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Nahost: Hälfte der Schweizer bereits aus der Krisenregion ausgereist

Nahost: Hälfte der Schweizer bereits aus der Krisenregion ausgereist

Zahlen des Bundes zeigen: Viele der im Mittleren Osten gestrandeten Schweizerinnen und Schweizer konnten auf eigene Faust ausreisen.
12.03.2026, 06:4112.03.2026, 06:41
Stefan Bühler / ch media

Plötzlich waren die Arabischen Emirate, Oman oder Katar nicht mehr sommerwarme Ferienparadiese, sondern Kriegsgebiet. Nachdem die USA und Israel am 28. Februar Teheran angegriffen hatten, schlugen die Mullahs zurück: Sie schickten Drohnen und Raketen auf ihre Nachbarländer, nach Dubai etwa oder Katar. Der Luftraum über der Krisenregion wurde gesperrt, die Airlines stellten ihre Flüge ein – und Tausende Reisende sassen fest. Darunter auch zahlreiche Schweizerinnen und Schweizer.

epaselect epa12792151 An Airbus A343 plane owned by Iranian Mahan Air takes off from Dubai International Airport heading to Tehran, in Dubai, United Arab Emirates, 03 March 2026. The Dubai Media offic ...
Die Swiss und Edelweiss haben zwei Sonderflüge organisiert. (Symbolbild) Bild: keystone

Viel helfen konnte ihnen der Bund nicht. «Schweizer Staatsangehörige vor Ort sollen die Anweisungen der lokalen Behörden befolgen», lautete einer der Ratschläge aus dem Aussendepartement (EDA) schon in den ersten Tagen des Krieges. Weiter sollten sie ihre Reise über die Travel Admin App des Bundes registrieren und bei Bedarf die EDA-Helpline kontaktieren. Das Gesetz setzt bei Reisen auf Eigenverantwortung.

«Organisierte Ausreisen führt das EDA nicht durch, eine Ausreise erfolgt eigenverantwortlich und auf eigene Kosten.» So steht es auch jetzt noch auf der EDA-Website. Der Bund verfügt über kein Transportflugzeug. Die zuständigen Stellen tauschten sich indes mit der Swiss aus.

Mehrere Tausend haben sich abgemeldet

Manche der Gestrandeten beklagten sich über angeblich mangelhafte Unterstützung aus der Heimat. Dass der Bund längst vor dem Risiko eines Krieges im Nahen Osten gewarnt hatte, ging dabei mitunter unter. Doch wie sich nun zeigt, wussten sich viele Schweizerinnen und Schweizer durchaus selber zu helfen. Das zeigen aktuelle Zahlen des EDA.

Schweizer Botschaft im Iran geschlossen
Das Sicherheitsrisiko ist zu gross geworden: Die Schweiz hat ihre Botschaft in Teheran geschlossen, wie das Aussendepartement mitteilt. Der Botschafter und fünf Schweizer Mitarbeitende haben den Iran «auf dem Landweg verlassen und befinden sich mittlerweile ausserhalb des Landes in Sicherheit», heisst es in der Mitteilung. Sobald es die Lage erlaubt, würden die Mitarbeitenden nach Teheran zurückkehren. «In Absprache mit den betroffenen Ländern hält die Schweiz im Rahmen ihrer Guten Dienste den Kommunikationskanal zwischen den USA und Iran weiterhin offen», so das EDA. (mg)

Diese zeigen, dass bereits mehr als die Hälfte der von der Luftraumsperre betroffenen Schweizer Touristinnen und Touristen die Krisenregion verlassen konnten. «Der Höchststand an registrierten Reisenden auf Travel Admin in Ländern der betroffenen Region wurde am 5. März 2026 mit rund 5'200 Personen erreicht», teilt das EDA auf Anfrage mit. «Stand heute sind es noch rund 2000 Personen.»

Gut möglich, dass noch mehr Personen bereits ausgereist sind, sich bei Travel Admin aber nicht abgemeldet haben.

Travel App im Anmelde-Hoch

Die grösste Gruppe befindet sich mit rund 1100 gemeldeten Schweizerinnen und Schweizern nach wie vor in den Vereinigten Arabischen Emiraten, gefolgt von Oman (250) und Katar (200). Aus Bahrain, Iran, Jordanien sind ebenfalls mehr als die Hälfte aller Angemeldeten mittlerweile nicht mehr im System registriert. Anders sieht es im Jemen und Irak aus: Dort gab es keine Abmeldungen.

Die meisten der Ausreisen dürften via Flugzeug erfolgt sein. Mehrere Fluggesellschaften bieten im reduzierten Umfang wieder Flüge von Dubai oder Abu Dhabi auf Europa ab. Ebenfalls gab es zwei Sonderflüge der Swiss und der Edelweiss. Diese beiden Anbieter haben ihre Flüge in den Nahen Osten aber vorübergehend eingestellt. Bei jenen Flügen, die aus dem Krisengebiet führen, braucht es derzeit oft starke Nerven: Annullationen oder grosse Verspätungen aufgrund des Kriegsgeschehens sind wahrscheinlich.

Einen regelrechten Nachfrage-Boost erlebte die Travel Admin App an sich. Seit Ende Februar haben 16'000 Personen neu einen Account eröffnet. Insgesamt sind dort inzwischen 140'000 Benutzerkonten registriert. (aargauerzeitung.ch)

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