Schweiz
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epa01408247 A peer coordinator of Chaitanya AIDS Prevention Mahila Sangha (R) demonstrates the method of using a condom for safe sex to her 'Devadasi' counterparts during a camp on health education held regularly for Devadasis of Kalaadagi village, in Belgaum District, situated in the northern part of Karnataka, India, 02 July 2008. Chaitanya AIDS Prevention Mahila Sangha is an non-governmental organisation (NGO) which started in 2001. Today, it has about 5,400 sex workers who are mostly Devadasis as its beneficiaries. The Sangha gives Devadasis training on various aspects of HIV/AIDS and its prevention, issues of sex and sexuality, negotiating condom use, mobilising the community, treatment, counselling, education and empowerment. It also has provided Devadasis access to micro-credit with more than 40 self-help groups.  EPA/MANJUNATH KIRAN

Frauen in Indien werden im Gebrauch eines Kondoms unterwiesen. Bild: EPA

Umstrittene Initiative

Ecopop und Entwicklungshilfe: 200 Millionen für Aufklärung und Kondome?

Die Ecopop-Initiative verlangt, dass die Schweiz zehn Prozent ihrer Entwicklungshilfe für Familienplanung einsetzt. Ein Experte und Hilfswerke halten wenig von dieser Idee.



Der Ständerat behandelt am Mittwoch die Volksinitiative «Stopp der Überbevölkerung», die vom Verein Umwelt und Bevölkerung (Ecopop) Ende 2012 eingereicht wurde. Bereits im Vorfeld sorgte das Volksbegehren für viel Wirbel, denn es will die Zuwanderung in die Schweiz auf jährlich 0,2 Prozent der Bevölkerung beschränken. Es geht damit deutlich weiter als die Initiative «gegen Masseneinwanderung», die am 9. Februar knapp angenommen wurde.

Häufig übersehen wird dabei, dass die Initiative einen entwicklungspolitischen Teil hat. Sie will das Bevölkerungswachstum nicht nur in der Schweiz, sondern global bekämpfen. Dazu soll der Bund zehn Prozent seiner Entwicklungshilfe-Gelder in die «freiwillige Familienplanung» investieren. Gemeint sind laut Ecopop «verbesserte Aufklärung und der Zugang zu Verhütungsmitteln». Die Vereinigung beruft sich auf ihrer Website auf die Uno, welche die «freiwillige Familienplanung» bereits 1968 als «grundlegendes Menschenrecht» definiert hat.

Unterschriftensammler waehrend der Einreichung der Ecopop Initative,

Ecopop-Mitglieder bei der Einreichung der Initiative. Bild: KEYSTONE

Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit des Bundes (Deza) unternimmt in diesem Bereich schon heute einiges, sie hat im letzten Jahr knapp 70 Millionen Franken für «sexuelle und reproduktive Gesundheit» aufgewendet. Dies beinhaltet «ein befriedigendes, gefahrloses Sexualleben sowie die freie Entscheidung, ob, wann und wie oft jemand Kinder hat». In Zukunft wären es bis zu 200 Millionen Franken.

Die Idee leuchtet auf den ersten Blick ein: In vielen Entwicklungsländern gibt es ein hohes Bevölkerungswachstum und eine hohe Kindersterblichkeit. Dies hemmt die Entwicklung. Warum also nicht in Kondome und Aufklärung investieren?

Bildung wichtiger als Verhütung

«Der Ansatz von Ecopop ist überholt, er stammt aus den 1970er Jahren», meint Oliver Thommen. Er ist Mitglied des Arbeitsgruppe Entwicklungspolitik beim aussenpolitischen Thinktank foraus und hat sich mit der Ecopop-Initiative auseinandergesetzt. Es sei sicher richtig, dass die Menschen in den Entwicklungsländern ihre Familienplanung selber gestalten. Doch wichtiger als Verhütung und Aufklärung seien «Bildung und der Aufbau einer Zivilgesellschaft», sagt Thommen. Der Bund sei in diesem Bereich bereits stark engagiert.

«Der Ansatz von Ecopop ist überholt, er stammt aus den 1970er Jahren.»

Oliver Thommen, foraus

«Der Entscheid für viele Kinder beruht selten auf Freiwilligkeit, sondern ist Ausdruck einer wirtschaftlichen Zwangslage und Rechtlosigkeit», schreibt die entwicklungspolitische Dachorganisation Alliance Sud in einer Stellungnahme zur Ecopop-Initiative. Nicht zuletzt wegen der hohen Säuglingssterblichkeit hätten die Menschen viele Kinder, ergänzt Oliver Thommen im Gespräch mit watson: «Was die Fruchtbarkeit am wirksamsten senkt, ist der Wandel von einer agrarischen zu einer technologischen, industrialisierten Gesellschaft mit guten Bildungschancen.»

Positives Beispiel Iran

Als Beispiel erwähnt Thommen Iran. Das islamisch-konservative Land konnte dank besserer Bildung der Frauen die Geburtenrate in den letzten 40 Jahren dramatisch senken. Heute gibt es an den iranischen Universitäten deutlich mehr Frauen als Männer. Das Hilfswerk Caritas setzt in einem Positionspapier ähnliche Akzente: «Die wichtigste Voraussetzung für die Senkung der Geburtenrate in Afrika ist die Stärkung der Stellung der Frau.»

In this photo issued by the semi-official Iranian Students News Agency (ISNA),  a unidentified woman fills in an examination paper during the university entrance examination, in Tehran, Iran, Thursday, June 25, 2009. (AP Photo/ISNA, Mona Hoobehfekr) ** EDITORIAL USE ONLY -- EDITORS NOTE AS A RESULT OF AN OFFICIAL IRANIAN GOVERNMENT BAN ON FOREIGN MEDIA COVERING SOME EVENTS IN IRAN, THE AP WAS PREVENTED FROM INDEPENDENT ACCESS TO THIS EVENT AND AS A RESULT IS DISTRIBUTING THIS IMAGE FROM AN OFFICIAL SOURCE **

Studentinnen in Iran: Dank besserer Bildung wurde die Geburtenrate dramatisch gesenkt. Bild: AP ISNA

Die Ecopop-Initianten räumen ein, dass Förderung und Besserstellung der Frauen wichtig seien. Doch sie drehen den Spiess quasi um: «Erst wenn auch Aufklärung und Verhütungsmittel zur Verfügung stehen, können sich Frauen voll bilden und selbstbestimmt leben.» Für die Caritas und andere Kritiker betreibt Ecopop damit Symptombehandlung.

Oliver Thommen von foraus verweist darauf, dass das weltweite Bevölkerungswachstum ohnehin rückläufig sei. Länder wie Russland, China und Japan befänden sich sogar in einem Schrumpfungsprozess. «Mit der Alterung der bevölkerungsstarken Jahrgänge wird dieser Prozess auch bei uns mit Verzögerung einsetzen», sagt Thommen.

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