Schweiz
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Geändertes Gleichstellungsgesetz: Schweizer Unternehmen müssen Löhne kontrollieren



Die grössten Unternehmen der Schweiz haben ab 1. Juli ein Jahr Zeit, die Löhne ihrer angestellten Frauen und Männer auf Diskriminierung zu kontrollieren. Das geänderte Gleichstellungsgesetz tritt an diesem Datum in Kraft.

Die Revision kommt 39 Jahre nach der Festlegung der Gleichheit von Frau und Mann in der Bundesverfassung. Ein Ende der Ungleichheiten beim Lohn ist damit aber nicht erreicht. Das vom Parlament verabschiedete Gesetz sieht keine Sanktionen vor.

Lohngleichheit wird - wie hier an einer Kundgebung 2013 - am Frauenstreiktag aufs Tapet kommen. Sehr zu Recht, wie eine neue Studie des Bundesamts für Statistik zeigt. (Archivbild)

Ein wichtiges Anliegen der Gewerkschaftsfrauen: Lohngleichheit. Bild: KEYSTONE

Zudem unterstehen nur 0.9 Prozent der grössten Unternehmen in der Schweiz der Kontrollpflicht ab 100 Beschäftigten. Bei diesen Unternehmen arbeiten allerdings 46 Prozent aller Angestellten.

Die Unternehmen müssen ihre Analysen innert Jahresfrist vorlegen. Die Analysen sind anschliessend alle vier Jahre zu wiederholen, wenn die erste unerklärliche Ungleichheiten bei den Löhnen ergab.

2032 ausser Kraft

Über die Analyse müssen die Unternehmen ihre Angestellten informieren. Das Gesetz ist nach dem Willen des Parlaments auf zwölf Jahre befristet. Neun Jahre nach Inkrafttreten soll es überprüft werden und am 1. Juli 2032 erlöschen.

Auch die Bundesverwaltung nimmt ihre Löhne unter die Lupe. In ihrer Vorbildfunktion kontrolliert sie alle ihre Einheiten mit mehr als 50 Beschäftigten. Zudem untersucht Bundesbern die Löhne alle vier Jahre, auch wenn die erste Kontrolle keine unerklärliche Ungleichheiten gezeigt haben sollte.

Auf einem Bildschirm wird das Ergebniss der Abstimmung zur Vorlage Heirat fuer alle angezeigt waehrend der Sommersession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 11. Juni 2020 im Nationalrat in einer Ausstellungshalle von Bernexpo in Bern. Damit das Parlament die vom Bundesrat verordneten Verhaltens- und Hygieneregeln zur Bekaempfung der Covid-19 Coronavirus Pandemie einhalten kann, findet auch die Sommersession in Bernexpo und nicht im Bundeshaus statt. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Das Parlament hat das Gesetz auf zwölf Jahre befristet. Bild: keystone

Wie die dem Gesetz unterstellten Unternehmen, muss sich die Bundesverwaltung an eine anerkannte Revisionsgesellschaft wenden. Das System für die Analyse können die Unternehmen selbst wählen, solange es anerkannt ist. Der Bund stellt ihnen ein Gratisinstrument zur Verfügung, das die Verwaltung bereits benutzt.

Die ursprüngliche Gesetzesvorlage des Bundesrats war ehrgeiziger als die vom Parlament verabschiedete Version. Die Landesregierung wollte die Kontrollschwelle bei 50 Angestellten ansetzen. Damit wären zwei Prozent der Unternehmen dem Gesetz unterstellt worden.

Unerfüllter Verfassungsartikel

Der Gleichstellungsartikel steht seit 1981 in der Bundesverfassung. Darin ist der Grundsatz verankert, wonach für gleiche Arbeit der gleiche Lohn zu entrichten ist. Das darauf basierende Gleichstellungsgesetz trat 1996 in Kraft. Es konkretisiert die Gleichstellung im Arbeitsleben, verbietet jegliche Diskriminierung und sichert die Chancengleichheit.

