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Roger Schawinski, Journalist und Unternehmer, spricht an einem Interview am Donnerstag, 10. Februar 2011 im Studio seines Radiosenders Radio1 in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Bild: KEYSTONE

Schawi, Opfer des Rotstifts

Das erstaunlich versöhnliche Ende von Roger Schawinskis Hassliebe zur SRG.

christian mensch / schweiz am wochenende



Es hätte andere Gründe gegeben, die Talksendung «Schawinski» aus dem Programm von SRF zu nehmen. Roger Schawinskis fortgeschrittenes Alter (74) konnte im vergangenen Jahr jedoch kein Argument sein, nachdem er sich fulminant für die SRG und gegen die «No Billag»-Initiative eingesetzt hatte. Auch die Rüge des Ombudsmannes in diesem Sommer, er habe im Interview die «Menschenwürde» seines Gastes Salomé Balthus verletzt, durfte nicht zum Schlussstein seiner TV-Karriere werden. Nun sind es wöchentlich 15000 Franken, die den Ausschlag geben: So viel spart SRF, wenn es «Schawinski» nach über acht Jahren einstellt.

Es ist ein Abschied der Versöhnung. Schawinski lässt ausrichten, er habe Verständnis, «vor allem weil offenbar ein extrem grosser Spardruck besteht». In Minne endet damit eine grosse Liebes- und Hassgeschichte, die ihn mit der SRG verbindet.

1969 stieg Schawinski bei der «Rundschau» in den Journalismus ein. Er hatte sich zuvor beim Leiter Information über einen, wie er meinte, «unterirdischen» Beitrag zu den Studentenunruhen an US-Universitäten beklagt. Als Dank dafür wurde er als Reporter engagiert. Vier Jahre später entwickelte er das Konzeptfür den «Kassensturz», der 1974 mit ihm als Sendeleiter und Moderator erstmals ausgestrahlt wurde. Zwei Jahre später verabschiedete er sich vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk, um erst 34 Jahre später wieder zurückzukehren.

In seiner langen Zeit ausserhalb der SRG war Schawinski zunächst Chefredaktor der Migros-Zeitung «Tat», bevor er selbst unternehmerisch tätig wurde. Auf «Radio 24» (1979), das ihn zum «Radiopiraten» machte, kamen «Opus Radio» (1989), «Tele Züri» (1994) und «Tele24» (1998). Er amtete in Berlin als Geschäftsführer von «Sat1» (2003–2006), um mit «Radio 1» (2008) wieder in die Schweiz und zum Radio zurückzukehren.

Die Rückkehr des verlorenen Sohnes

Sowohl mit «Radio24» als auch mit «Tele Züri» hat sich Schawinski zum eigentlichen Gegenspieler der SRG gemacht. Er nahm sich dabei Freiheiten, die er sich im Spiel des David gegen den Goliath auch zu nehmen getraute. In der Auseinandersetzung mit dem SRG-Generaldirektor Armin Walpen wurde es jedoch persönlich. Walpen habe es ihm schon als Abteilungsleiter der Bundesverwaltung schwer gemacht, als er «Radio24» gründete. Als SRG-Chef habe er dann die Entwicklung eines sprachregionalen privaten Fernsehens torpediert, schreibt Schawinski in seiner Autobiografie «Wer bin ich?», die er sich zum 70. Geburtstag schenkte.

2011 holte ihn der damalige Chef Ruedi Matter zu SRF zurück. Kurz darauf wurde mit Roger de Weck einer seiner Vertrauten SRG-Generaldirektor. In der Biografie verspricht Schawinski, «wenn es so weit ist, werde ich loslassen». Ganz loslassen muss er noch nicht. Noch immer besitzt er ein Radio, auf dem er (sich) beweisen kann, dass er es noch draufhat.

Medienpionier Roger Schawinski

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Raem 30.09.2019 18:42
    Highlight Highlight Endlich! Es war an der Zeit, dass man Schawi den Stecker zieht. Seine voreingenommene Art, die Interviewpartner zu attackieren oder zu loben , war unterirdisch. Wer nicht seinem Weltbild entsprach, versuchte er in eine Ecke zu drängen, was nicht immer gelang - she Andreas Thiel. Auf der andern Seite, lobte er so viel, dass Viktor Giaccobo ganz erstaunt war, dass er nicht kritischer befragt wurde. Alles in allem - kein Verlust!
  • Saerd neute 30.09.2019 10:33
    Highlight Highlight Schawi ist einer der mit dem Alter nicht weiser wurde, nur frecher
  • WID 30.09.2019 08:51
    Highlight Highlight Roger Schawinski war und ist eine Bereichrung für Zürich. Danke.
  • Bambulee 30.09.2019 08:44
    Highlight Highlight Das wurde auch zeit!
  • bytheway 30.09.2019 08:09
    Highlight Highlight Schawi, Opfer seiner selbst!!
  • no-Name 30.09.2019 07:49
    Highlight Highlight 15000 liess sich die SRG den Typen wöchentlich kosten?!? Was hat den der für einen Mitarbeiterstab?

    15000 wöchentlich damit ein unangenehmer Typ seinen Narzissmus ausleben kann???

    Ich meine: Ein Tisch, Zwei Stühle, etwas Licht und 2 Kameras hätten gereicht. Den Ton hätte man von Anfang an Weglassen können.
  • Jacky Treehorn 30.09.2019 07:33
    Highlight Highlight Viktor der bessere Roger

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  • Zeit_Genosse 30.09.2019 07:17
    Highlight Highlight Mit Spardruck konnte man etwas aus der Zeit gekommenes für beide Seiten elegant beenden. Gute Sprachregelung aus PR-Sicht.
  • Pet R. Pan 30.09.2019 06:51
    Highlight Highlight Glaube kaum, dass er noch lange weiter gemacht hätte...
  • Karl Marx 30.09.2019 06:35
    Highlight Highlight Schawinski war eine der günstigsten Sendungen, wenn Spardurck der Grund für den Stopp ist, darf die Sendung, welche den Sendeplatz einnimmt aber nicht teurer sein.
  • sa5 30.09.2019 06:14
    Highlight Highlight Interessanter Mensch, grossartige Karriere, alles was er tat endete im seichten Sauglattismus.
    Roger Schawinski: Man kann ihn lieben oder hassen. Oder beides auf's mal.
  • Max Dick 30.09.2019 06:11
    Highlight Highlight Ist auch bei uns in der Firma so. Leute, die es nicht mehr braucht, oder die einfach schlecht sind, fallen jeweils dem "Spardruck" zum Opfer.
    • Hoodie Allen 30.09.2019 08:40
      Highlight Highlight Und wo ist nun das Problem? Willst du einen schlechten MA bis zur Pension durchfüttern und jedes Jahr mit einer Lohnerhöhung belohnen? Das mag in der öff. Verwaltung Gang und Gäbe sein, in der Privatwirtschaft jedoch unvorstellbar!
    • wir-2 30.09.2019 08:51
      Highlight Highlight I7
    • Max Dick 30.09.2019 10:18
      Highlight Highlight Hoodie Allen: Das korrekte intepretieren von Kurzkommentaren ist nicht die Stärke eines Jeden. Kein Problem.
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