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Wissenschaftler fordern Verbot von Fleisch-Aktionen

Frau kocht Fleisch
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Wissenschaftler fordern Verbot von Fleisch-Aktionen

02.02.2023, 12:42
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Eine CO₂-Abgabe auf Lebensmittel und ein Verbot von Fleisch-Aktionen: Für die Erhaltung der Ernährungssicherheit der Schweiz braucht es laut einem Gremium aus über 40 Wissenschaftlern aus renommierten Schweizer Institutionen tiefgreifende Massnahmen.

An einem nationalen Ernährungssystemgipfel in Bern am Donnerstag stellte das Gremium einen Leitfaden mit entsprechenden Massnahmen vor. In einer ersten Phase empfiehlt es bis 2025 den Aufbau eines Transformationsfonds, durch den Informationsmassnahmen finanziert werden.

Konkret könnten dies beispielsweise Aus- und Weiterbildungsprogramme für relevante Berufe der gesamten Wertschöpfungskette, aber auch Förderprogramme für Junglandwirtinnen und -landwirte zur Betriebsumstellung sein. Weiter sollen damit technologische Innovationen finanziert werden.

In einer zweiten Phase müssten gemäss Leitfaden ab 2025 zunehmend regulatorische Massnahmen und Lenkungsabgaben zum Tragen kommen. Dazu gehören erhöhte Zölle für tierische Produkte sowie die Einführung einer CO2-Abgabe auf Lebensmittel.

Phase drei konzentriert sich auf die Agrarpolitik und die Unterstützung für den ländlichen Raum. Denkbar ist laut dem Wissenschaftsgremium eine Anpassung bei den Direktzahlungen sowie Steuererleichterungen für Landwirtinnen und Landwirte.

Für die vierte Phase ab 2030 schlagen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine schrittweise Einführung tiefgreifender regulatorischer Massnahmen vor. Dazu gehört ein Verbot von Niedrigpreis-Promotionen für Produkte wie Fleisch, Milch und Eier.

So warb Proviande vor einigen Jahren für Schweizer Fleisch.
So warb Proviande vor einigen Jahren für Schweizer Fleisch.Bild: zvg

Deckt sich mit Plänen des Bundesrats

Dieser Leitfaden wurde Bundesrat Guy Parmelin am Donnerstag im Rahmen des Ernährungssystemgipfels überreicht. «Die Empfehlungen decken sich mit der zukünftigen Ausrichtung der Agrarpolitik, die der Bundesrat im vergangenen Sommer erarbeitet hat», sagte Parmelin in einer Rede.

Die Folgen des Klimawandels seien für die Landwirtschaft einschneidend: «Sie muss sich diesen Bedingungen anpassen.» Parmelin betonte in seiner Rede auch die Wichtigkeit, die soziale und wirtschaftliche Situation der Landwirtinnen und Landwirte zu verbessern.

Gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Solche Massnahmen seien dringend notwendig, schrieben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Leitfaden. Die Ernährungssicherheit der Schweiz sei durch Kriege, Pandemien, Klimawandel und das Schwinden der Biodiversität bedroht.

Als international vernetztes Land sei die Schweiz sowohl für die Versorgungssicherheit als auch als Wirtschaftsstandort auf weltweit funktionierende Ökosysteme angewiesen.

Die Transformation des Ernährungssystems sei eine gesamt- gesellschaftliche Aufgabe. Nebst Akteuren wie der Industrie und der Landwirtschaft sowie den Konsumentinnen und Konsumenten müsse der Staat eine Schlüsselrolle in der strategischen Neuausrichtung der Schweizer Ernährungssystempolitik wahrnehmen.

Das Projekt wurde von den Bundesämtern für Landwirtschaft (BLW), für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), sowie für Umwelt (Bafu) finanziell unterstützt. Die Trägerorganisationen von Ernährungszukunft Schweiz sind die Stiftung Biovision, das Sustainable Development Solution Network (SDSN) und «Landwirtschaft mit Zukunft».

(yam/sda)

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102 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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chrimark
02.02.2023 13:19registriert November 2016
Man könnte ja mal damit Anfangen, dass der Bund aufhört das Marketing von Fleisch&Co. grosszügig zu Subventionieren.
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Bärner728
02.02.2023 13:45registriert Juni 2020
Keine Fleischaktionen mehr? Kein Problem, aber dann auch ein Verbot von Aktionen für importierte Früchte und Gemüse und alle Produkte, die diese enthalten (inkl. Soja), alle Süsswaren und alle alkoholischen Getränke. Wenn schon, denn schon.
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dmark
02.02.2023 13:18registriert Juli 2016
Und wieder ein Verbot... Langsam wird es lästig.
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