Julien Sprunger mit mittlerweile 40 Jahren gelingt, diesen Titel zu holen.
Die Sehnsucht an der Saane ist riesig. Seit drei Jahren sind alle Heimspiele ausverkauft, es gibt selbst für Sponsoren eine Warteliste. Die Euphorie ist mit dem Finaleinzug auf einem neuen Höhepunkt angelangt. Nun will der HC Fribourg-Gottéron – wieder einmal – zum ganz grossen Triumph ansetzen. Gescheitert ist er in den 88 Jahren seines Bestehens schon genug, nun soll endlich einmal gefeiert werden. Den Platz dafür kennt Trainer Rönnberg ja schon: er fand ihn vor der Kathedrale Sankt Nikolaus.
