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Das sagt der Preisüberwacher zu den Margen von Coop und Migros

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Die orange Dominanz: Preisüberwacher Stefan Meierhans schaute sich die Margen von Coop und Migros genauer an.Bild: KEYSTONE

Das sagt der Preisüberwacher zu den Margen von Coop und Migros

2023 nahm Preisüberwacher Stefan Meierhans die beiden Grossverteiler und ihre Gewinne ins Visier. Nun hat er seine Analyse abgeschlossen. Sie ist ernüchternd.
28.04.2026, 14:4828.04.2026, 14:48
Benjamin Weinmann
Benjamin Weinmann

Es ist eine Frage, die Einkaufende in der Schweiz beim Blick auf ihre Supermarkt-Quittung immer wieder umtreibt: Bezahle ich zu viel? Dieser Frage wollte Preisüberwacher Stefan Meierhans im Herbst 2023 nachgehen. Ausgehend von einer Vorabklärung zu den Preisen von Bio-Lebensmitteln leitete er damals eine Marktbeobachtung zum gesamten Schweizer Lebensmittel-Detailhandel ein. Grund für die Untersuchung waren Hinweise, die der Preisüberwacher von Partnern von Coop und Migros erhalten hatte.

Die Margendiskussion wurde in der Bevölkerung emotional geführt. Doch sie sorgte auch für Ärger bei den beiden Grossverteilern. Denn sie mussten sich öffentlich für ihr Preisgefüge rechtfertigen – und wiesen jegliche künstliche Abschöpfung von sich.

«Im Detailhandel sind die Margen generell klein», sagte Coop-Chef Philipp Wyss vor einem Jahr im Interview mit CH Media, angesprochen auf die Thematik. Er stellte eine Rechnung auf: «Von 100 Franken, die wir einnehmen, geben wir 69 Franken an unsere Lieferanten. Mit den restlichen 31 Franken müssen wir Personal, Miete, Energie, Steuern und so weiter bezahlen.» Am Schluss würden Coop 1.70 Franken bleiben. «Das ist eine sehr dünne Marge und nichts im Vergleich zu grossen Konzernen und anderen Branchen.»

Dass der Preisüberwacher insbesondere die Bio-Marge als potenziell zu hoch erachtete, sorgte bei Wyss für Kopfschütteln: «Wir haben ihm das transparent dargelegt. Die in diesem Zusammenhang zitierte Bruttomarge sagt nichts über die Nettomarge aus.» Dass sich Meierhans auf die Bruttomarge fokussierte, nervte den Coop-Chef offensichtlich. Relevant sei die Nettomarge, «und die ist bei Bioprodukten unter dem Strich nicht höher als bei konventionellen Produkten».

Preisueberwacher Stefan Meierhans gibt vor den Medien einen Ausblick auf das laufende Jahr, am Montag, 2. Maerz 2026 in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)
Leise Töne: Preisüberwacher Stefan Meierhans.Bild: keystone

Allerdings gibt es auch einen Bericht der Wettbewerbskommission (Weko), der Anhaltspunkte für eine Marktbeherrschung von Coop fand und sogar Hinweise für einen Missbrauch dieser Marktmacht. Wyss' Antwort: «Das sehe ich ganz anders! Der Wettbewerb im Detailhandel wurde noch nie so hart geführt wie heute. Die deutschen Discounter sind etabliert. Und der Einkaufstourismus brummt.»

Keine klaren Missbrauchshinweise

Konsequenzen hatte dieser Weko-Bericht keine. Und nun gibt auch Meierhans klein bei. Wer einen Big Bang erwartete, wird enttäuscht. Neue Aufdeckungen oder beschlossene Massnahmen? Fehlanzeige. Die Untersuchung wird ohne grosse Töne beendet.

