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Gesundheit

Giftnotruf: Die Zukunft der Nummer 145 des Giftnotrufs ist unklar

Mehr Anrufe, unklare Zukunft: Giftnotruf unter Druck

Die Anfragen beim Giftnotruf 145 steigen. Im letzten Jahr gingen durchschnittlich 123 Anrufe pro Tag ein. Gleichzeitig bleibt die langfristige Finanzierung offen.
23.02.2026, 21:3323.02.2026, 21:33
Vera Leuenberger
Vera Leuenberger

Ein Schluck aus der falschen Flasche, ein Griff zum falschen Pilz, eine Verwechslung von Pflanzen: Vergiftungen passieren schneller als gedacht. In diesen Momenten hilft es, zum Telefon zu greifen und die Nummer 145 zu wählen. Der Giftnotruf der Stiftung Tox Info Suisse bietet rund um die Uhr und kostenlos Beratung zu Vergiftungen.

Anfragen zu Medikamenten: Die häufigste Ursache für Anrufe beim Giftnotruf 145.
Anfragen zu Medikamenten: Die häufigste Ursache für Anrufe beim Giftnotruf 145.Bild: getty images

Im Jahr 2025 gingen rund 44‘700 Anfragen ein, das sind durchschnittlich 123 pro Tag und damit mehr als noch im Vorjahr. Die Zahl der Anrufe steigt von Jahr zu Jahr: «Die Leute sind heute viel schneller verunsichert und suchen Rat», sagt der Arzt Josef Widler, Stiftungsratspräsident von Tox Info Suisse.

Während die Nachfrage kontinuierlich steigt, bleibt offen, wie das Angebot langfristig finanziert werden soll. Dank des Entscheids des Parlaments, dass der Bund einen Zustupf von 1,1 Millionen Franken leisten muss, ist der Betrieb vorerst für 2026 gesichert.

Finanzierung bleibt unsicher

Darüber hinaus braucht es eine längerfristige Finanzierungsstrategie – und mehr Geld: «Der Personalbestand ist seit Jahren knapp, einige Stellen sind nicht besetzt und die Löhne liegen unter dem Marktwert», sagt Josef Widler. Die Stiftung habe hauptsächlich dank des finanziellen Zustupfs der Kantonalen Gesundheitsdirektorenkonferenz überlebt.

Das Problem der Finanzierung zeichnet sich schon lange ab. Seit rund 20 Jahren liegt die Zuständigkeit beim Bund. Eine Lösung, woher der Giftnotruf die Mittel künftig nehmen soll, habe der Bund «versäumt», kritisiert Widler.

Diese Kritik weist das Bundesamt für Gesundheit (BAG) indirekt zurück und verweist auf die geplanten Massnahmen: Das BAG vertritt weiterhin die Meinung, dass die bewährte Finanzierung durch Private und die öffentliche Hand die richtige Lösung sei.

Auf die Frage nach konkreten Hürden bei der Sicherstellung einer langfristigen Finanzierung wollte sich das BAG nicht äussern. Denkbar wäre laut Behörde auch eine Beteiligung der Krankenkassen oder anderer Akteure im Gesundheitswesen.

Eine Delegation von Aerztinnen und Aerzten der Aerztegesellschaft des Kantons Zuerich AGZ, angefuehrt von deren Praesident Josef Widler, links, schreitet ueber den Wochenmarkt zum Bundesplatz, um in e ...
Der Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich, Josef Widler.Bild: KEYSTONE

«Zu kompliziert», findet Widler. Auch die Beschaffung der Mittel über die Privatwirtschaft sicherzustellen, findet er «unrealistisch». Widler bezweifelt, dass Chemieunternehmen bereit wären, sich an der Finanzierung von Tox Info Suisse zu beteiligen. Über die künftige Finanzierung herrscht weiterhin Uneinigkeit.

Bis April läuft eine externe Wirtschaftlichkeitsprüfung, die allfälliges Sparpotenzial aufzeigen soll. Widler sagt: «Tox Info Suisse hat über die Jahre gut gehaushaltet, es wird sich zeigen, dass eine Erhöhung des Budgets überfällig ist.»

Beratung, Prävention und Entlastung

Unbestritten ist der Auftrag, den die Auskunftsstelle erfüllt. Tox Info Suisse ist mehr als ein Notruf: Die Stiftung berät auch medizinisches Fachpersonal, führt eine nationale Datenbank zu Giftstoffen, wertet Vergiftungsfälle aus und unterstützt Behörden bei Risikoabschätzungen. Damit trägt sie zur Prävention bei und entlastet das Gesundheitssystem.

«In 90 Prozent der Fälle können wir die Menschen beruhigen und entwarnen», sagt der erfahrene Arzt Widler. Ihnen werde geraten, die Situation zu beobachten und erst einen Arzt oder den Notfall aufzusuchen, wenn sich Auffälligkeiten zeigen.

Pilze sammeln im Herbst
Den falschen Pilz gegessen? Der Giftnotruf 145 berät bei Fragen zu Vergiftungen.Bild: Shutterstock

Wie in den Vorjahren betrafen rund 40 Prozent der Anfragen Kinder im Vorschulalter, meist nach unbeabsichtigten Vergiftungsunfällen. Bei Jugendlichen, die rund sechs Prozent der Anrufe ausmachen, stehen hingegen beabsichtigte Vergiftungen im Vordergrund, insbesondere Suizidversuche.

Am häufigsten ging es 2025 bei den Anfragen um Medikamente (36 Prozent) und Haushaltsprodukte (22 Prozent). Weitere Vergiftungsursachen waren unter anderem Pflanzen (9 Prozent), Genussmittel, Drogen und Alkohol (4 Prozent) sowie Pilze (2 Prozent).

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