Frauen verdienen indessen immer noch weniger als Männer. Der Lohnunterschied betrug gemäss der Lohnstrukturerhebung 2018 durchschnittlich 12.5 Prozent. Für den privaten Sektor wurde auf die Medianlöhne gesehen ein Unterschied von 14.6 Prozent berechnet. Damit arbeiteten die Frauen dort 2020 bis am 22. Februar gratis. (sda)

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39
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    Alle Leser-Kommentare
  • MaPhiA 28.06.2020 13:30
    Highlight Highlight deine aussage ist sehr aus der luft gegriffen... bei der post sind zBsp das schalterpersonal (mehrheitlich weibliches personal) lohntechnisch höher eingestuft, als wie die kollegen von der zustellung (vorwiegend männer, abgesehen von tza)... somit herrscht eher eine diskriminierung der berufsgattung, da jeder bereich auf seine weise eine hohe leistung erbringt, die zum erfolg des betriebes führen, aber sich nur durch den ausbildungsweg und die durchzuführende arbeit unterscheidet...
    • MaPhiA 28.06.2020 17:03
      Highlight Highlight Ähm... mein kommentar wurde galub falsch aufgeschaltet...🤔 es soltte eine antwort auf den kommentar von ''Ökonometriker'' sein...
  • HugoBalls 28.06.2020 11:44
    Highlight Highlight Gibt auch Firmen, bei denen alle gleich viel verdienen. Branchen abhängig natürlich. Aber wenn am Ende des Tagesgeschäfts jeder gleich arbeitet, ob studiert oder nicht, macht es wenig Sinn, differenziert zu entlöhnen.
  • Ökonometriker 28.06.2020 11:32
    Highlight Highlight Bei den Unternehmen wird sich kein Unterschied finden lassen, da ist der Diskriminierungszug bereits abgefahren. Diskriminierung beginnt bei der Ausbildung - Frauen erlernen tendenziell Berufe mit tieferen Einkommen.

    Hier sollte bereits in der Schule angesetzt und mehr über die Karriere und die Struktur der Wirtschaft gesprochen werden. Dann können sich die Schüler auch informiert für einen Beruf entscheiden.
    • Phillsen 28.06.2020 11:50
      Highlight Highlight Kollege das funktioniert nicht. Die egalitärsten Länder haben die grössten Unterschiede bei der Berufswahl von M/W.
      M/W haben im Durchschnitt einfach unterschiedliche Interessen. Ganz grob zusammengefasst interessieren sich Männer eher für skalierbare Jobs als Frauen. Und damit ist der Einkommensunterschied zementiert. Das für gleiche Arbeit unterschiedliche Löhne gezahlt werden sollten wir als Arbeitnehmer aber tatsächlich gemeinsam bekämpfen.
      Den größten W-Anteil in “M-Jobs” hatte die UDSSR durch zwang.
      Die ganzen (von&für Frauen gemachten) Förderprogramme bewirken kaum etwas.
    • RicoH 28.06.2020 11:55
      Highlight Highlight Es geht darum, dass Frauen für den GLEICHEN Job gleichviel verdienen, wie Männer.
      Daher ist dein Kommentar Quatsch.
    • kerisma 28.06.2020 11:55
      Highlight Highlight Ich seh das anders. Mit deinem Ansatz entschieden sich vielleicht mehr Schüler*innen für besser bezahlte Berufe. Ich fände es besser, an der Bezahlung (und damit: Wertigkeit) von Berufen anzusetzen und "schlecht bezahlte" aufzuwerten. Weshalb sollten sich Schüler*innen nicht für z. B. Sozialberufe entscheiden? Was ist an MINT "besser"? Insbesondere nach der Diskussion über systemrelevante Tätigkeiten während der Pandemie könnte man doch beginnen, solche Berufe attraktiver zu bezahlen und auch für Männer aufzuwerten. Gerade in der Pflege würden viel mehr davon gebraucht.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Yella 28.06.2020 11:29
    Highlight Highlight Wir bezahlen unsere Löhne nach Erfahrung, Bildungsgrad und Alter. Eine Unterscheidung betr. Geschlechter gibt es bei uns nicht. Was wir haben ist eine 80/20% Verteilung der Kaderpositionen zugunsten der männlichen Kollegen. Diese haben wir analysiert und es hat sich gezeigt, dass die Familienbetreuung ‚zu Lasten’ der Frau die Hauptursache ist. Viele meiner jüngeren, gut ausgebildeten Teamkolleginnen reduzieren nach der Familiengründung ihr Pensum, freiwillig! und dadurch verschlechtern sich die Chancen auf eine höhere Stellung, da diese meistens ein 100% Pensum voraus setzen.