Nach dem Tohuwabohu vor zweieinhalb Jahren verkündet Meierhans nun seine Schlussfolgerungen auf knapp einer Seite in einem Newsletter. Die Marktbeobachtung zeige, dass der Schweizer Lebensmittel-Detailhandel zwar weiterhin stark konzentriert sei. Daran hätten die Markteintritte von Aldi und Lidl nichts geändert. Aber: «Trotz hoher Bruttomargen ergeben sich keine klaren Hinweise auf missbräuchlich überhöhte Gewinne; die Ergebnisse deuten vielmehr auf vergleichsweise hohe Kostenstrukturen und einen teilweise begrenzten Wettbewerbsdruck hin.» Die Einleitung einer Preismissbrauchsabklärung sei deshalb nicht gerechtfertigt. Deshalb habe er entschieden, die Marktbeobachtung abzuschliessen.

Einen Persilschein möchte Meierhans den Grossverteilern nicht ausstellen. Er könne nach wie vor nicht ausschliessen, dass Coop und Migros im Schweizer Lebensmittel-Detailhandel eine kollektiv marktbeherrschende oder mindestens eine marktmächtige Stellung einnehmen würden. «Der Schweizer Lebensmittel-Detailhandel zeichnet sich durch sehr hohe Bruttomargen aus.»

Der teure Schweiz-Zuschlag

Die im Rahmen der Marktbeobachtung erhobenen Daten würden jedoch nicht zeigen, dass diese auf unangemessen hohe Gewinne der Schweizer Lebensmittel-Detailhändler zurückzuführen sind. Die Nettomarge und die sogenannte Kapitalrentabilität seien mit jenen des europäischen Lebensmittel-Detailhandels vergleichbar.

Wie ist also die hohe Bruttomarge zu erklären, die auch vom Markenartikelverband Promarca seit Jahren kritisiert wird, insbesondere mit Blick auf Coop, dem grössten Marken-Verkäufer hierzulande? Meierhans hat inzwischen eine Antwort darauf. Sie habe mit den hohen Betriebskosten zu tun, aber auch damit, dass die Effizienz des Schweizer Lebensmittel-Detailhandels im Vergleich zum Ausland tiefer sei.

Diese geringere Effizienz sei vermutlich auch auf externe Faktoren zurückzuführen, schreibt Meierhans. So sei das Kostenniveau hierzulande generell höher. Die Präferenzen der Schweizer Kundschaft seien anders und es gebe eine kostentreibende Regulierung. Was er konkret damit meint, bleibt unerwähnt. In Bezug auf die Konsumentenpräferenzen lässt sich jedoch sagen, dass die Supermärkte von Migros und Coop als deutlich einladender gelten als jene von Discountern, die in europäischen Ländern oftmals dominieren. Das kostet. So verwendet Coop beispielsweise in einem Grossteil seiner Filialen Tessiner Gneis als Bodenbelag.

Migros und Coop dominieren weiter

Meierhans kann jedoch nicht ausschliessen, «dass die geringere Effizienz zumindest zum Teil auch das Ergebnis der oligopolistischen Struktur des Marktes und – damit zusammenhängend – dem geringeren Preisdruck im Schweizer Lebensmittel-Detailhandel ist». Darauf würden die diversen Preissenkungsrunden hindeuten, die Aldi, Migros und Coop in den Jahren 2024 und 2025 ankündigten.

«Offenbar gibt es im Schweizer Lebensmittel-Detailhandel ein bisher unausgeschöpftes Potenzial für Preissenkungen», schreibt Meierhans. Für Aufsehen sorgten beispielsweise das 99-Rappen-Brot von Aldi und mehrere Abschläge im Fleischsortiment. Dass sich der Preiswettbewerb verstärkt habe, nehme er erfreut zur Kenntnis. Er frage sich allerdings, ob es sich dabei um eine nachhaltige und wettbewerblich signifikante Entwicklung handle. Dies sei noch unklar.

Für die nahe Zukunft rechnet Meierhans mit keinen grossen Umwälzungen im Markt. Aldi und Lidl würden zwar weiter wachsen, aber sehr langsam.  «Ausserhalb des Discount-Segments werden Coop und Migros den Markt auch weiterhin dominieren.» (aargauerzeitung.ch)

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