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«Aus allen Seiten Gummischrot» – 16 FCB-Chaoten wehren sich vor Gericht

03.02.2020, 10:2003.02.2020, 13:59
Die Angeklagten erscheinen vor Gericht.
Die Angeklagten erscheinen vor Gericht.Bild: KEYSTONE

Nach den heftigen Ausschreitungen nach dem Fussballspiel zwischen dem FC Basel und FC Zürich vom April 2016 stehen seit Montag 16 Männer vor dem Basler Strafgericht. Die Angeklagten weisen die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft zurück.

Die Anklage der Basler Staatsanwaltschaft lautet auf Landfriedensbruch, Sachbeschädigung sowie Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte. Einzelnen Personen werden zudem Widerhandlungen gegen das Waffengesetz, das Betäubungsmittelgesetz und das Vermummungsverbot zur Last gelegt.

Bei den Angeklagten handelt es sich um vierzehn Schweizer, einen Deutschen und einen Spanier. Die Männer sind mittlerweile zwischen 23 und 37 Jahre alt und leben in den beiden Basel, in den Kantonen Aargau und Solothurn sowie in Deutschland. Zwölf der 16 Angeklagten sind bereits vorbestraft.

Der Gerichtsaal war am Montag allein schon mit den Angeklagten, Verteidigern und den Medienschaffenden voll. Für Zuschauerinnen und Zuschauer gab es keinen Platz.

Die 16 Männer wiesen die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft vor Gericht mehrheitlich zurück oder wollten keine Aussage zu den einzelnen Anklagepunkten machen.

Ein 37-jähriger Beschuldigter beschrieb seine damalige Stimmung als «aufgebracht». «Kaum kamen wir aus dem Stadion, flog Gummischrot. Ich fühlte mich angegriffen von der Polizei und sah keinen Grund, weshalb diese so handelte», sagt er. Er gab zwar zu, damals an vorderster Front gestanden zu haben. Allerdings habe er bloss seine Meinung lautstark kundgetan. In «keinster Weise» habe er die Polizisten bedroht und angegriffen. Auch habe er sich nur vermummt, weil Tränengas eingesetzt wurde.

«Aus allen Seiten Gummischrot»

Zu den schweren Ausschreitungen war es am 10. April 2016 nach einem Fussballspiel zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich gekommen. Als die Polizisten auf der Eventplattform des St. Jakob-Parks das Tor zum Eisenbahnperron sichern wollten, standen sie einer Gruppe von rund 150 FCB-Fans gegenüber. Gemäss der Anklageschrift der Basler Staatsanwaltschaft bewarfen diverse von ihnen die Polizisten mit Steinen, Petarden, Flaschen und anderen Gegenständen.

Die Polizei setzte Gummischrot, Tränengas und Schlagstöcke ein. Insgesamt wurden bei der Randale mehrere Polizisten, ein Kleinkind und ein weiterer Unbeteiligter verletzt. Auch wurden mehrere Polizeiautos beschädigt. Es entstand Sachschaden von über 130'000 Franken. In der Folge waren zwölf mutmassliche Täter festgenommen worden. Sieben weitere Beteiligte wurden über eine Internetfahndung ausfindig gemacht.

«Ich habe nichts Falsches gemacht. Ich stand mittendrin und aus allen Seiten kam Gummischrot geflogen», sagte ein 23-jähriger Beschuldigter. Er sei nicht Teil des gewalttätigen Mobs gewesen.

Ein weiterer Angeklagter gab an, wütend geworden zu sein, als er mit Gummigeschossen beschossen worden sei, obwohl er nichts getan habe. Er stritt ab, an jenem Sonntag Polizeiautos beschädigt zu haben.

Neun Tage Prozess

Ein anderer Angeklagter beschrieb die damalige Stimmung nach dem Spiel als «in keinster Weise aufbauschend». Es sei keine Eskalation gesucht worden seitens Fans, sagte er. Als jedoch ein Unbeteiligter von einem Gummigeschoss im Auge getroffen wurde, Gummischrot, sei die Stimmung aufgeheizt gewesen. «Dieser unverhältnismässige Polizeieinsatz hat mich sauer gemacht, weil es keine Provokationen gab.» An einen Fusstritt gegen einen Polizisten könne er sich nicht erinnern.

Auch ein weiterer Beschuldigter bestritt, einen Polizisten tätlich angegangen zu haben. «Ich habe ihn nicht geschüttelt. Ich habe ihn nur am Arm gepackt.»

Die meisten Angeklagten gaben an, nach dem dreijährigen Stadionverbot, das ihnen nach diesem Vorfall schweizweit auferlegt worden war, keinen Kontakt mehr zur Fanszene zu haben und heute nur noch selten FCB-Spiele zu besuchen. Einige wollten keine Angaben darüber machen, ob sie noch aktiv in der Fanszene sind.

Der Prozess dauert insgesamt neun Tage. Nach der Visionierung des Videomaterials werden am Dienstag Polizisten als Zeugen geladen, unter anderem der Leiter jenen Einsatzes.

Verfahren gegen Polizisten eingestellt

Im Zusammenhang mit den Ausschreitungen vom April 2016 hat das Baselbieter Strafgericht im August 2017 bereits einen damals 20-Jährigen zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 16 Monaten verurteilt. Der Aargauer war Teil einer Gruppe gewesen, die ein Polizeiauto demoliert und angezündet hatte.

Eingestellt hatten die Strafverfolgungsbehörden hingegen ein Verfahren gegen einen Polizisten wegen eines Gummischrotschusses, der einen unbeteiligten Mann auf der Eventplattform am Auge derart schwer verletzt hatte, dass er einseitig erblindete. Für diesen Mitteleinsatz hatte es gemäss der Basler Staatsanwaltschaft konkrete Rechtfertigungsgründe gegeben. (aeg/sda)

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