Schweiz
EU

Mindestkurs: «Wir hatten keine andere Wahl bei der Kommunikation»

Jean-Pierre Danthine nimmt im Interview Stellung zu den Vorwürfen rund um die Kommunikation des Mindestkurs-Entscheids der SNB. 
Jean-Pierre Danthine nimmt im Interview Stellung zu den Vorwürfen rund um die Kommunikation des Mindestkurs-Entscheids der SNB. Bild: KEYSTONE
SNB-Vizepräsident Jean-Pierre Danthine: 

Mindestkurs: «Wir hatten keine andere Wahl bei der Kommunikation»

27.01.2015, 04:5527.01.2015, 08:55

SNB-Vizepräsident Jean-Pierre Danthine verteidigt, dass er sich kurz vor Aufhebung des Mindestkurses zum Euro noch zu dem Instrument bekannt hatte. Wäre die Aufhebung angekündigt worden, wäre es nach seiner Einschätzung zu «enormen» Frankenzuflüssen gekommen.

Danthine hatte drei Tage vor der Aufhebung im Westschweizer Fernsehen den Mindestkurs noch als zentrales Instrument der Schweizerischen Nationalbank bezeichnet. Diese Äusserungen waren von Politikern und Wirtschaftsvertretern als schädlich für die Glaubwürdigkeit der Nationalbank verteidigt worden.

Danthine verteidigte das Vorgehen nun in einem Interview mit dem Tages-Anzeiger. «Am Wochenende vor diesem Interview war die Presse voller Spekulationen über die Aufhebung des Mindestkurses», sagte er.

Presseschau zum Mindestkurs-Entscheid der SNB

1 / 11
Presseschau zum Mindestkurs-Entscheid der SNB
Die britische «Times» spricht von Chaos an den Börsen.
Auf Facebook teilenAuf X teilen

Die Spekulationen alleine hätten schon zu «erhöhten Frankenzuflüssen geführt». «Hätte ich das auf den Montag geplante Interview damals abgesagt oder in diesem Interview Zweifel am Mindestkurs geäussert, so hätte die Glaubwürdigkeit des Mindestkurses stark gelitten und die Zuflüsse hätten sich enorm intensiviert», sagte er weiter.

«Wir hatten keine andere Wahl»

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) habe keine andere Wahl gehabt bei der Kommunikation. «Bei Angelegenheiten wie dem Mindestkurs kann es keine ‹forward guidance›, also keine offene Vorbereitung der Öffentlichkeit und der Finanzmärkte geben», sagte Danthine.

Vor Danthine hatten bereits die beiden anderen Direktionsmitglieder, Präsident Thomas Jordan sowie Fritz Zurbrügg, öffentlich den Schritt erklärt, mit dem die Nationalbank die Finanzmärkte weltweit überrascht hatte. Zurbrügg sagte, die Verteidigung des Mindestkurses habe immer grössere Interventionen nötig gemacht.

Nicht thematisiert im Interview mit Danthine werden die Spekulationen, dass die Nationalbank auch nach Aufhebung des Mindestkurses weiterhin mit Beträgen in Milliardenhöhe den Schweizer Franken stützte. (feb/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
4 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4
Freundschafts-Forscher: «Ich würde mir eher Sorgen um die machen, die nie einsam sind»
Warum haben Männer häufiger keine engen Freunde als Frauen? Und warum ist es so schwierig, in der Schweiz neue Freunde zu finden? Ein Freundschaftssoziologe ordnet die Resultate der watson-Umfrage ein.
Herr Schobin, in unserer Umfrage haben 61 Prozent der Befragten angegeben, dass sie zwischen einer und sechs engen Freundschaften haben. Wie viele Freundschaften hat eine Person im Schnitt?
Janosch Schobin: In Deutschland liegt die Zahl der engen Freundinnen und Freunde konstant bei etwa vier, in der Schweiz sieht es ähnlich aus. Es kommt aber immer darauf an, wie man fragt, ob man in einer Studie zum Beispiel Verwandte ausschliesst. Es ist aber auch völlig normal, dass Menschen zehn enge Freundschaften haben.
Zur Story