Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bundespraesident Ueli Maurer spricht im Nationalrat an der Fruehlingssession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 7. Maerz 2019, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Ueli Maurer sagte das Interview mit dem Eco-Moderator Reto Lipp im letzten Moment ab. Bild: KEYSTONE

Ueli Maurer hat wieder «kä Luscht» und lässt Interview platzen – wegen dieses Beitrags

Ueli Maurer lässt ein Interview in der SRF-Sendung «Eco» platzen. Es ist nicht das erste Mal, dass der SVP-Bundesrat dem Fernsehen einfach davon läuft.



Was ist passiert?

Am Montag Mittag hätte Bundespräsident Ueli Maurer dem Moderator Reto Lipp in der SRF-Wirtschaftssendung «Eco» ein Interview geben sollen. Thema war die anstehende Abstimmung über die Steuerreform und AHV-Finanzierung, kurz STAF.

Kurz vor der Aufzeichnung der Sendung kommt es dann aber zum Eklat. Wie vereinbart erscheint Maurer zwar im Fernsehstudio. Doch weil er sich an den Formulierungen im vorbereiteten Beitrag stört, läuft er Moderator Lipp kurzerhand davon.

Was störte Maurer am Beitrag?

Im Beitrag geht es um die Vorlage zur Steuerreform und AHV-Finanzierung – ein komplexes Thema, über das die Schweizer Bevölkerung am 19. Mai befinden muss. Kritiker sagen, bei der aktuellen Vorlage für die Steuerreform handle es sich um die gescheiterte Unternehmenssteuerreform, die in neuer Verpackung wieder vors Volk komme. Einen ersten Versuch, die Unternehmenssteuer zu reformieren, wurde von der Schweizer Bevölkerung im 2017 abgelehnt.

Um diese Kritik an der Steuervorlage einfacher zu erklären, gebrauchen die Macher des Beitrages das Bild von alten Schläuchen, die mit neuem Wein gefüllt sind. Eingeblendet werden Rebstöcke und Szenen aus einer Weinfabrik.

Daran habe sich Maurer gestört. Er habe Lipp gesagt, das Bild sei falsch. Zudem ärgerte er sich, dass im Beitrag der Professor Christoph Schaltegger von der Universität Luzern zu Wort kommt. Dieser kritisiert die Vorlage zwar leicht, bekämpft sie allerdings nicht.

Der Beitrag, den Maurer davonlaufen liess ab Minute 1.45

quelle: srf

Obwohl Maurer nach dem Beitrag in einem acht minütigen Interview Zeit gehabt hätte, die Vorlage zu verteidigen, wollte er das nicht mehr tun. Er verliess das Fernsehstudio.

Was geschah danach?

Journalist Reto Lipp musste kurzerhand einen Ersatz für Maurer aufbieten. In die Bresche spring Swissmem-Vizepräsident Philipp Mosimann. Wie Maurer vertritt auch er die STAF-Vorlage. Das Bild von dem alten Wein in neuen Schläuchen findet er nicht so dramatisch. Er habe darüber schmunzeln können, sagt er im Interview mit Lipp.

Wie waren die Reaktionen auf Maurers Nicht-Auftritt?

Regula Rytz, Präsidentin der Grünen, gibt sich auf Twitter erstaunt. An einer Sitzung des Ständerates im Sommer 2018 habe Maurer selber auf die Schwächen der Vorlage hingewiesen und mit anderen Worten gesagt, dass die STAF im Steuerteil eben doch alter Wein in neuen Schläuchen sei. Er sagte: «Wenn wir die Steuervorlage mit Blick auf eine mögliche Volksabstimmung beurteilen, dann ist festzuhalten, dass sie eigentlich die gleichen Mängel hat, die die Unternehmenssteuerreform hatte.»

Der Chefredaktor TV von SRF, Tristan Brenn, stellte klar, dass das Wirtschaftsmagazin «Eco» keine Abmachungen mit Maurer gebrochen habe. Es sei journalistische Pflicht, auf die Argumente der Gegner einzugehen. Insbesondere vor einer Abstimmung. Das gelte auch bei Interviews mit Bundesräten.

Bundesrat Maurer hat bisher keine Stellung zum Vorfall genommen.

Was ist die Vorgeschichte?

Es ist nicht das erste Mal, dass Maurer ein Fernseh-Interview platzen liess. Bereits nach den Bundesratswahlen 2015 liess er den SRF-Moderator auflaufen, der ihm das Mikrofon hinhielt. «Nei, kä Luscht!», lautete seine etwas unflätige Antwort.

Aus dem Jahr 1999 stammt die Szene, bei der Maurer das Studio von Tele24 wutentbrannt verliess. Moderator Roger Schawinski bezeichnete den damaligen SVP-Parteipräsidenten als Parteipräsident von Blochers Gnaden.

(sar)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Bundespräsidenten der letzten 25 Jahre

So ist das neue Bundesratsfoto entstanden

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Verliert die SVP einen Bundesratssitz? Die SP und CVP bauen Drohkulisse auf

Man könnte denken, dass es abgesprochen war: Zuerst attackierte CVP-Präsident Gerhard Pfister die SVP. Und nur fünf Tage später sekundierte SP-Präsident Christian Levrat. Die beiden Parteichefs haben damit die Tonlage für die Wahlen 2023 vorgegeben.

Es war ein kleines Stakkato. Zuerst stellte CVP-Präsident Gerhard Pfister im «Tages-Anzeiger» fest, dass die SVP als «grösste Partei in diesem Land alles tut, um die Entwicklung zu einem Regierungs-Oppositions-System voranzutreiben.»

Kurz darauf sekundierte SP-Präsident Christian Levrat in der «NZZ am Sonntag»: «Die Frage stellt sich, ob der SVP weiterhin zwei Sitze in der Landesregierung zustehen sollen.»

Der Ton für die nächsten drei Jahre ist damit vorgegeben. Bis 2023 dürfte SVP-Bundesrat …

Artikel lesen
Link zum Artikel