Ex-USZ-Herzchirurg Maisano wehrt sich – und kritisiert Schweigen ehemaliger Kollegen
Der für sein umstrittenes Cardioband an den Pranger geratene frühere Zürcher Klinikchef und Herzchirurg, Francesco Maisano, weist in einem Interview alle Vorwürfe zurück. Das Mailänder Spital San Raffaele, an dem Maisano derzeit Chefarzt ist, hat ein Audit angeordnet.
«In Zürich haben wir die Tür auch für die komplexesten Fälle offen gehalten. Und gerade durch die innovativen Verfahren haben wir die Risiken für diese Patienten begrenzt», sagte Maisano zur «NZZ am Sonntag». Man habe ihn nach Zürich geholt, um innovative Verfahren wie den Einsatz des Cardiobands voranzutreiben. Und weiter: «Die Universität erhielt einen Anteil an den Einnahmen aus meinen Kooperationen mit der Industrie.»
Maisano begrüsst die Untersuchungen in Italien und zeigt sich überzeugt davon, dass sie «Klarheit schaffen werden».
Zu schaffen mache ihm «das Schweigen von Dutzenden von Kollegen und ehemaligen Mitarbeitern», so Maisano über das Universitätsspital Zürich (USZ). Sie würden die Fakten kennen und schweigen, «um nicht unter die Räder zu kommen». Und er betonte: «Wenn diejenigen, die Bescheid wissen, frei sprechen könnten, würden wir alle mehr erfahren - im Interesse der Patienten und von Institutionen wie dem USZ, das ich nach wie vor zutiefst schätze.»
Kein «skrupelloser Innovator»
Am unzutreffendsten sei seine Darstellung in den Medien als «skrupelloser Innovator». Er habe Techniken und Geräte so entwickelt, wie es jeder Arzt tun sollte, dem das Wohl seiner Patienten am Herzen liege: auf der Suche nach sichereren, weniger invasiven Instrumenten, mit denen Menschen erreicht werden können, die mit der traditionellen Chirurgie nicht behandelt werden könnten.
Die andere Ungerechtigkeit sei der Vorwurf der Intransparenz. «Alle unsere innovativen Eingriffe wurden vollständig auf Video aufgezeichnet», sagte Maisano. Hunderte von Fachleuten aus aller Welt seien nach Zürich gekommen, «um unsere Techniken» zu beobachten. «Wir haben die Ergebnisse veröffentlicht. Es herrschte völlige Transparenz.»
«Sprachliche und kulturelle Barriere»
Angesprochen auf eigene Fehler sagt Maisono, es sei ihm nicht immer gelungen, «meine klinische Vision in einen kulturellen und institutionellen Kontext zu integrieren, der sich von meinem eigenen unterschied». Die «sprachliche und kulturelle Barriere» habe eine Rolle gespielt. Er habe nicht immer alle notwendigen internen Allianzen aufgebaut.
Zum Vorwurf dutzender unnötiger Todesfälle bei seinen Operationen am Universitätsspital Zürich entgegnet der Herzchirurg, die Sterblichkeit konzentriere sich auf konventionelle chirurgische Eingriffe, nicht auf innovative oder kathetergestützte Verfahren. Das sei der klinisch relevanteste Punkt, der in der Medienberichterstattung am meisten fehle, da diese eine falsche Verbindung zwischen innovativen Eingriffen und Sterblichkeit hergestellt habe.
Elf Fälle bei der Staatsanwaltschaft
Und es gehe um lediglich elf Fälle, die bei der Staatsanwaltschaft landeten. Dabei sei geklärt worden, dass keine vorsätzlichen Aspekte als Ursache für die Todesfälle erkennbar seien. «Elf Fälle in fünf Jahren bei insgesamt etwa 4500 Einsätzen», betonte Maisano.
Es gebe zudem Patienten, die mit einer Sterbewahrscheinlichkeit von bis zu 50 Prozent in den Operationssaal kämen. Jeder Zweite überlebe nicht. Ältere Menschen, mit mehreren Erkrankungen, mit komplexer Anatomie, die bereits zuvor operiert worden seien, Patienten, die viele Zentren ablehnten, weil eine Operation die Statistiken verschlechtern würden.
Seine Patienten seien vor den Eingriffen über die Risiken und den innovativen Charakter der Verfahren aufgeklärt worden. Er sei bei den Patientengesprächen von einem muttersprachlichen medizinischen Assistenten begleitet worden. (sda)