    • Macke 28.06.2020 13:35
      Highlight Highlight Unterstützt dein Unternehmen Lösungen, die es ermöglichen, Kinder und Karriere unter einen Hut zu bringen, z. B. erleichterter Zugang zu Betreuungsmöglichkeiten, Teilzeit aktiv auch Männern anbieten, Home-Office, Job-Sharing? Ist der Lohn der Frauen gleich hoch wie der der Männer, so dass sie eine Familie ernähren könnten?
    • ChillDaHood 28.06.2020 13:58
      Highlight Highlight Es braucht eine Unterstützung von teilzeitarbeitenden Vätern und Müttern. Ansonsten ist die einzige Wahl von werdenden Eltern, ob man eine oder zwei Karrieren riskiert. Daher wohl die geschätzten 80% der Familien, die sich für die Wahl von "Papa macht Karierre, Mama Abstriche" entscheidet, weil Mama eben schon mal am Anfang unersetzlich ist (Stillen, empfohlen 6 Monate, Mutterschaftsurlaub ca 3 Monate und eine Woche) während Papa einen Witz von einem Tag bekommt. Klar kann man auch anders, aber das System fördert massiv diesen Entscheid. HIER muss der Hebel angesetzt werden!
    • Yella 28.06.2020 19:50
      Highlight Highlight @Macke - leider eher weniger. Wir bieten Teilzeit an dies aber eher für die ‚normale Belegschaft‘. Von Teamleitern und Kadermitarbeitern wird vom Managementteam ein 100% Pensum erwartet und auch nicht die Möglichkeit eines Job- Sharing in Betracht gezogen. Bei Home- Office ist man etwas flexibler geworden, vor Corona max 20% heute 40%. Und zuletzt ja, wir haben Frauen mit hohen Gehältern welche damit durchaus eine Familie gut ernähren könnten.

