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Brauchen eritreische Asylbewerber eine Dienstleistung von ihrem Konsulat in der Schweiz, wird eine Einkommensteuer fällig. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Totalitäres Regime

Eritrea treibt Steuern bei Flüchtlingen in der Schweiz ein – auch von Sozialhilfeempfängern

Auch wenn ihnen die Flucht gelungen ist, werden Eritreer in der Schweiz weiter durch das totalitäre Regime in ihrer Heimat drangsaliert: Es zwingt sie zu Schuldeingeständnissen und Steuerabgaben. 



Die Eritreer bilden mittlerweile die grösste Gruppe unter den Asylsuchenden in der Schweiz. Die eritreische Diaspora zählt mittlerweile mehr als 20'000 Männer, Frauen und Kinder. Sie flüchteten, weil sie verbotenerweise aus dem Militär ausgetreten sind, weil sie das Regime kritisiert oder einer staatlich nicht anerkannten Religionsgruppe angehören. 

Doch die harte Hand des eritreischen Regimes erreicht die Flüchtlinge bis in die Schweiz: So treibt das Generalkonsulat in Genf bei Flüchtlingen regelmässig Einkommenssteuern ein. Mehrere Tausend Eritreer würden die sogenannte Zwei-Prozent-Steuer zahlen, erzählt ein Betroffener der «NZZ am Sonntag»

Über UBS-Konto ans eritreische Regime

Die Zahlungen betragen zum Teil mehrere Tausend Franken. Weil viele Eritreer in der Schweiz keine Arbeit haben, begleichen sie die Steuerschulden mit Geld aus der Sozialhilfe. Das Generalkonsulat verschiebt die Steuergelder dann über ein Konto bei der UBS in Zürich ans eritreische Regime, wie die «NZZ am Sonntag» mit Verweis auf Dokumente schreibt.

Die Entrichtung der Zwei-Prozent-Steuer, zum Teil aber auch die Unterzeichnung eines sogenannten «Letters of Regret» sind Voraussetzungen dafür, dass eritreische Flüchtlinge zurück in ihre Heimat reisen können. Das eritreische Generalkonsulat unterstützt die Reisenden und rät ihnen, mit hiesigen Reisepapieren nach Italien, Ägypten und in den Sudan zu fliegen, auf den dortigen eritreischen Botschaften eritreische Pässe oder Identitätskarten zu beziehen und mit diesen weiter in ihre Heimat zu reisen.

Konsularische Dienstleistungen nur gegen Steuer

Reisen zurück in den Verfolgerstaat sind für Asylsuchende nicht vorgesehen, und könnten einen Widerruf des Asylstatus zur Folge haben. Weil aber dank den Umwegen in den Schweizer Papieren keine Stempel von eritreischen Grenzbehörden auftauchen, bleiben die Reisen dem Bundesamt für Migration verborgen. 

Wie eine Person aus dem Grossraum Zürich gegenüber der Zeitung schätzt, bezahlen rund 3'000 der 20'000 Eritreer in der Schweiz die Zwei-Prozent-Einkommenssteuer. Manche würden sie freiwillig bezahlen, viele unter Druck und sehr viele, weil sie vom Generalkonsulat Dienstleistungen wie Pässe, Identitätskarten, Todesscheine, Erbschaftsverträge oder Ähnliches brauchen. (rar)

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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 18.12.2014 12:42
    Highlight Highlight Im nächsten Jahr werden es noch mehr Bootsflüchtlinge versuchen nach Europa zu gelangen. Unter anderem deswegen, weil man jetzt als abgelehnter Asylbewerber z. B. in Deutschland Aussicht auf dauerhaftes Bleiberecht hat. Ende 2013 hielten sich alleine in Deutschland 533.561 abgelehnte Asylbewerber auf, von denen die Mehrheit jetzt eine Aussicht auf dauerhaftes Bleiberecht hat. Da lohnt sich die einmalige Investition von 5000-10000 Euro pro Mann, die im Voraus an die Schlepper zu zahlen sind allemal.
  • christianlaurin 14.12.2014 11:33
    Highlight Highlight Ok bin ich blöd? Ich finde Leute die von ihrer Heimat gedrängt werden sollten Asyl bekommen. Aber hier ist die Frage, wenn jemand 2% Steuer bezahlt und sucht nach seine Papiere dann ist dieser Person kein Asyl Fall. Dieser Person ist dann ein Immigratione Fall. Bitte nicht mit der Antwort das sie vielleicht wenn das Regime weg ist wieder zurück gehen können. Weil wenn es ein Regime wechsle gibt kann jemand auch neu handeln.Wie ich gefragt habe, bin ich blöd?
    • Aslan 14.12.2014 12:55
      Highlight Highlight Deine Frag lässt sich mit 2 Buchstaben beantworten.
    • christianlaurin 15.12.2014 00:03
      Highlight Highlight Nö? Super dann sind sie auch meine Meinung? Wenn nicht bitte erklär mal warum ich blöd bin. Wie gesagt ich bin nicht gegen Asyl. Ich bin gegen Asyl Missbrauch.

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