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Ausland drängt Schweiz zu mehr Kampf gegen Mafia

Ausland drängt Schweiz zu mehr Kampf gegen Mafia

Europäische Länder haben laut dem Bundesamt für Polizei (Fedpol) die Schweiz zum Handeln gegen das organisierte Verbrechen aufgefordert.
25.06.2023, 06:2125.06.2023, 06:21

Die organisierte Kriminalität sei hier noch recht unauffällig, aber zu bequem, sagte Fedpol-Direktorin Nicoletta della Valle.

Nicoletta della Valle, Direktorin Fedpol, aeussert sich an einer Medienkonferenz zum Bundesgesetz ueber die polizeilichen Massnahmen zur Bekaempfung von Terrorismus, am Montag, 13. Juni 2022, in Bern. ...
Fedpol-Direktorin Nicoletta della Valle.Bild: keystone

Die Kollegen in den Niederlanden und Belgien seien der Meinung, dass sie selbst nicht früh genug gehandelt hätten und die Schweiz dies nun tun solle, sagte della Valle im Interview mit der Westschweizer Zeitung «Le Matin Dimanche» vom Sonntag weiter.

Die Schweiz sei für alle Arten von organisierter Kriminalität attraktiv, nicht nur um sich zu verstecken. Das Land sei eine Drehscheibe für Drogen-, Menschen-, und Waffenhandel, sagte die Juristin. Auch sei es für Einbrüche und Überfälle auf Bankomaten attraktiv.

Um dies zu ändern, forderte die Fedpol-Direktorin insbesondere eine verbesserte Kommunikation mit den Kantonen. «Wir müssen auch präventiv tätig werden, indem wir Kriminelle ausweisen oder ihnen die Einreise in die Schweiz verbieten», forderte sie.

Die aktuellen Erkenntnisse über die organisierte Kriminalität im Land sei allenfalls nur die Spitze des Eisbergs: «Nur weil in einer Region beispielsweise noch keine Zelle der 'Ndrangheta identifiziert wurde, heisst das nicht, dass es dort keine gibt», sagte die Fedpol-Chefin.

Vermehrt hätten Mafia-Mitglieder den Schweizer Pass, sagte Bundesanwalt Stefan Blätter vergangene Woche. Er forderte daher den Einsatz von Kronzeugen. Sie würden bei der Bekämpfung der Mafia helfen, zeigte er sich im Interview mit Tamedia überzeugt. Dabei schielte er nicht nach Belgien und den Niederlanden, sondern nach Italien. Die Arbeit könne die Schweiz nicht dem südlichen Nachbarn abschieben, sagte er.

Della Valle arbeite mit den Mitteln, die ihr die Politik zur Verfügung stelle. Alle Polizeibeamten im Land müssten ihre Ermittlungen nach den verfügbaren Ressourcen priorisieren. «Wir dürfen uns keine Illusionen machen, wir müssen Entscheidungen treffen», sagte della Valle. (sda)

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