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  • walsi 28.06.2020 11:14
    Highlight Highlight Ich wäre dafür, dass die Unternehmen verpflichtet sind die Löhne aller Angestellter intern zu kommunizieren. Wenn dann eine Frau sieht, dass sie weniger verdient als ihr männlicher Kollege kann das Problem gelöst werden. Ich sehe keinen logischen Grund weshalb man das nicht machen soll.
    • Kronrod 28.06.2020 11:43
      Highlight Highlight Ein logischer Grund dafür wäre, dass es sehr viele Mitarbeiter unzufrieden machen würde, denn genauso wie jeder denkt, er sei ein überdurchschnittlich guter Autofahrer, denkt auch (fast) jeder er sei ein überdurchschnittlich guter Mitarbeiter und müsse deshalb auch überdurchschnittlich gut verdienen.
    • Ribosom 28.06.2020 11:58
      Highlight Highlight Ich stimme Kronrod zu. Mich persönlich interessiert es zwar sehr, was meine Kollegen verdienen. Dann sehe ich, wo ich stehe und mit welchem Lohn ich zukünftig rechnen könnte.
      Leider gibt es Mitarbeiter, die seit 20 Jahren in der Firma arbeiten und sehr viel weniger Lohn bekommen als ich (seit 2 Jahren dort). Wenn sie es wüssten, was ich verdiene, wäre bei uns Drama angesagt.
      Tabellen, bei denen die Löhne nach Region, Erfahrung und Ausbildungsgrad aufgelistet sind, gibt es ja schon teilweise. Dies könnte man weiter ausarbeiten und verbessern. Aber nicht Firmenintern.
    • walsi 28.06.2020 14:28
      Highlight Highlight @Kronkord: Das ist kein logischer Grund, das ist eine emotionale Begründung.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Kronrod 28.06.2020 11:12
    Highlight Highlight Die Tatsache, dass Frauen im Durchschnitt weniger verdienen als Männer, ist kein Beweis dafür, dass der Grundsatz "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" verletzt wurde. Frauen führen im Durchschnitt nämlich auch andere Arbeiten aus als Männer.
    • IZO 28.06.2020 11:20
      Highlight Highlight Genau. Arbeit die weniger Wert ist?!?!?!?!?
    • walsi 28.06.2020 11:24
      Highlight Highlight @Kronrod: Stimmt, aber das interessiert die Leute nicht. Man pflegt lieber seine Feindbilder weiter.
    • lilie 28.06.2020 11:34
      Highlight Highlight @Kronrod: Deshalb redet man ja von "unerklärten Lohnunterschieden".
    Weitere Antworten anzeigen
  • Dageka 28.06.2020 10:30
    Highlight Highlight Am besten wäre es, wenn alle Angestellten öffentlich über ihren Lohn reden würden. Dann kann man am besten einschätzen, ob der Lohn gerechtfertigt ist oder nicht.
    • Random Striker 28.06.2020 10:55
      Highlight Highlight Nicht nur reden würden, sondern sorgenfrei dürften: Leider ist es mancherorts gang und gäbe, dass Mitarbeitende und je nachdem deren Chefs sanktioniert werden, wenn sie - völlig rechtens und ohne jegliche vertragliche Geheimhaltungsverpflichtung - ihre Löhne offenlegen. Wir reden hier genauso von Konzernen im SMI wie von nicht börsenkotierten KMUs.
    • Liserl 28.06.2020 11:15
      Highlight Highlight GENAU ! wo bleibt die gelebte Transparenz! Ich möchte bei jeder Medienperson oder Interviewten das Einkommen eingeblendet sehen, ich wurde oft nach meinem Lohn gefragt, als ich darauf hinwies wir könnten morgen Lohnausweise anschauen, kneiften (95% Frauen) Alle!
    • Lodestone 28.06.2020 11:20
      Highlight Highlight Das gibt dann Krieg in den Firmen. Die einen die weniger Leisten und die Löhne von denen sehen die besser Arbeiten und dadurch mehr bekommen, umgekehrt geht natürlich auch😏. Tut das lieber nicht, ich arbeite viel als externer für meine alte Firma. Die Firma hat die Philosophie das anscheinend alle meine Rechnungen einsehen müssen. Seit dem hat sich die Stimmung im Büro gegenüber mir drastisch ins negative geändert😌🙈
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  • Random Striker 28.06.2020 09:20
    Highlight Highlight Ein Schritt, der in die richtige Richtung zielt. Schade, dass das Parlament die Schweiz beschämt und diese grundlegende Vorlage wieder abgeschwächt hat. Man kann zwar darüber debattieren, ob die Idee dahinter kostspielig ist, aber demgegenüber hätte man auch wesentlich einfachere und weniger aufwändige Massnahmen schaffen können, wie einfach viel mehr Lohntransparenz zu schaffen. Das sorgt sicherlich für unangenehme Diskussionen, aber das zu Recht - Chef zu sein bring nun mal Herausforderungen mit sich.

    Zufällig gefunden: https://www.lohntransparenz.ch/
  • Basti Spiesser 28.06.2020 09:11
    Highlight Highlight „Frauen verdienen indessen immer noch weniger als Männer. Der Lohnunterschied betrug gemäss der Lohnstrukturerhebung 2018 durchschnittlich 12.5 Prozent.“

    NEIN. Sorry, aber ihr arbeitet schon wieder mit den unbereinigten Zahlen. Der bereinigte Unterschied ist max 2.9%

    So kann das doch niemand ernst nehmen.

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