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Schweiz
Gesellschaft & Politik

Parlaments-Session im Bundeshaus wegen Coronavirus abgebrochen

Wegen des sich ausbreitenden Coronavirus gilt ein neues Regime im Parlamentsgebäude. (Themenbild)
Wird ab Montag nicht mehr tagen: Der Nationalrat in Bern. Bild: KEYSTONE

Was der Abbruch der Session konkret bedeutet – erklärt in 5 Punkten

Das Parlament bricht die Session in Bern ab, das gaben die Parlamentsdienste heute Sonntag bekannt. Vom Abbruch betroffen sind auch mehrere Geschäfte, die eine zeitliche Dringlichkeit haben.
15.03.2020, 23:1416.03.2020, 14:36

Was bedeutet der Abbruch der Session?

Das Parlament trifft sich in der Regel alle drei Monate für eine drei Wochen lange Sitzungsperiode. Die aktuelle Frühjahrsession wurde am Sonntag abgebrochen, den Entscheid dazu gefällt haben die beiden Büros von National- und Ständerat.

In der dritten Parlamentsession standen verschiedene Geschäfte auf der Traktandenliste. Die grösste Bedeutung hatten jedoch jene Gesetzesänderungen, die für die Schlussabstimmung bereit gewesen wären. In der Schweiz muss jeder Bundesbeschluss von National- und Ständerat angenommen werden – diese Abstimmungen wären am Donnerstag geplant gewesen.

Warum hat das Parlament die Session abgebrochen?

Das Parlament schreibt, dass der Entscheid wegen der Verbreitung des Coronavirus beschlossen wurde. «Dieser Entscheid hat auch den Zweck, Ratsmitglieder und Angehörige, welche zu Risikogruppen gehören, zu schützen. Im Weiteren gibt es keine absolute Notwendigkeit, in der letzten Sessionswoche vorgesehene Geschäfte zu behandeln», heisst es in einer Mitteilung.

Welche Geschäfte sind vom Sessionsabbruch betroffen?

Das Parlament schreibt in einer Mitteilung: «Im Weiteren gibt es keine absolute Notwendigkeit, in der letzten Sessionswoche vorgesehene Geschäfte zu behandeln.» Diese Ansicht wird nicht von allen Parlamentariern bestätigt, wie vier Nationalrätinnen und Nationalräte anonym zu watson sagen.

Sie begründen ihre Einschätzung damit, dass bei vielen Beschlüssen die Schlussabstimmungen wegfallen. Besonders betroffen davon sind die Konzernverantwortungs-Initiative sowie die Überbrückungsrente. Ersteres muss bis am 10. April vom Parlament behandelt werden – sonst muss der Bundesrat die Volksabstimmung ohne Gegenvorschlag beschliessen.

Die Überlegungen bei der Überbrückungsrente sind politischer Natur: Parlamentarier ausserhalb der SVP hoffen, die Überbrückungsrente als «inoffiziellen Gegenvorschlag» zur Begrenzungsinitiative nutzen zu können, über die das Volk im Mai abstimmt.

Durch den Sessionsunterbruch werden auch Geschäfte wie das CO2-Gesetz oder die «Ehe für alle» warten müssen. Unter Zeitdruck ist das Parlament auch beim Datenschutzgesetz. Sie muss ihre Gesetzgebung bis zum 20. Mai EU-kompatibel machen.

Was bedeutet der Sessionsunterbruch für die Coronavirus-Massnahmen?

Nationalrätin Franziska Ryser (Grüne/SG) wollte, dass der Bundesrat seine Coronavirus-Gesetzesvorschläge bereits am Dienstag der Wirtschaftskommission präsentiert, damit Gewerblerinnen, Arbeitgebenden und Unternehmen im Eilverfahren geholfen werden kann. Die Sonntagspresse berichtete heute darüber.

WAHLEN 2019 - NATIONALRAT - KANTON ST. GALLEN - Franziska Ryser (neu), Grüne. (KEYSTONE/Parteien/Handout) === HANDOUT, NO SALES ===
Grüne-Nationalrätin Franziska Ryser. Bild: PARTEI

Das fällt nun weg. «Durch den Sessionsabbruch wurde das verunmöglicht», sagt die St.Gallerin Franziska Ryser zu watson. Sie kritisiert: «Ich hätte es richtig gefunden, wenn das Parlament unter höheren Sicherheitsbedingungen trotzdem getagt hätte. Schliesslich erwartet die Gesellschaft das auch vom Gesundheitspersonal.»

Wann die Coronavirus-Massnahmen zur Stützung der Wirtschaft beschlossen werden können, ist unklar. Vermutet wird, dass der Bundesrat in einer ausserordentlichen Sitzung sein Vorgehen anpassen wird.

Was passiert in den kommenden Tagen?

Das Büro von National- und Ständerat gab der Parlamentsverwaltung den Auftrag, einen Sitzungsort zu suchen, damit die notwendige Distanz der Volksvertreter eingehalten werden kann. Diskutiert wurde etwa, ob das Parlament in Messehallen tagt, besonders gefährdete Personen räumlich getrennt werden oder Transportdienste für National- und Ständeräte eingerichtet werden.

Damit soll offenbar erreicht werden, dass das Parlament die Coronavirus-Gesetzesänderungen im Rahmen einer ausserordentlichen Session beschliessen kann. Eine solche ausserordentliche Session könnte der Bundesrat oder ein Viertel der Ständerats- oder Nationalratsmitglieder einberufen.

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Coronavirus: Was du wissen musst

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Coronavirus: Was du wissen musst
quelle: ap / zoltan balogh
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Hier grillt eine Abgeordnete den Chefbeamten, bis er Corona-Gratistests verspricht

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26 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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SeboZh
15.03.2020 23:22registriert Dezember 2017
Aber ein grosser Teil der Bevölkerung soll weiterhin täglich zur arbeit? Top
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Pafeld
16.03.2020 01:10registriert August 2014
Man könnte auch einfach die Lobbyisten aus dem Bundeshaus werfen, um den zwischenmenschlichen Kontakt zu minimieren. Aber scheinbar ist man ohne diese nicht mehr beschlussfähig.
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Gantii
15.03.2020 23:46registriert Februar 2015
Kein Verständnis dafür, solange nicht ein bundesweiter Noststand verhängt wurde und alle anderen normal weiterarbeiten müssen.
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Nebenwirkungen bei bivalenten Covid-Impfstoffen: Swissmedic präsentiert erste Erkenntnisse
In den vergangenen zwei Monaten gab es vergleichsweise wenige Meldungen zu Nebenwirkungen der Covid-Impfungen bei Swissmedic. Lediglich 55 Betroffene meldeten sich nach einer Boosterimpfung mit einem neuen bivalenten Impfstoff.

Seit Beginn der Covid-Impfungen sammelt die Arzneimittelbehörde Swissmedic die Meldungen unerwünschter Nebenwirkungen, wertet diese aus und zieht nach ein paar Monaten jeweils Bilanz. Zwischen dem 1. Januar 2021 und heute sind von Ärztinnen und Ärzten, Apotheken sowie von Privatpersonen insgesamt 16'212 Verdachtsfälle von Nebenwirkungen gemeldet worden. Verimpft wurden in dieser Zeit 16.7 Millionen Dosen. Bei weniger als einem Prozent der verimpften Dosen wurden also Nebenwirkungen gemeldet.

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