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Gefährdet eine neue Diskussion den Vaterschaftsurlaub?

Knatsch um die Elternzeit: Der Initiativchef warnt vor zu viel Euphorie.
29.01.2020, 05:22
Doris Kleck / ch media
Die Initianten reichen die Unterschriften bei der Bundeskanzlei in Bern ein.
Die Initianten reichen die Unterschriften bei der Bundeskanzlei in Bern ein.
Bild: KEYSTONE

Vaterschaftsurlaub? Elternzeit! Noch bevor die Schweizer Stimmbevölkerung Ja gesagt hat zu einem zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub, dreht sich die Diskussion bereits um eine weitergehende Elternzeit. Der Verein Public Beta machte letzte Woche Pläne für eine Initiative öffentlich. Mindestens 30 Wochen soll die Elternzeit betragen, von denen die Mütter 14 bis 18 und die Väter 12 bis 16 Wochen beziehen können.

«Wir dürfen mit der Diskussion über die Elternzeit nicht den Vaterschaftsurlaub gefährden.»

Viel mehr ist nicht bekannt. Geschäftsführer Che Wagner sagte gegenüber den Tamedia-Zeitungen, es sei wichtig, die Diskussion jetzt zu öffnen, damit die Politik während der kommenden Monate nicht ausschliesslich über die zwei Wochen Vaterschaftsurlaub diskutiere, die nach Ansicht breiter Bevölkerungsteile längst überholt seien. Diese Meinung teilen allerdings längst nicht alle Verfechter des Vaterschaftsurlaubes.

Adrian Wüthrich, Präsident der Gewerkschaft Travail Suisse und Präsident des Vereins «Vaterschaftsurlaub jetzt!», etwa sagt: «Das Vorpreschen von Public Beta hat mich nicht erfreut. Wir müssen zuerst über bescheidene zehn Tage Vaterschaftsurlaub abstimmen und dafür eine Mehrheit im Volk finden.»

Und weiter: «Wir dürfen mit der Diskussion über die Elternzeit nicht den Vaterschaftsurlaub gefährden.» Die Leute dürften nicht das Gefühl bekommen, dass wir über die Elternzeit abstimmen. Wüthrich warnt auch davor, sich einer Illusion hinzugeben. Denn: Allein die Diskussion über den Vaterschaftsurlaub dauert seit zwölf Jahren an.

«Sie warnen vor weiteren Lohnabzügen.»

Verschiedene Organisationen und auch Public Beta diskutieren zusammen über eine Volksinitiative zur Elternzeit. Vieles ist allerdings noch unklar, die Lancierung ist 2021 geplant.

Die Unterschriftensammlung gegen den Vaterschaftsurlaub war kein Selbstläufer. Der Abstimmungskampf dürfte für die Referendumsführer schwierig werden, zumal weder der Arbeitgeberverband noch der Gewerbeverband im Abstimmungskampf ein Nein vertreten werden. Wüthrich sagt, die Gegner würden aus einer Maus einen Elefanten machen: «Sie warnen vor weiteren Lohnabzügen, die nicht Gegenstand der Vorlage sind und für die es im Parlament keine Mehrheit gibt.»

Die Diskussionen um die Elternzeit sind deshalb Wasser auf die Mühlen der Gegner. Es ist wohl kein Zufall, dass Public Beta ein Modell präsentiert, aber nichts zur Finanzierung und den Kosten sagt.

Die Verfechter des Vaterschaftsurlaubes forderten mit ihrer Initiative eigentlich vier Wochen. Sie haben die Initiative nur bedingt zurückgezogen. Will heissen, falls die Stimmbevölkerung den zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub ablehnen würde, könnten die Initianten im Prinzip ihre Initiative reaktivieren und sie vors Volk bringen.

«Das würde allerdings keinen Sinn machen», sagt Wüthrich. Das müssten sich auch jene überlegen, welche über ein «progressives Nein» nachdenken würden. Weil sie das Gefühl haben, der Vaterschaftsurlaub zementiere alte Rollenbilder und gehe zu wenig weit. (aargauerzeitung.ch)

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