«Öffentlich hinrichten»: Aussagen von Gemeindepräsident und Sohn sorgen für Empörung
Auslöser der Kontroverse ist eine Folge des Podcasts «Generationengespräche», den der Bündner Gemeindepräsident Martin Cavegn (Mitte) gemeinsam mit seinem Sohn Nils betreibt. In der Episode mit dem Titel «Die Wahrheit sagen – egal was es kostet» diskutieren Vater und Sohn einen Vergewaltigungsfall in Italien. Dabei sagt Nils Cavegn: «Die, die so etwas machen, sollten meiner Meinung nach öffentlich hingerichtet werden.» Zudem bezeichnet er Ausländer pauschal als «Dämonen».
Sein Vater widerspricht der Aussage nicht, sondern reagiert mit einem zustimmenden «Ja, ja» und Lachen. Genau dieses Ausbleiben einer Distanzierung sorgt für besonders viel Kritik.
Empörung im Dorf und auf Social Media
Nach der Veröffentlichung der Folge kam es in Tujetsch zu teils heftigen Reaktionen. Unbekannte druckten das Zitat samt QR-Code zur Podcastfolge auf Flyer und verteilten diese im Dorf, wie die «Südostschweiz» berichtete. Auch in den sozialen Medien wurde die Episode intensiv diskutiert und kritisiert.
Bei der Familie Cavegn sorgt die Aktion für Ärger. «Diese Tat ist sehr feige. Zudem ist der Satz aus dem Kontext gerissen», sagt Martin Cavegn. Er betont, die öffentliche Reaktion sei unverhältnismässig.
«Kein politischer Podcast»
Der Gemeindepräsident zeigt sich überrascht vom Ausmass der Kritik. «Unser Ziel war es, einen Podcast über unsere Gespräche zu machen, nicht über politische Statements», sagt Cavegn. Der Podcast sei kein politisches Projekt. «Die Aufregung ist nur da, weil ich noch Gemeindepräsident bin. Aber wir sind auch nur Sohn und Vater, die diskutieren.»
Laut Cavegn bezog sich die Diskussion auf einen konkreten Kriminalfall aus Italien im Oktober 2025. Ein Paar sei in einem Park in Rom von mehreren Männern überfallen worden. Der Mann sei festgehalten worden, während seine Freundin vergewaltigt wurde. Die mutmasslichen Täter stammten laut Medienberichten aus Nordafrika.
Rückzug und Relativierung
Martin Cavegn beschreibt seinen Sohn als sehr direkt. «Natürlich denke ich manchmal: ‹Das kann man jetzt nicht sagen.›» Er sehe seine Rolle im Podcast darin, Aussagen zu relativieren und nicht sofort mit der eigenen Meinung einzugreifen.
Nils Cavegn selbst rudert inzwischen zurück. «Ich wünsche keinem den Tod, auch nicht, dass die Todesstrafe wieder eingeführt wird», sagt er gegenüber 20 Minuten. Die Aussage sei aus einer emotionalen Reaktion heraus entstanden. «Ich habe mir die Tat sehr bildlich vorgestellt. Ich habe mich und meine Freundin dort gesehen.» Seiner Meinung nach würden solche Täter von der Justiz nicht hart genug bestraft.
Partei reagiert bislang nicht
Die Mitte-Partei Graubünden hat sich bislang nicht öffentlich zu den Aussagen ihres Parteimitglieds geäussert.
(mke)
