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Eine Frau applaudiert dem Gesundheitspersonal von ihrem Balkon aus. Die Coronakrise förderte vor allem eines: Dankbarkeit.
Eine Frau applaudiert dem Gesundheitspersonal von ihrem Balkon aus. Die Coronakrise förderte vor allem eines: Dankbarkeit.
Bild: EPA

Diese Gefühle haben in der Coronakrise zugenommen – und nein, sie sind nicht nur negativ

Die Coronakrise hat bei der Deutschschweizer Bevölkerung mehr positive als negative Gefühle gefördert. Doch die allgemeine Stimmungslage hat sich verschlechtert. Wie das zusammengeht, zeigt eine neue Studie.
07.07.2020, 09:4807.07.2020, 10:22

Obwohl die globale Pandemie zu sehr viel negativer Berichterstattung geführt hat, förderte die Coronakrise in der Deutschschweiz vor allem ein Gefühl: Dankbarkeit.

Das zeigt eine aktuelle Studie, die im Auftrag der Gesundheitsförderung Schweiz von der Forschungsstelle sotomo durchgeführt wurde. Rund 29 Prozent der über 9000 Befragten gaben an, dass sie durch die Coronakrise vermehrt Dankbarkeit empfinden. Dicht dahinter, mit 19 Prozent, liegt das Gefühl der Zufriedenheit.

Auch negative Gefühle haben an Bedeutung gewonnen, darunter Machtlosigkeit (+11%), Zukunftsangst und Unsicherheit (beide +10%). Doch die positiven Gefühle wurden wesentlich häufiger genannt als die negativen.

Diese Gefühle haben während der Coronakrise zugenommen

Das Corona-Paradox

Die Autorinnen der Studie sprechen von einem Corona-Paradox. Denn neben der Frage nach den konkreten Gefühlen mussten die Studienteilnehmenden ebenfalls ihre allgemeine Stimmungslage angeben. Und hier war das Ergebnis ein ganz anderes: Fast die Hälfte der Befragten gab an, die Coronakrise habe sich negativ auf ihre Stimmung ausgewirkt. Nur 22 Prozent spürten einen positiven Effekt. Besonders Frauen und jüngere Studienteilnehmende hatten mit ihrer Stimmungslage zu kämpfen.

Die Widersprüchlichkeit bedeutet vor allem eines: Wahrgenommene Gefühle und die Einschätzung der eigenen Stimmungslage sind nicht das Gleiche. Die Studienautoren gehen davon aus, dass die Coronakrise zwar zu Verunsicherung geführt hat, gleichzeitig hat sie aber auch «ein tieferes Bewusstsein für die eigene privilegierte Lage geschaffen».

Emotionale Verjüngungskur

Die Coronakrise hat das Leben vieler Schweizerinnen und Schweizer durchgeschüttelt. Und sie sorgte auch dafür, dass das emotionale Spektrum der Menschen erweitert wurde. Die Studienbefragten nannten durchschnittlich 2,5 Gefühle, die für sie durch die globale Pandemie an Bedeutung gewonnen haben.

Besonders die ältere Generation (65+) gab mehr Gefühle an, die für sie durch Corona an Bedeutung gewonnen haben. Darunter Dankbarkeit, Zufriedenheit und Interessiertsein. Die genannten Gefühle unterscheiden sich nicht nur punkto Alter, sondern auch punkto Geschlecht. Frauen nannten Dankbarkeit häufiger als Männer. Als drittes Gefühl kommt bei den Frauen Liebe, bei den Männern Interessiertsein auf die Liste. «Eine Gegenüberstellung, die wirkt wie eine empirische Bestätigung eines Vorurteils», schreiben die Studienautorinnen dazu.

Zur Studie
Die von Deutschschweizer Kantonen und Gesundheitsorganisationen lancierte Kampagne «Wie geht's dir?» möchte die Menschen dazu motivieren, offener über ihre Gefühle zu reden.

Im Rahmen dieser Kampagne wurde 20. bis 27. Mai 2020 eine Studie durchgeführt. Dabei bildete die sprachlich integrierte Wohnbevölkerung der Deutschschweiz die Grundgesamtheit.

Rekrutiert wurden die Studienteilnehmerinnen einerseits über watson, andererseits über das Online-Panel der Forschungsstelle sotomo. Um möglichst repräsentative Ergebnisse zu erhalten, wurde die Stichprobe im Nachhinein kalibriert.

Die gesamte Studie «Atlas der Emotionen» wird am Mittwoch, 8. Juli publiziert. watson hat vorab einen Auszug davon erhalten.
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