Schweiz
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Alle Jahre wieder: Die bundesrätlichen 1.August-Reden mit Käsedegustation und Armbrust

Am Vorabend des 1. August haben sich fünf Bundesräte ans Volk gewandt. Sie sprachen von Heimat und von Italianità, aber auch vom Wert von Kompromissen.



Bundespräsident Alain Berset lobte bei seinen Auftritten im Kanton Freiburg die Wirkungskraft von Kompromissen. Gute Kompromisse seien grösser als der kleinste gemeinsame Nenner. Und daraus entstünden oft nachhaltige Lösungen.

«Wir leben heute in Zeiten der Polarisierung.»

Alain Berset

Berset schlug den Bogen zur Bundesverfassung von 1848, welche aus einem solchen Kompromiss entstanden sei, wie es in seinem Redetext hiess. Nach dem Sonderbundskrieg seien die Sieger auf die Verlierer zugegangen und hätten den Kantonen ein grosses Mass an Macht überlassen und auf einen starken Zentralstaat verzichtet.

Bundespraesident Alain Berset spricht waehrend einer 1. August Ansprache, am Dienstag, 31. Juli 2018 in Belfaux. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Berset in Belfaux. Bild: KEYSTONE

«Wir leben heute in Zeiten der Polarisierung», fuhr Berset fort. Umso mehr müsse die Schweiz die Kompromissfähigkeit erhalten. Diese sei ein Zeichen der Stärke und erfordere Weitsicht, Mut und Selbstsicherheit. Mit der Altersvorsorge und dem Gesundheitswesen verwies Berset auf aktuelle politische Diskussionen. Gerade hier seien solche Lösungen gefragt, sagte er.

Wandern mit dem Bundespräsidenten

Berset hielt eine seiner Reden zum Nationalfeiertag anlässlich einer Wanderung mit rund 120 Personen. Er wanderte gegen Mittag mit einer Gruppe von 120 Personen im Schwarzsee-Gebiet vom Berghaus Riggisalp auf die Alp Oberer Euschels. Dort konnte sich die Gruppe bei einem Bauernbrunch stärken und in einer Alphütte Joghurt und Käse probieren, wie Bersets Sprecher gegenüber Keystone-SDA sagte. Zudem habe es ein Akkordeon-Konzert gegeben.

Bundespraesident Alain Berset waehrend einer Wanderung mit ca. 300 Personen von Riggisalp nach Schwarzsee, am Dienstag, 31. Juli 2018 bei Riggisalp. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Berset wandert sehr zufrieden. Bild: KEYSTONE

Am Abend wollte Alain Berset in seinem Wohnort Belfaux FR an der Feier zum Nationalfeiertag teilnehmen. Derweil wandte sich Bundesrätin Simonetta Sommaruga in Muttenz BL an die Bevölkerung. Sie sprach über die Heimat. Aber nicht nur über die Schweiz als Heimat, sondern vor allem darüber, wie in Europa mit Heimatlosen umgegangen wird.

«Wenn wir aufhören, uns berühren zu lassen vom Schicksal von Menschen, die auf der Flucht sind, dann verlieren wir selber etwas von unserer Menschlichkeit.»

Simonetta Sommaruga

«Mir scheint, rings um unser Land hat eine Art Wettbewerb eingesetzt», sagte die Justizministerin gemäss Redetext. Es erscheine ihr wie ein Ringen darum, wer sich noch abweisender über Flüchtlinge äussere und wer noch härtere Massnahmen vorschlage, um Menschen daran zu hindern, nach Europa zu gelangen.

epa06882810 Head of the Federal Department of Justice and Police, Swiss, Simonetta Sommaruga, attends the informal meeting of justice and home affairs ministers at the Congress in Innsbruck, Austria, 12 July 2018. Austria hosts a two-days informal meeting of EU and 'Eastern Partnership' justice and home affairs ministers in Innsbruck on 12 and 13 July.  EPA/DANIEL KOPATSCH

Sommaruga, nicht an der 1.-August-Rede vom 31. Juli, dafür in Innsbruck hinter kleiner Schweizerfahne.  Bild: EPA/EPA

Dabei hielten sich von den 68 Millionen Menschen, die derzeit auf der Flucht seien, 85 Prozent in den ärmsten Ländern der Welt auf. «Um sie sollten wir uns kümmern», hielt Sommaruga fest. «Wenn wir aufhören, uns berühren zu lassen vom Schicksal von Menschen, die auf der Flucht sind, dann verlieren wir selber etwas von unserer Menschlichkeit.» Menschen könnten einander überall eine Heimat geben, diese sei an keinen Ort gebunden.

«In Scharen in die Schweiz gekommen»

Auch Bundesrat Ignazio Cassis sprach die Migration an; allerdings jene in den 1960er Jahren aus Italien in die Schweiz. «In Scharen» seien damals Italiener in die Schweiz geholt worden, weil ein akuter Arbeitskräftemangel geherrscht habe, sagte er gemäss Redetext in Rorschach SG. Die Gastarbeiter hätten die Italianità in die Schweiz gebracht – und diese sei ein Stück Schweizer Geschichte.

