Vier Trophäen für «Heldin» von Petra Volpe beim Schweizer Filmpreis
Mit «Heldin» hat die schweizerisch-italienische Drehbuchautorin und Regisseurin Petra Volpe eine Hommage an unsere Pflegekräfte gedreht. Am Freitagabend wurde dies im Kongresshaus Zürich mit dem Schweizer Filmpreis 2026 als bester Spielfilm belohnt.
Damit hat sich das Drama mit Leonie Boesch in der Hauptrolle gegen vier Filme durchgesetzt, die ebenso in dieser wichtigen Kategorie nominiert waren: die Literaturverfilmung «La Cache» von Lionel Baier, Nicolas Steiners Schwarz-Weiss-Spielfilmdebüt «Sie glauben an Engel, Herr Drowak?», «À bras-le-corps» von Marie-Elsa Sgualdo und Piet Baumgartners «Bagger Drama».
«Heldin» räumt ab
Für Petra Volpes Film gab es indes vier. Das beste Drehbuch ging ebenso an das Drama. Mit dieser Auszeichnung konnte Volpe bereits 2017 glänzen, da wurde sie in dieser Kategorie als Drehbuchautorin von «Die Göttliche Ordnung» gewürdigt. Am Freitagabend holte «Heldin» ausserdem eine dritte Quartz-Trophäe für den besten Ton.Vier Auszeichnungen sind es insgesamt, weil «Heldin», wie bereits im Vorfeld bekannt war, zusätzlich mit dem erstmals vergebenen «Box Office Quartz» gewürdigt wurde. Diesen gibt es für den publikumsstärksten Film. Mit über 207'000 Kinoeintritten war «Heldin» nämlich der erfolgreichste Schweizer Film.
Er zeichnet eindringlich eine Pflegeschicht der Hauptfigur Leonie in einem Schweizer Spital nach. Dabei geht der immer grösser werdende Druck auch der Zuschauerin oder dem Zuschauer unter die Haut. «Heldin» ist aktuell auf Netflix oder Cinefile im Streaming zu sehen.
Bester Dokfilm hat auch die beste Musik
In der Kategorie «Bester Dokumentarfilm» hat «I Love You, I Leave You» gewonnen. Der Filmemacher Moris Freiburghaus erzählt darin von der bipolaren Erkrankung seines besten Freundes, des Musikers Dino Brandão. Der Singer-Songwriter, Gitarrist und Sänger befindet sich darin in einer manischen Phase, fällt vom Hoch ins Tief und umgekehrt.
Das intime Werk, das auch am Zurich Film Festival mit dem Goldenen Auge im Dokumentarfilm-Wettbewerb ausgezeichnet worden war, ist unterlegt von der Musik des darin porträtierten Dino Brandão. Sein Sound sorgte am Freitagabend für einen zweiten Schweizer Filmpreis für «I Love You, I Leave You»: Einen zweiten Quartz gab es noch für die beste Filmmusik.
Starkes Schauspiel im «Bagger Drama»
Zwei Filme waren siebenfach für den Schweizer Filmpreis nominiert, holten am Ende je zwei Quartze. Das ist zum einen Piet Baumgartners «Bagger Drama». Der Film dringt in eine Familiendynamik ein, die durch den Tod eines Mitgliedes erschüttert worden ist – doch über wahre Gefühle reden, das fällt den Eltern und ihrem erwachsenen Sohn schwer. Vielmehr herrscht hier nur Sprachlosigkeit. Lieber spricht man darüber, wer das Familienunternehmen weiterführen wird.
Neben der Nominierung als bester Spielfilm war «Bagger Drama» unter anderem noch für das beste Drehbuch, die beste Montage und den besten Ton nominiert. Den Quartz gab es dann beim Cast: Schauspielerin Bettina Stucky wurde als beste Darstellerin ausgezeichnet. Sie spielt im Familiengespann die Mutter Conny, die im Familienbetrieb schon längst Verantwortung übernommen hat, um ihre Tochter trauert und einsehen muss, dass sich ihr Mann Paul in eine andere verliebt hat.
Und auch Pauls Figur hat überzeugt, der schweizerisch-britische Schauspieler Phil Hayes wurde mit dem Preis für den besten Darsteller gewürdigt.
Das emanzipatorische Historiendrama «À bras-le-corps» war der zweite siebenfach nominierte Film. Hier reichte es in den Kategorien «Beste Montage» und «Beste Kamera» für den Schweizer Filmpreis. Die Kameraarbeit von Benoît Dervaux ist durchaus bemerkenswert in diesem Film. Der Fokus liegt stets auf der Hauptfigur Emma. Erst durch diese Konzentration auf Gesichtszüge ist die Verzweiflung der durch eine Vergewaltigung schwanger gewordenen Emma zu spüren, denn Worte findet sie dafür keine.
Wenn Filme Realitäten spiegelt
Die Verleihung des Schweizer Filmpreises fand in Anwesenheit von Bundesrätin und Kulturministerin Elisabeth Baume-Schneider statt. Sie hielt denn auch eine Laudatio für Villi Hermann, der, wie im Vorfeld bekannt war, mit dem Ehrenpreis gewürdigt wurde. Der Regisseur, Drehbuchautor und Produzent begann seine Filmlaufbahn in den 1970er-Jahren und prägte die Identität des italienischsprachigen Schweizer Films nachhaltig.
Baume-Schneider sprach unter anderem über Hermanns Film «Cerchiamo per subito operai, offriamo...» von 1974 über die Realität italienischer Gastarbeiter in der Schweiz. In diesem Zusammenhang schlug sie die Brücke ins Heute und warnte vor der SVP-Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz», über welche die Bevölkerung am 14. Juni abstimmen wird. Diese will, dass die ständige Wohnbevölkerung zehn Millionen vor 2050 nicht überschreitet.
Der Schweizer Filmpreis würdigt jedes Jahr die herausragendsten Schweizer Filme sowie die wichtigsten Figuren des schweizerischen Filmschaffens. Preisgeld gibt es bereits für eine Nomination. In den beiden Hauptkategorien «Bester Spielfilm» und «Bester Dokumentarfilm» beträgt es je Nomination 25'000 Franken. (sda)