Bundesrat Ignazio Cassis beim Treffen mit der Bevoelkerung von Val-de-Charmey, waehrend der Bundesratsreise am Donnerstag, 5. Juli 2018 in Charmey im Kanton Fribourg. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Umstrittener Cassis – nicht an seiner 1.August-Rede am 31. Juli, dafür mit Mann mit Schweizer-Säckli. Bild: KEYSTONE

Allerdings hätten sie zunächst auch Überfremdungsängste geweckt. Schliesslich habe die Integration jedoch funktioniert und am Schluss seien alle ein Stück weit Italiener geworden – insbesondere, wenn man die Essvorlieben der Schweizerinnen und Schweizer betrachte.

In Luzern legte der Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann den Fokus seiner Rede auf den Tourismus. Es könne nie genug Touristen in der Schweiz geben, denn nach der Rückkehr in ihre Heimat seien die Touristen Botschafter für die Schweiz. Die Schweiz bezeichnete Schneider-Ammann als viel bewundertes kleines Paradies.

«Daher träume ich von einem Land, dessen Zukunft weiterhin vom freiwilligen Engagement lebt.»

Johann Schneider-Ammann

Armbrust und Hellebarde

Verteidigungsminister Guy Parmelin bediente sich in seiner Ansprache in Langrickenbach TG der Symbolik. Die Armbrust und die Hellebarde passten zur heutigen Zeit und zur Schweiz, sagte er gemäss Redetext. Die Armbrust stehe für Schweizer Qualität, Zuverlässigkeit und Präzision. Dieses Symbol müsse geschützt werden. Deswegen brauche es auch eine Schweiz der Hellebarden, der Hellebarde als Schutzwaffe.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann bei seiner Ansprache anlaesslich der Bundesfeier in der Nidwaldner Gemeinde Emmetten vom Dienstag, 31. Juli 2018. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Schneider-Ammann mit vielen Schweizerkreuzen.  Bild: KEYSTONE

Die Sicherheit sei ein Werkzeug im Dienste des Lebens und der Freiheit. Es brauche aber auch jemanden, der das Werkzeug bediene. «Daher träume ich von einem Land, dessen Zukunft weiterhin vom freiwilligen Engagement lebt», sinnierte Parmelin.

Bundesrätin Doris Leuthard und Bundeskanzler Walter Thurnherr planten Auftritte erst am 1. August. Und Bundesrat Ueli Maurer weilt im Ausland und nimmt an keiner Veranstaltung teil – auch am 1. August nicht. (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Schneider Alex 02.08.2018 02:33
    Highlight Highlight EU-Verträge gehen Schweizer Recht vor!

    Schon ohne institutionellen Rahmenvertrag bekommen wir heute in Teilbereichen vorgeführt, was in Zukunft in allen Politikbereichen gelten soll. So müssen wir bereits heute in Rahmen des Schengen-Abkommens zwingend die Rechtsentwicklung der EU übernehmen. Wenn die EU also die Visumsfreiheit für die Türken in Europa beschliesst, muss die Schweiz nachziehen. Und das Bundesgericht stellt seit einem Urteil vom November 2015 internationale Verträge konsequent über das schweizerische Recht. Das gilt es zu verhindern.
  • Sherlock_Holmes 01.08.2018 12:24
    Highlight Highlight Ich wünsche mir zum heutigen Tag, dass alle zusammen stehen, für eine menschliche, solidarische Politik mit benachteiligten Menschen, nicht zuletzt auch im Inland.
    Die Stärke einer Gesellschaft bemisst sich am Umgang mit ihren Schwächsten.
    Wehren wir uns gegen Pauschalisierungen und Verunglimpfungen und vergessen wir nicht, dankbar zu sein für die uns geschenkten Stärken und Möglichkeiten.
    Jedem von uns können sie durch Krankheiten, unverschuldetem Jobverlust oder Schicksalsschlägen genommen werden.
    Die Stimme der Menschlichkeit ist ein Licht, das umso nötiger wird, je dunkler es wird.
  • Sherlock_Holmes 01.08.2018 12:03
    Highlight Highlight Darin zeigt Frau Bundesrätin Sommaruga unglaubliche menschliche Stärke, indem Sie zusammen mit Ihren Mitarbeitern um konkrete umsetzbare Lösungen ringt, z.B. beim Aufbau von Bundesasylzentren, bei Akommen mit andern Ländern oder der direkten Aufnahme von unmittelbar an Leib und Leben bedrohter Familien.
    Sie ist damit Vorbild für eine sachbezogene humanitäre Politik, entgegen der menschenverachtenden Retorik der rechtspopulistischen Meinungsführer.
    Das beinhaltet auch den Dialog mit der Bevölkerung, denn diese Herausforderungen können nur gemeinsam gelöst werden und nicht durch Polemik.
  • Sherlock_Holmes 01.08.2018 11:30
    Highlight Highlight «Wenn wir aufhören, uns berühren zu lassen vom Schicksal von Menschen die auf der Flucht sind, dann verlieren wir selber etwas von unserer Menschlichkeit.

    (...) Mir scheint, rings um unser Land hat eine Art Wettbewerb eingesetzt, (...) es erscheint wie ein Ringen darum, wer sich noch abweisender über Flüchtlinge äussert und noch härtere Massnahmen vorschlägt, um Menschen daran zu hindern, nach Europa zu gelangen.»
    Herzlichen Dank Frau Sommaruga für diese Worte und den unglaublich schwierigen Job, den Sie bewältigen, indem Sie sich gegen alle Anfeindungen Ihre Menschlichkeit bewahren.
  • Töfflifahrer 01.08.2018 10:37
    Highlight Highlight Aha, dä Ueli hät wieder emol kä Luscht.

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